Methode Pappik

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Was bis jetzt geschah: Hamburg-Heiner will den Österreichern Schleswig-Holstein als Versöhnungsgeschenk anbieten, Sven muß da erst noch drüber schlafen.

Freitag, 14.9.2009, später

Promo, Promo, Promo. Telefoninterviews, e-Mail-Interviews, Radiointerviews. Und dann eine Songliste für eine Sendung bei Motor FM zusammengestellt:

Cold Cold World | Blaze Foley
Fake Tales of San Francisco | Arctic Monkeys
I Want You So Hard | Eagles of Death Metal
Frankfurt/Oder | Bosse
Steak For Chicken | The Moldy Peaches
Eleanor Put Your Boots On | Franz Ferdinand
Deborah Müller | Element Of Crime
Danny Boy | The Five Blind Boys of Alabama
Garagenliebe | Ed Csupkay
Im Dunkeln | Madsen
Hotel Yorba | The White Stripes
Bo Diddley | Bo Diddley
Cadillac Walk | Mink DeVille
Monkberry Moon Delight | Screamin' Jay Hawkins
Immer da wo du bist bin ich nie | Element Of Crime

Das Problem mit solchen Listen ist natürlich, daß alle glauben, daß sie irgendwas bedeuten, daß sie irgendwas über den Künstler, der sie zusammenstellt, aussagen, daß man aus dem Kram, den er da zwischen Tür und Angel so zusammenschustert, etwas über seinen Status, seinen Geschmack, seine Vorbilder, seine Kenntnis der aktuellen Musikszene, seine Verschnarchtheit, seine absolute Ahnungslosigkeit, seine Dreistigkeit, sich mit fremden Federn zu schücken, seine Coolness, seine Fähigkeit, übers Wasser zu wandeln usw. schließen könne. Und das könnte natürlich auch so sein. Oder auch nicht. Nicht einmal der Musiker weiß das. Was natürlich dann auch bei ihm zu äußerster Verkrampfung führt. Die Faustregel geht ungefähr so: Je ausgefallener, ungewöhnlicher, niegehörter die Songtitel und Künstler auf einer solchen Liste sind, desto wichtiger hat der Musiker den Image-Aspekt bei der Sache genommen, umso mehr und umso peinlicher war er um Distinktionsgewinn bemüht. Ausnahmen von der Art, daß eine Liste garantiert frei von Subtext bleibt, gibt es nur wenige, die wichtigste wird garantiert durch die "Methode Pappik", ein vom Element-of-Crime-Schlagzeuger Richard Pappik entwickeltes Scheißegal-System, das man am Beispiel der Videos, die er gestern aus einer Vorschlagsliste eines Musiksenders für eine Sendung ausgewählt hat, gut studieren kann:

Aaron Neville - A Change Is Gonna Come
Air - Sexy Boy
Black Eyed Peas, The - Where Is The Love?
Blur - Song 2
Cure, The - Boys Don't Cry
Deichkind - Remmidemmi (Yippi Yippi Yeah)
Doors, The - Break On Through
Eagles Of Death Metal - Cherry Cola
Eels - Novocaine For The Soul
Eminem - Cleanin' Out My Closet
Everlast - Folsom Prison Blues
Weird Al Yankovic - Fat

Wichtig, ja geradezu alles entscheidend ist die Raffinesse, mit der der Umstand, daß am Ende des Buchstabens E schon alles in Sack und Tüten war, durch geschicktes Hinzufügen eines Kandidaten vom anderen Ende der Vorschlagsliste kaschiert wurde. Nur gut, daß die nichts von Zappa hatten.

Aber sowas darf nur Richard Pappik, denn er ist der Österreicher der Herzen, darin dem Hannes Eder nicht unähnlich, von dem aber später noch die Rede sein wird.

Keine Angst vor langen Listen: Schlagzeuger Richard Pappik!

(Sven Regener, derStandard.at, 05.09.2009)

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