"Andi und Alex": Eine Abrechnung mit einer Kochshow, die österreichisch sein will - und der das leider gelingt
Wenn man, wie manche meinen, aus den Kochsendungen eines Landes wirklich den jeweiligen Nationalcharakter ablesen kann, dann sind "Andi und Alex", die im mittäglichen ORF während der Woche Frisch gekocht auftischen, gschmackiges Futter für Soziologen und Psychologen. Eines ist sicher: Jenen Zusehern, die die Protagonisten dieser Kochshow genauso „siaß" finden wie die beiden Köche einander, steht eine andere Menschengruppe gegenüber, der die - eher zufällige - Konsumation der Sendung bestens dazu dient, ihren österreichischen Selbsthass zu pflegen und zu schärfen.
Idealerweise kann man sich's aussuchen, was einen mehr in Rage bringt: die vermeintliche rustikale Seite des österreichischen Wesens oder die urbane (beziehungsweise vorstädtische - auch wenn das "Minoritenstüberl" von "Andi" im 1. Bezirk liegt).
Kunstfiguren
Nichts gegen die - gut dem Format und dem anzunehmenden Publikum - angepasste Küche der beiden Köche, ja nicht einmal etwas gegen die beiden selbst. Denn im mittäglichen TV-Kastl sehen wir - hoffentlich - nicht den Herrn Wojta und nicht den Herrn Fankhauser, sondern österreichische Kunstfiguren. Wie ja der Wiener Strizzi und der Tiroler Skilehrer auch welche sind, selbst wenn sie auf zwei Beinen in der realen österreichischen Welt umherlaufen.
Das Outrieren, die gestikulierende Hektik und demonstrative Verhaberung gehören zum österreichischen Volksstück, das da aufgeführt wird, ebenso wie der Dialekt und die Diminutive ("Oliverl"). Dass man einem Zillertaler das Wort Qimiq (ein "Produkt aus 99 Prozent österreichischer Sahne" [sic!], wie es auf der Qimiq-Homepage heißt) antut, ist eigentlich nicht luschtig. Aber das ist nichts gegen den Quetschtenor Wojta mit seinem "Äizerl" dort und „Gschmockn" da, der auch schon einmal singen darf. Was vielleicht "lebhaft" und "intensiv" gemeint ist, kommt österreichisch geschmäcklerisch, pickig und aufdringlich herüber. Dazu die angedeuteten Zoten, etwa darüber, was da abgehen wird, wenn etwas Aphrodisierendes im Essen ist.
Infantiler Rahmen
Kinder dürfen trotzdem zuschauen, alles bleibt brav im infantilen Rahmen. Wenn ein unbedarfter Zuseher den Fernseher im richtigen Moment aufdreht, wird er vielleicht glauben, in eine Fernsehköcheparodie geraten zu sein. Und die weibliche Herzblatt-Stimme aus dem Off, die mit "Abrakadabra" und „Simsalabim" (apropos Kindersendung ...) die idiotische Gewinnfrage oder die weinbeschreibenden Floskeln säuselt, wird ihn in dem Glauben noch bestärken. So gesehen, gar nicht schlecht gemacht, als Persiflage. (Gudrun Harrer/DER STANDARD; Printausgabe, 5./6.9.2009)