Gschmackiges Futter für den Soziologen

04. September 2009 18:04
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    Foto: orf/schafler

    Alexander Fankhauser (links) und Andreas Wojta: eine Koch-Persiflage als österreichisches Volksstück.

"Andi und Alex": Eine Abrechnung mit einer Kochshow, die österreichisch sein will - und der das leider gelingt

Wenn man, wie manche meinen, aus den Kochsendungen eines Landes wirklich den jeweiligen Nationalcharakter ablesen kann, dann sind "Andi und Alex", die im mittäglichen ORF während der Woche Frisch gekocht auftischen, gschmackiges Futter für Soziologen und Psychologen. Eines ist sicher: Jenen Zusehern, die die Protagonisten dieser Kochshow genauso „siaß" finden wie die beiden Köche einander, steht eine andere Menschengruppe gegenüber, der die - eher zufällige - Konsumation der Sendung bestens dazu dient, ihren österreichischen Selbsthass zu pflegen und zu schärfen.

Idealerweise kann man sich's aussuchen, was einen mehr in Rage bringt: die vermeintliche rustikale Seite des österreichischen Wesens oder die urbane (beziehungsweise vorstädtische - auch wenn das "Minoritenstüberl" von "Andi" im 1. Bezirk liegt).

Kunstfiguren

Nichts gegen die - gut dem Format und dem anzunehmenden Publikum - angepasste Küche der beiden Köche, ja nicht einmal etwas gegen die beiden selbst. Denn im mittäglichen TV-Kastl sehen wir - hoffentlich - nicht den Herrn Wojta und nicht den Herrn Fankhauser, sondern österreichische Kunstfiguren. Wie ja der Wiener Strizzi und der Tiroler Skilehrer auch welche sind, selbst wenn sie auf zwei Beinen in der realen österreichischen Welt umherlaufen.

Das Outrieren, die gestikulierende Hektik und demonstrative Verhaberung gehören zum österreichischen Volksstück, das da aufgeführt wird, ebenso wie der Dialekt und die Diminutive ("Oliverl"). Dass man einem Zillertaler das Wort Qimiq (ein "Produkt aus 99 Prozent österreichischer Sahne" [sic!], wie es auf der Qimiq-Homepage heißt) antut, ist eigentlich nicht luschtig. Aber das ist nichts gegen den Quetschtenor Wojta mit seinem "Äizerl" dort und „Gschmockn" da, der auch schon einmal singen darf. Was vielleicht "lebhaft" und "intensiv" gemeint ist, kommt österreichisch geschmäcklerisch, pickig und aufdringlich herüber. Dazu die angedeuteten Zoten, etwa darüber, was da abgehen wird, wenn etwas Aphrodisierendes im Essen ist.

Infantiler Rahmen

Kinder dürfen trotzdem zuschauen, alles bleibt brav im infantilen Rahmen. Wenn ein unbedarfter Zuseher den Fernseher im richtigen Moment aufdreht, wird er vielleicht glauben, in eine Fernsehköcheparodie geraten zu sein. Und die weibliche Herzblatt-Stimme aus dem Off, die mit "Abrakadabra" und „Simsalabim" (apropos Kindersendung ...) die idiotische Gewinnfrage oder die weinbeschreibenden Floskeln säuselt, wird ihn in dem Glauben noch bestärken. So gesehen, gar nicht schlecht gemacht, als Persiflage. (Gudrun Harrer/DER STANDARD; Printausgabe, 5./6.9.2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 49
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hmm..
04.10.2009 01:41
mir schmeckts..

..auch wenns teilweise zuviel des guten ist (singerei o.ä.)

btw: stermann & grissemann als andi & alex (gut getroffen) http://tinyurl.com/y8rqe9r

Aux Armes Citoyens!
14.09.2009 12:39
die zwei können net schlecht kochen,

vor allem der andi.

aber die schmäh von den beiden sind mehr als nur peinlich...

Balsamessig
07.09.2009 16:12

Im Vergleich zum eingekauften amerikanischen Unterhaltungsglumpert eine der besten Serien des glanzlosen österreichischen Fernsehens,
man kann dazu sagen:
Schön aus dem letzten Loch gepfiffen!

