Glawischnig: Morak schuld am "systematischen Aushungern des österreichischen Filmschaffens"

16. September 2003, 10:22
2 Postings

Die Kultursprecherin der Grünen will den Kunststaatssekretär zur Verantwortung ziehen

Wien/Graz - Anlässlich der Eröffnung des Filmfestivals Diagonale in Graz bezeichnete die Kultursprecherin der Grünen, Eva Glawischnig, die Situation des österreichischen Films als "dramatisch". Eine "verheerende Kultur- und die restriktive Budgetpolitik" führten zu einem "systematischen Aushungern des österreichischen Filmschaffens", so Glawischnig laut einer Aussendung im Rahmen des in Graz stattfindenden Kulturvernetzungstreffens der Grünen. Dafür sei "ganz klar" ÖVP-Kunststaatssekretär Franz Morak "zur Verantwortung zu ziehen".

Von den im Rahmen einer parlamentarischen Enquete eingebrachten Vorschlägen zur Stärkung des österreichischen Films sei im Regierungsprogramm "kein Beistrich" übergeblieben, kritisiert Glawischnig. "Insbesondere der verheerende Umgang von Staatssekretär Morak mit der Diagonale ist symptomatisch für seine Kulturpolitik. Auf diese Art beschädigt er ein äußerst erfolgreiches Kulturprojekt". Alle KulturpolitikerInnen der Grünen, von EU-Ebene bis zu den Landtagen und Gemeinderäten, unterzeichnen beim Kulturvernetzungstreffen eine Protestkundgebung gegen die "Beschädigung der Diagonale und seiner Intendantin".

Die Grünen fordern die Aufstockung der Filmförderung auf 25 Mio. Euro und steuerliche Maßnahmen nach dem Vorbild Luxemburgs zur Stärkung für private Investitionen in Filmprojekte. Überdies sei für Glawischnig die Aufstockung des ORF Film-TV-Abkommens "unabdingbar". Die Grünen werden im Parlament ein "Erste Hilfe-Paket" für den österreichischen Film einbringen.

ÖVP-Reaktion

Als "unqualifizierte Kritik" bezeichnete ÖVP-Kultursprecherin Andrea Wolfmayr die Aussendung der Grünen. Von einem Aushungern könne "wahrlich keine Rede sein", so Wolfmayr. In den letzten Jahren seien die Mittel für die Filmförderung "kontinuierlich angehoben" worden.

Wolfmayr meinte, dass die Diagonale-Intendanten Christine Dollhofer und Constantin Wulff "über Jahre hinaus gut gearbeitet" haben. Jedoch kritisierte Wolfmayr, dass die Bereitschaft seitens der Diagonale-Festivalleitung, mit dem Bund zu kooperieren, "recht mangelhaft" gewesen sei. Dies sei in Hinkunft "sicherlich verbesserungswürdig". Die Neuausschreibung der Diagonale-Leitung sei "legitim". Dollhofers Vertrag "wurde in den letzten Jahren zwei Mal verlängert, Wulff ist aus persönlichen Gründen von sich aus ausgestiegen", betonte Wolfmayr. "Jetzt wird die Festivalleitung neu ausgeschrieben - das ist ein normaler, legitimer Vorgang und allerorten geübte Praxis." (APA)

Share if you care.