Seminar

Antworten von innen: Zen für Führungskräfte

Heidi Aichinger, 04. September 2009 17:09

Führen kann nur, wer sich selbst führen kann, sagt Friedhelm Boschert, Vorstandschef der Volksbank International - Seminar "Zen for Leadership"

Im Wiener Saturn-Tower, dem Sitz der Volksbank International (VBI), standen Woche für Woche von acht bis neun Uhr morgens mehrere Paar Schuhe aufgereiht vor einer verschlossenen Tür. Das weckte unter den Mitarbeitern natürlich Neugier, sagt VBI-Vorstandschef Friedhelm Boschert. Zu Recht: Von Mitte April bis Anfang Juli dieses Jahres wurde in der VBI das Seminar Zen for Leadership abgehalten - ein anderer Weg in der Führungskräfte-Entwicklung.

Initiiert wurde das Seminar vom Vorstandschef selbst. Lange Jahre habe er sich mit Zen und Meditation beschäftigt, in den vergangenen Jahren wieder intensiver, sagt er. Boschert sieht in der Zen-Meditation einen für ihn geeigneten Weg, zu mehr Authentizität zu finden, auch zu mehr Authentizität im Führen von Menschen. Sein Bedürfnis, „in sich reinzuhören", zu meditieren, habe ihm, Boschert, zu mehr Gelassenheit, Ruhe und Konzentration verholfen. Dinge, die er auch seinen Mitarbeitern mitgeben wollte - und zwar in ihrem unmittelbaren Arbeitsumfeld, als Teil eines normalen Büroalltags.

Begleitet wurde das Seminar von Fleur Woess, die neben ihrer Tätigkeit als u.a. Vortrags- und Präsenz-Coach das Zentrum für Innere Ruhe, das Daishin-Zendo Wien, leitet und an der Uni Wien Aspekte des Buddhismus unterrichtet hat.

Selbsterforschung

Das Bedürfnis nach Sinn und Orientierung sei besonders in Krisenzeiten gesteigert. Die Wahrnehmung eines entsprechenden Umfelds verstärke dieses Gefühl noch. Zudem komme die Erkenntnis, so Woess, dass es für Menschen keine Antworten von außen gibt, diese nur bei sich selbst gesucht werden, also nur von innen kommen können - das sei ein Paradigmenwechsel. Üblicherweise trainiert man in Seminaren Werkzeuge, so Woess weiter. Im Zen, in der Meditation, wird der ganze Mensch trainiert, sein Körper und sein Geist. Dadurch finde man Halt in sich, eine innere Stärke und auch Standfestigkeit.

Authentisch führen

„Es war für uns wichtig, unseren Führungskräften zu kommunizieren, dass wir sie nicht verändern wollen, sondern - ganz im Gegenteil -, dass wir sie dabei unterstützen möchten, so zu sein, wie sie sind", sagt Boschert. Er selbst sei davon überzeugt, dass eine Führungskraft zukünftig nicht mehr hierarchisch, sondern authentisch führe, aus sich selbst heraus und im Einklang mit sich selbst. Führungskräfte - und das gelte besonders in Krisenzeiten - brauchen mentale Stärke, Konzentration, Selbstsicherheit und Gelassenheit, um ihren Mitarbeitern Orientierung geben zu können, so Boschert. 

Zehn Führungskräfte nahmen am Zen-Seminar der VBI teil. Nach einer Auftaktveranstaltung folgten zehn wöchentlich abgehaltene Einheiten mit Vorträgen, etwa zu „Achtsamkeit und Führung" bzw. „Achtsamkeit im Zen", gefolgt vom praktischen Teil, der Meditation. 

Woess: „Die Teilnehmer waren zunächst abwartend, aber neugierig. Und man sah, wie sie nach und nach ins Praktizieren hineingefunden haben und die Meditation ihre Wirkung gezeigt hat." Als „beobachtbare Folgen" nennt Boschert mehr Offenheit, verstärkte Teamfähigkeit, auch Empathie. Der „Nachhall" sei positiv gewesen: Mehr als die Hälfte der Teilnehmer praktizieren nach wie vor regelmäßig. Eine Wiederholung dieses Seminars sei, so Boschert und Woess, „sehr wahrscheinlich".