Ingrimm
09.09.2009 08:55

Naja, wenn alles aus den USA für sie sowieso schlecht ist, muss dass ein echter Leckerbissen sein. Haben sie ihren Wohnort nebenbei schonmal verlassen?

sturmwind
07.09.2009 13:34
Weils grad läuft

*ggg* ... Sehr amüsant finde ich auch übrigens, wenn unsere beiden "Charmebolzen" Schwachsinn erzählen, die Redakteure via Insert korrigieren *gg* ... einer der Höhepunkte dieser Sendung ;-).

Peter May1
07.09.2009 11:30
bitte nicht!

der fremdschäm-faktor ist ja statistisch gesehen sehr niedrig bei dieser sendung - der sendezeit sei dank. ein paar omis, hausfrauen und hocknstade machen ja nicht die breite masse aus, aber dennoch - fremdschäm! dieser "andi" ist auch ein immer wieder (ungern) gesehener gast bei div. kellerfesten im weinviertel - ein "edel"-prolet wie aus einem bilderbuch!

vielleicht werden die beiden ja bald den opernball moderieren und die sacherwürschtln vorher kochen.
beim orf kommen würschtln oft sehr weit!!!

achiever
07.09.2009 07:55

wer zu intelektuell für solch eine sendung ist, der soll sie doch bitte einfach nicht ansehen.

bei solchen postings bin ich froh, dass ich entweder nicht intelektuell bin, oder nicht damit angeben muss!

btw: Ich finde sowieso, dass im ORF viel mehr Dialekt gesprochen gehört.

Chien de Pique
06.09.2009 19:17

Bin ich froh, dass ich nun weiß, dass ich mit meiner inbrünstigen Abneigung nicht alleine dastehe - und Frau H. hat die richtigen Worte gefunden, um meinen Empfindungen Ausdruck zu verleihen.
Allein bei diesem unnachamlich gedehnten "Äizerl" möchte ich jedesmal, wenn ich nach der ZiB nicht rechtzeitig weggezappt haben sollte, mit dem Kopf gegen eine Wand rennen. Auch ich empfinde Herrn W. als deutlich schlimmer.

THE MGT.
06.09.2009 16:26

Die Sendung habe ich schon lange nicht mehr gesehen und dachte meine Erinnerung, die beiden würden sich ständig mit untergriffigen Schmähs beflegeln, würde mich täuschen. Nach den Postings weiter unten tun sie das aber tatsächlich - und immer noch. Ich weiß nur, dass sie mir ziemlich unsympathisch waren und ich seither immer weiterschalte, wenn ich zufällig darauf stoße.

Anderseits, meine Mutter (weit im Pensionsalter) teilt meine Ansicht über die Beiden garnicht, findet sie sympathisch und mag, "obwohl" Wienerin, auch den Dialekt.

Ist wohl eine Frage des Zielpublikums. Offenbar funktioniert die Show in der einen Gruppe sehr gut, in anderen überhaupt nicht. Insofern das Selbe wie Stermann und Grissemann, nur quasi umgekehrt.

CycoMyco
06.09.2009 14:30
Wie ein Autounfall.

Hab das gestern zufällig gesehen und konnte nicht wegschalten.
So auf Muss lustig sein zu wollen wirkte sehr peinlich. 15minütiges Lachen, Kopfschütteln, Wundern.
Beide haben gewirkt wie zwei Schilehrer-Teletubbies auf Koks. Naja ORF, wen wunderts...

lieschen müller
06.09.2009 11:50
Der kleine Horizont...

