"Rabenmütter und Sonntagsväter"

25. März 2003, 22:27
posten

Bei einer Tagung in Salzburg wird das Image der perfekten Mutter als Trugbild der Gesellschaft vorgestellt

Salzburg - Begriffe wie "Rabenmütter und "Sonntagsväter" sollen bald der Vergangenheit angehören. In der dreitägigen Veranstaltung "Mutterglück - Anspruch und Wirklichkeit" diskutieren von Mittwoch, bis Freitag im Salzburger Bildungshaus St. Virgil 25 Experten über die neue Mutterrolle in der modernen Gesellschaft. Zum Auftakt findet am Mittwoch um 19.00 Uhr eine Podiumsdiskussion statt.

Initiatorinnen sind Vertreterinnen der Frauenbüros von Stadt und Land Salzburg, des Frauengesundheitszentrums ISIS, der Mutter und Elternberatung des Landes sowie der psychosomatischen Medizin des Landeskrankenhauses.

Diskrepanz zwischen Ansprüchen und Wünschen

Von Plakaten und aus der TV-Werbung lächeln sie herunter, die perfekt gestylten Mütter. Die Kinder sind herausgeputzt und wirken gut erzogen. Doch hinter den Kulissen verbirgt sich nicht selten gesellschaftliche Ausgrenzung, finanzielle Not und psychische Überlastung. So beschreiben die Veranstalterinnen der Tagung die Situation von Frauen, die nach der Geburt eines Kindes plötzlich in die Krise geraten sind.

Die Diskrepanz zwischen den hohen Ansprüchen und Wünschen an sich selbst als Mutter und der tatsächlichen Alltags-, Familien- und Gesellschaftsrealität verleitet viele Frauen zum Überschreiten der eigenen Grenzen.

"Wer das Image der perfekten Mutter - egal ob als Karriere-Mutter oder Nur-Mutter - erfüllen will, leidet nicht selten an psychische und psychische Krankheitsbilder wie Erschöpfung, Schlafstörungen und psychosomatischen Krankheiten", schildert Gabi Maierhofer, Psychologin am Landeskrankenhaus.

Lösungsansätze

Gemeinsam mit Experten und Verantwortungsträgern aus Wissenschaft, Praxis und Politik werden innerhalb der drei Veranstaltungstage Lösungsansätze entworfen und Stolpersteine aufgezeigt. "Eine Sozialpolitik, die lediglich auf einseitige Maßnahmen wie das Kinderbetreuungsgeld setzt, wird eindeutige Trends erzeugen: Frauen mit Kindern werden zunehmend aus dem Erwerbsprozess hinausgedrängt", kritisieren die Frauenbeauftragten von Stadt und Land Salzburg, Dagmar Stranzinger und Romana Rotschopf.

Maßnahmen-Mix

Nur ein Maßnahmen-Mix aus finanziellen, gesellschaftspolitischen und rechtlichen Angeboten in Kombination mit alltagstauglichen Betreuungseinrichtungen könne die vielfältigen Bedarfssituationen von Müttern und Vätern abdecken, betonen die Initiatoren der Veranstaltung. Egal, ob es sich dabei um die traditionelle, die Patchwork-Familie oder um Alleinerzieher handelt.

Ein halbes Jahr lang haben sich die Initiatoren für die österreichweit einzigartige Fachtagung vorbereitet. Hundert Teilnehmer aus allen Bundesländern werden erwartet. Kinder sind kein Hindernis - sie finden viel Abwechslung unter der Aufsicht von fachkundigen Betreuern. (APA)

Anmeldung und Informationen: Frauenbüro der Stadt Salzburg, Tel.0662/8072/2043 oder unter der E-Mail-Adresse andrea.kircher@stadt-salzburg.at
  • Artikelbild
    photodisk
Share if you care.