Über Projekterfahrungen berichten Friedhelm Boschert und Fleur Woess am 6.10. ab 18.30 Uhr im Daishin-Zen-Zentrum, Wien. Infos und Anmeldung: www.daishinzen.at oder unter Tel.: 01/313 40-3143. Mehr zum Thema Zen: Am 17. und 18. 9. findet das Seminar „Die Souveränität des Auftretens. Auftritt, Präsenz und die Welt des Zen" statt. (Heidi Aichinger, DER STANDARD, Printausgabe, 5./6.9.2009)

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Phryx Sodalis
06.09.2009 17:28

Die Seite von der Dame hat alles. Professionalität, Mitgefühl (Ärmere müssen weniger bezahlen bzw. können ihren Beitrag auf andere Weise leisten) und kluge Zitate. Das kocht den hartgesottensten Konzerboss weich.

Management Quatscher
11.09.2009 19:20

Das Behübschen der Webseite mit aus dem Zusammenhang gerissenen philosophischen Zitaten ist die Kernkompetenz der Berater. Dazu noch ein aufmunterndes "Du kannst alles wenn Du nur wirklich willst" und schon läuft der Laden. Oder auch nicht. Wenn nicht muss man zu "unabhängigen" und "kritischen" Medien um eine gratis Werbeeinschaltung betteln gehen. Oder man lädt "unabhängige" Journalisten zu einer Pressekonferenz mit Lachsbrötchen und Orangensaft.

Paul Matusek
06.09.2009 12:15
Ich bin entsetzt

Ich dachte immer der Standard ist die "Zeitung für Leser" ...? Und nicht für Leute die sich in der Anonymität ausschleimen. Aber unter ein paar Hunderttausend muss es wohl auch solche geben.

Arno Fischbacher
06.09.2009 21:18
Wo Veränderung beginnt, ...

... zählt für mich zu den besonders spannenden Fragen des Lebens. Für viele Menschen sollten sich vorrangig die anderen verändern. Solch ein Weltbild schützt davor, das eigene Verhalten zu reflektieren, die eigenen Gedanken und Reaktionen ab und zu in Frage zu stellen.
Die immer wiederkehrenden reflexartigen Postings auf Trainings- und Coachingthemen hier im Standard wiederspiegeln nur diese Geisteshaltung.
Aber gottseidank beweist ja heute sogar die Hirnforschung: Lernen (und somit das Verändern von Meinung) ist bis ins hohe Alter möglich. Es besteht also Hoffnung :)

serotonin
06.09.2009 17:03

Jetzt bin ich aber enttäuscht. Als Coach wissen sie doch über die grosse Bedeutung von Feedback in der Kommunikation. Nun bekommen sie ihr Feedback und sind entsetzt darüber, dass nicht-elitäre Leser ihre Marketingbemühungen eher lächerlich finden?
Möge Einsicht und Gelassenheit in ihren Geist einziehen.

Management Quatscher
06.09.2009 20:10

Die Coaches bekommen hier nicht nur Feedback sondern vor allem ihr Fett weg. Das schmeckt ihnen gar nicht, mir dafür umso besser.

Wenn die wüssten, was ein Großteil der zu diesen Schwachsinnsseminaren Vergatterten wirklich denken - aber in den Feedbackrunden der Seminare nie sagen - würden sie heulend aus dem Seminarraum laufen und dabei alle Flip-Charts umwerfen.

(auf der ersten Seite der Flip-Charts steht immer "Herzlich Willkommen" mit einem Wolkerl eingeringelt)

Oldschrumpfsöckl
27.09.2009 13:53

Nur bei den Seminaren, wo die Leute zwangszugewiesen werden und nicht mal ein Rahmenprogramm vorgesehen ist, nur dass die AMS-Statistik stimmt, oder auch bei anderen?

Management Quatscher
06.09.2009 14:05

Ich bin entsetzt, betroffen und auch ein Stück weit traurig, Joschka ... ähm ... Paul.


ignazius rummsfeld
06.09.2009 10:56
Artikel aus der Welt des Coachings wie dieser ...

...beruhigen mich ungemein, denn sie geben mir Gewissheit:
Da geben sich Leute wirklich Mühe...äh und geben das auch noch weiter...schön!

Management Quatscher
05.09.2009 17:12

Hätte mit früherem Präsenz-Coaching die gewaltige Miese der Volksbank und der Rauswurf von 900 der geschätzten Mitarbeiter ("unser größtes Kapital") verhindert werden können ?

Ich bin mir sicher - ja.

Es wurde einfach zu wenig und zu spät in das Zen- und Präsenz-Coaching investiert.

