Drei Freunde

25. März 2003, 16:13
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Zimmergrün, das man essen kann, ist eine feine Sache. Es zu teilen, freilich weitaus weniger

Ich lebe derzeit mit drei Freunden zusammen. Der erste, der bei mir einzog, war ein Topf mit Thymian, weil erstens wollte ich damit den Frühling beschwören, zweitens verlangte ein Rezept nach dem kleinblättrigen Kraut und drittens kaufte ich an diesem Tag zur Abwechslung gerade mal keinen Kürbis, hatte also noch Ladekapazitäten frei. Der Thymian ist auch wirklich ein leiwander Kerl, abgesehen davon, dass der dichte Kräuter-Wuschel in meiner Obhut unheimlich schnell zu wachsen begann, die ursprünglich harten Zweiglein mit ihren kleinen, würzigen Blättchen schossen nur so aus, lange, wässrig-grüne Sprossen bildeten sich und ich stand vor dem Problem, dass mir bald nichts mehr einfiel, was man mit Thymian würzen könnte. Noch dazu mit diesen hellgrünen Blättchen. Er tat sein Bestes, keine Frage, aber mein Verhältnis zu Freund Thymian wurde in dieser Zeit einigermaßen belastet.

Die nächsten beiden Kumpel, die sich auf dem Fensterbrett meiner Küche niederlassen durften, war ein Koriander und ein Stock mit Minze. Weil erstens war das wieder mal sehr überzeugend, wie Jamie Oliver da einfach so aus dem Fenster griff und im nächsten Augenblick eine Handvoll erstklassiger Kräuter in der selben hatte, und zweitens war dem mittlerweile einigermaßen größer gewordenen Angebot am Naschmarkt einfach nicht mehr zu widerstehen. Dass ich den Koriander nahm, freut mich noch heute, schließlich schmeckt er fein, passt zu so ziemlich jedem Fischgericht, und außer, dass er ohne Wasser relativ schnell schlapp macht, ist er als Mitbewohner einigermaßen unkompliziert.

Warum ich die Minze nahm, hab ich ehrlich gestanden vergessen. Weil erstens will mir kaum ein Gericht einfallen, zu dessen Zubereitung ich fähig wäre, das mit frischer Minze irgendwas anzufangen weiß; zweitens war mir entfallen, dass ich mit der Minze im Töpfchen bisher immer schon so meine Krisen hatte; und drittens erwies sich das saftige Kräutel als mit Blattläusen dermaßen was von verseucht, dass ich mir jetzt zumindest jeden Tag die Zeit, während das Wasser für den Frühstückstee auf Temperatur kommt, mit dem Zerquetschen der maßlosen Saftsauger vertreiben kann. Besonders befallene Stellen habe ich schon gekappt, ich hab den Kräuterstock heftig geduscht und eben mindestens schon 200 von den Viechern erdrückt, aber schön langsam wird's fad. Weil nach ursprünglicher Abneigung dem würzigen Koriander gegenüber beginnen sich die miesen Schweine jetzt auch schon an den Cilantro zu gewöhnen und auf ihm Brückeninseln zu bilden. Ich hasse sie. Werde auf Rosmarin, Lorbeer und Oregano umsteigen, daran scheitern die Falotten für gewöhnlich. Oder ich warte darauf, dass sie mir den Thymian auffressen ...

Von Florian Holzer
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