Wenn der Musikantenstadl Fan seinen Horizont erweitern will schaut er sich diese Sendung an, dann noch Barbara Karlich und er fühlt sich den Intellektuellen dieser Welt weit überlegen.

neulichtsichel
18.09.2009 18:51
da sehnt sich eine kleine liese m. nach dem duft der großen weiten welt:

seife fa
hülfe da!

cannery row
06.09.2009 11:41
wow, nicht schlecht..

richtig hasstriefend, und das am sonntag.
besser wäre natürlich, ster & grisse würden das machen, und während sie eine wurstsemmel zubereiten, lästern sie über strache. aber halt: wurstsemmeln sind sicher nicht mehr pc, also käsebrote.
mal im ernst: das ist eine kochsendung, nicht mehr und nicht weniger. lächerlicher als dieser kreuzzugartikel sind nur mehr die posts hier. man kann sich nur wundern.

louidor
06.09.2009 08:34
Unmöglich, widerlich, so wie die anderen ORF eigenen Formate

Zwei Köche, die sich nicht ausstehen können reden 20 Minuten lang nur Blödsinn, beschimpfen sich dabei im triefenden Hansi-Hinterseer-Ton, wie es nur Österreicher können und schwenken nebenbei eine Pfanne oder hacken Petersilie klein. Man schaut diese Sendung mit dem Unterhaltungswert eines Testbildes eigentlich nur, weil man darauf wartet, dass einmal einer dem anderen die Pfanne nachschmeisst. Geschlagen wird diese Sendung nur noch von Barbara Karlich und ihrem Hausmasta-talk.

Linus D
06.09.2009 06:43
Ganz genau!

pickig ist der richtige Ausdruck!!!

"ohgschleckt" triffts auch ganz gut die zwei!

Aber: Ist das leicht gar kein Kabarett???

Knieriem
05.09.2009 23:14

Mag ja sein, daß Andi&Alex nicht unbedingt hochintellektuell agieren und manchmal nur halblustig outrieren. Diese Sendung ist aber, so scheint es mir, nicht für Intellektuelle gemacht und gibt das auch nicht vor. Wenn wir aber schon bei österreichischen Eigenschaften sind, gehören dann nicht intellektueller Hochmut und Verachtung der Hansi Hinterseer-Liebhaber, sowie Nestbeschmutzung auch dazu?

Tussitherapeut
07.09.2009 13:58

dieses selbstgefällige gehabe vieler standardposter wie intellektuell sie denn nicht seien, indem sie verächtlich auf krone und ö3, sowie sämtliche anderen medien, welche diesem vermeintlichen bild entsprechen, hinpecken, ist einerseits lustig zu lesen, andererseits entspricht es ihrem wahrem intellekt, nämlich dem einer kellerassel.

ungeachtet dessen sind diese zwei kochkasperl aber tatsächlich ein tiefpunkt der fernsehunterhaltung, völlig egal für welches publikum ihre seichten schmähs und die sinnlosen dialoge erdacht wurden.

Naschgul
07.09.2009 14:17

Sie haben die "Ich schau nur arte und 3sat"-Attitüde vergessen ;)

Tussitherapeut
07.09.2009 14:23

ist fm4 eigentlich auch noch so beliebt unter den selbsternannten intellektuellen? ;)


Der Tod als Ziel
10.09.2009 00:48
FM4 - ja, eher beliebt, aber nicht über Gebühr,

bei uns selbsternannten Intellektuellen.

Stanley Beamish
06.09.2009 13:07

Danke für die klaren Worte! Vor allem der "intellektuelle Hochmut" erfreut sich sowohl in den Standardartikeln als auch in entsprechenden Kommentaren grosser Beliebheit.

Knieriem
06.09.2009 21:20

Da bekommt man doch manchmal einen "dicken Hals", oder? Das Beste dabei ist aber, daß sich viele selbst als liberal, politisch korrekt, sozial, etc. beschreiben würden.

Hippocampusserl
05.09.2009 22:40
ja! ja! ja!

danke, frau harrer, dass sie vieles ansprechen, was ich bei gelegentlicher betrachtung dieser "koch-show" alles so empfunden habe. es ist eine ziemlich abstossende und widerwärtige angelegenheit! vergleichbar vielleicht mit dem musikantenstadl?

Kriti Kaster
05.09.2009 22:32
Ich tät gern

wieder Silent Cooking sehen.

Knieriem
05.09.2009 23:17

Ist ja sehr angenehm, wenn man kein blödes Herumgerede hören muß, nur kann der nicht wirklich kochen, bzw. hat es nie, wie z.B. auch die hochgelobte Sarah Wiener gelernt.

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