Ab 2010 soll es vier mutierte Regionalausgaben geben - Mediaprint-Management für Eva Dichand keine Option
Wien - Bevor zu Weihnachten ihr drittes Kind geboren wird, begeht Eva Dichand dieser Tage den Geburtstag eines anderen Babys: Die von ihr geführte Gratiszeitung "Heute" wird fünf Jahre alt und freut sich trotz Krise wachsender Reichweitenzahlen. Den Leservorsprung zu "Österreich" "von 151.000 Lesern täglich alleine in Wien", so Dichand, soll "Heute" halten und im kommenden Jahr mit vier eigens mutierten Ausgaben in Wien und Niederösterreich noch regionaler werden. Das Management der Mediaprint ist für Dichand keine Option, sagte sie der APA im Interview.
32 Prozent Marktanteil
Die aktuelle Reichweitenmessung Regioprint weist "Heute" in Wien einen Marktanteil von 32 Prozent aus - das sind fünf Prozentpunkte mehr, als im Vorjahr und elf Prozentpunkte mehr als "Lieblingskonkurrent" "Österreich". Die Reichweiten sollen schon bald auch in der Österreichischen Media-Analyse dokumentiert werden, wovon sich Dichand ein weiteres Anzeigenwachstum für 2010 erwartet. Dass der Erfolg von "Heute" an den laut WAZ-Manager Christian Nienhaus "bedrohlichen" Ergebnissen der Mediaprint Schuld trägt, findet die Geschäftsführerin der Gratiszeitung nicht.
Die "Krone" habe ohnehin nur "geringe Rückgänge" und mit den Anzeigenkunden des "Kurier" komme sich "Heute" nicht in die Quere. "Wir lukrieren unsere Werbung vor allem aus dem Handel, der hat beim 'Kurier' bisher immer nur eine geringe Rolle gespielt. Das Problem ist, dass in der Krise alle Kaufzeitungen verlieren." Dass Hans Dichands Schwiegertochter - wie immer wieder spekuliert wird - das Management der Mediaprint übernehmen könnte, weist die werdende Mutter zurück. "Ich bekomme im Dezember ein Kind. Man wird einen Manager finden, der sich mit Sanierungen auskennt", so Eva Dichand. Sie selbst werde "Heute" erhalten bleiben und sich lediglich nach der Geburt eine kurze Babypause gönnen, in der Wolfgang Jansky ihre Agenden übernimmt.
Extraausgaben für Wien und Niederösterreich
Ab 2010 will "Heute" noch lokaler werden und in vier mutierten Regionalausgaben erscheinen. Ziel der Extraausgaben für Wien und Niederösterreich ist es, kleine Handelsunternehmen und Restaurants als Werbekunden zu gewinnen, "die sich eine Anzeige in der Gesamtausgabe nicht leisten können - in einer Viertelausgabe aber sehr wohl", so Dichand im APA-Interview. Für den Leser bedeutet es, dass er noch detailliertere Berichte aus jener Gegend erhält, in der er lebt beziehungsweise arbeitet. Vorerst soll es die mutierte Regionalausgabe nur einmal im Monat geben - "wenn es gut geht, werden wir es öfter machen".
Das Image von Gratiszeitungen habe sich seit dem Start von "Heute" deutlich gebessert. "Am Anfang war gratis allen suspekt und wurde nur mit Kleinanzeigen aus Nagelstudios und Autowerkstätten in Verbindung gebracht. Heute hat sich das grundlegend geändert. Ich glaube, dass junge Leute überhaupt nicht mehr zwischen Kauf- und Gratis unterscheiden. Das ist auch unser Verdienst", so Dichand. (APA)