I pocks net
 
06.09.2009 12:27

Seien Sie nicht immer so kritisch gegenüber die gute Beraterwelt - besser irgendeinen Unsinn zu verkaufen, als vom AMS finanziert (somit auch von uns) zu werden.

Management Quatscher
06.09.2009 14:11

Ein nicht unerheblicher Teil der guten Beraterwelt wird von der öffentlichen Hand subventioniert. Die Berater drängen schon seit Jahren massiv in den öffentlichen Bereich und versuchen dort ihren Unsinn zu verkaufen. 900 Euro Arbeitslosengeld pro Monat pro Berater wären billiger als 1.500 Euro Tagsatz pro Berater für die mehr als verzichtbaren Leistungen dieser seltsamen TypInnen.

Oldschrumpfsöckl
27.09.2009 13:54

noch besser fände ich wirklich gute Kurse vom AMS finanziert, die genau die Teilnehmer ansprechen, die man so trifft, aber halt wirklich hilfreich...dann würde es mir passen:)

I pocks net
 
06.09.2009 18:47

Da gebe ich Ihnen vollkommen recht. Bin auch der letzte, der mit den lieben Beratern etwas angefangen konnte und nie gute Erfahrung mit Ihnen gemacht hat. Aber eines habe gelernt: jedes Beraterengagement (bzw. Beraterauswahl) hatte irgendein persönliches Naheverhältnis vom Führungskraft zum Beratungsunternehmen als Grund.

Management Quatscher
07.09.2009 19:35

die moderne Version der Günstlingsversorgung läuft über Beraterverträge.

serotonin
05.09.2009 19:13

eben: zen in der kunst 900 leute zu entlassen
und ein tip für ams-kurse: zen in der kunst auf einen job zu warten

Phryx Sodalis
06.09.2009 16:30

Loszulassen ist schließlich wesentlicher Bestandteil von Meditation.

Management Quatscher
06.09.2009 14:09

Entspannt am AMS sitzen und das ganze als Chance sehen. Gelegentlich schreiten Beamte (tschuldigung Kundenbetreuer) des AMS durch die Gänge und hauen mit einem Kaffeelöffel auf tibetanische Klangschalen.

Alles easy, Mann/Frau.

Oldschrumpfsöckl
27.09.2009 13:56

Ja, Ursula:) und dann wenn Leute 3 geringfügige Beschäftigungen haben und dennoch in einen Kurs geschickt werden, dann bitte immer nicht hinsehen und fest loslassen, dass einem ja nicht was betreffen könnten, weil dann müsste man was tun und Verantwortung für Pseudoregeln, die sehr ungerechte Verhältnisse herstellen, übernehmen.

ignazius rummsfeld
05.09.2009 12:08
Präsenz-Coach..................!!!

Management Quatscher
05.09.2009 17:10

ein hochqualifizierter neuer Beruf der boomenden Wissens- und Dienstleistungsgesellschaft.

Bis jetzt weiss noch niemand, was ein Präsenz-Coach so macht, aber es klingt toll. Unheimlich toll.

Die Bildungsinstitute werden bald reagieren und Arbeitslosen eine mehrmonatige hochqualifizierte Ausbildung zum Präsenz-Coach anbieten. Mit Jobgarantie. Denn das Präsenz-Coaching boomt !

Management Quatscher
05.09.2009 11:04

Der "Präsenz-Coach".

Seine Leistung: er steht einfach in der Gegend rum. Er ist einfach da.

Kosten für 2 Tage in der Gegend rumstehen: 1.000 Euro pro Tag.

Das sind die Jobs der Zukunft. Leistung Null, dafür ordentlich Kohle. Wenn wir alle Präsenz-Coaches werden, braucht niemand mehr zu arbeiten. Alle stehen dann hochqualifziert in der Gegend rum.

Oldschrumpfsöckl
27.09.2009 13:57

Aber vielleicht habens Tipps, was man Gutes machen könnte. Mir fehlen immer noch 32 Stunden Ausbildung und ich finde nix Gscheites, das mir wirklich helfen würde um ein finanzierbares Geld.

serotonin
05.09.2009 10:50
der klang einer klatschenden hand

"Kennen sie den Klang einer klatschenden Hand?" fragt der Lehrling und verpasst dem Manager eine klatschende Ohrfeige.

elven
05.09.2009 11:19

Auch das ist Zen.
;-)

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