Mobiltel macht Kopfzerbrechen

25. März 2003, 18:16
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Der mögliche Kauf der bulgarischen Mobiltel durch die Mobilkom spaltet Vorstand und Eigentümer der Telekom-Austria-Gruppe

Wien - Der Ruf des bulgarischen Mobilfunkbetreibers Mobiltel (M-Tel) nach kaufinteressierten Investoren hallt derzeit wieder besonders laut. Mit einem Marktanteil von knapp 80 Prozent, rund zwei Millionen Kunden und einem kolportierten Nettogewinn von 140 Millionen Euro gehört Bulgariens Handymarktführer zweifellos zu den attraktiven Kaufobjekten in Europas geprügelter Mobilfunkbranche.

Dennoch könnte der Lockruf des Eigentümerkonsortiums rund um den Wiener Geschäftsmann Martin Schlaff, den Industriellen Josef Taus, Ex-Länderbank-Vorstand Herbert Cordt und der Bawag vorerst unerhört verhallen. Zumindest, was die Telekom Austria (TA) beziehungsweise deren Handytochter A1 Mobilkom betrifft. Nicht, dass A1-Chef Boris Nemsic an einer Ausbreitung seiner Funkaktivitäten in Osteuropa über Slowenien und Kroatien hinaus plötzlich nicht mehr interessiert wäre. Was aussteht, ist die strategische Entscheidung von Vorstand und Eigentümer für den Milliardendeal am Balkan.

Keine Einigkeit

Wie DER STANDARD aus Unternehmenskreisen erfuhr, herrscht im TA-Vierervorstand unter Heinz Sundt derzeit keine Einigkeit darüber, ob die auf ein bis 1,5 Milliarden Euro geschätzte Übernahme des bulgarischen Marktführers M-Tel angesichts der unsicheren Wirtschaftslage zum jetzigen Zeitpunkt sinnvoll ist oder besser auf nächstes Jahr verschoben werden sollte. In der TA versichert man, dass mit den M-Tel-Eigentümern derzeit keine Verkaufsgespräche geführt würden. Noch sei nicht einmal eine Shortlist erstellt, geschweige denn ein Datenraum eingerichtet. Ohne Due-Diligence-Prüfung brauche man damit aber heute, Mittwoch, gar nicht in den Aufsichtsrat zu gehen.

Finanzierung

Die Gründe gegen eine Mehrheitsübernahme vom M-Tel durch die TA-Gruppe beruhen auf der Finanzierung. Die Nettoverschuldung der TA beläuft sich (nach Rückkauf der italienischen Mobilkom-Anteile) auf rund 3,3 Milliarden Euro. Ein Milliardeninvestment würde den Zinsendienst mit einem Schlag gehörig erhöhen und die dank Sanierungskurs reduzierten Verbindlichkeiten wieder vergrößern. "Mir scheint der kolportierte Kaufpreis von mindestens einer Milliarde Euro sehr hochgegriffen", schwächt ein involvierter TA-Manager denn sogleich ab.

Hinzu komme, dass die US-Investoren einer Expansion auf dem Balkan ob der weltpolitischen Unsicherheiten vermutlich skeptisch gegenüber stünden, führt die Front der Gegner innerhalb der TA ins Treffen. Quasi als Beweis dafür führen sie die Verschiebung der Roadshow in den USA an. "Blödsinn", kontern die Befürworter, die Roadshow sei nur wegen des Irakkriegs verschoben worden.

Sundt kann mit ÖIAG-Unterstützung rechnen

Die Befürworter des Deals - TA-Chef Heinz Sundt ist seit ein paar Monaten Aufsichtsratspräsident bei M-Tel - dürfen beim Zukauf mit Unterstützung durch TA-Hauptaktionär ÖIAG (42,7 Prozent) rechnen. Denn der Kauf signalisiere Wachstum und mache die Partnerschaft mit Vodafone wertvoller. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Printausgabe 26.3.2003)

  • Bosnien-Herzegowine oder Serbien wären A1-Cheffunker Boris Nemsic zwar lieber, reizvoll wäre aber auch Bulgariens Mobiltel. "Spruchreif ist aber nichts davon."
    foto: derstandard/cremer

    Bosnien-Herzegowine oder Serbien wären A1-Cheffunker Boris Nemsic zwar lieber, reizvoll wäre aber auch Bulgariens Mobiltel. "Spruchreif ist aber nichts davon."

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