"Das ist ein Raubzug durch die Gesamtheit der Weltliteratur"

3. September 2009, 18:08

IG AutorInnen und Hauptverband des österreichischen Buchhandels sind gegen einen Vergleich

Wien - Bereits 2004 hat Google begonnen, Buchbestände aus US-amerikanischen Bibliotheken zu scannen. Mittlerweile hat der Internetkonzern, der sein Firmenmäntelchen häufig wechselt (Google Print, Google Books, Google Partner usw.) sieben Millionen Titel aus mehr als hundert Ländern ohne Genehmigung der betroffenen Rechteinhaber digitalisiert - darunter auch zahlreiche Werke österreichischer Autoren und Verlage.

Gerhard Ruiss, Geschäftsführer der IG Autorinnen und Autoren, nannte das bei einer von ihm und dem Hauptverband des Österreichischen Buchhandels initiierten Pressekonferenz am Donnerstag schlicht einen "Raubzug durch die Gesamtheit der Weltliteratur" . Google stellt Bücher im Volltext mit Werbeeinschaltungen online und behält sich jede Form der weiteren Textverwertung vor.

Den damit einhergehenden massiven Urheberrechtsverletzungen begegnen US-Autoren- und Verlegerverbände schon länger mit Sammelklagen und nun mit einem gemeinsam mit Google erstellten Vergleichsvorschlag. Dagegen regt sich in Europa Widerstand. Der ohne europäische Einbeziehung entstandene Vergleich würde zwar nur für die USA gelten, hätte aber weltweit Auswirkungen: Laut Ruiss sind die vorgehaltenen Zugangssperren leicht zu umgehen.

Eine New Yorker Anwaltskanzlei vertritt die europäischen Interessen, Ansprechpartner für die österreichischen Verlage ist der Czernin Verlag. Sollte der Vergleich am 7. Oktober vor einem New Yorker Gericht angenommen werden, so wird die Urheberrechtsgesellschaft Literar Mechana für die Geltendmachung der Vergütungsansprüche aus der widerrechtlichen Digitalisierung eintreten. Die Frist für die Einwände ("objections" ) gegen den Rechtsvergleich ("Google Book Settlement" ) endet am Freitag, 4.9. (afze / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.9.2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 26
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max 1231
 
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23.11.2009, 10:58
google hat 6 bücher von mir im program

warum soll ich was dagen haben? die zeigen doch nur ein paar seiten und verweisen dann aufs buch, das ist doch ein gutes marketinginstrument. wenn heute jemand eher exotische und nur eine handvoll bücher hat ist dies doch fast das einzige marketing und sales medium. es nimmt doch heutzutags kein distributor mehr solche bücher, da der profit vielleicht zu wenig ist, na und wie sollen die dinger dann verkauft werden ? wenn bücher nicht mehr erhältich sind da zu alt oder sonstwas kann man die dinger dann bei google wenigstens finden, wer da was dagegen hat unterliegt wohl wirklich der üblichen technikfeindlichkeit, speziell im deutschen sprachraum ist dies ja sehr populär.

dryeti
10
Es wird Zeit fuer die Kulturflatrate,

Alle zahlen einen fixen Betrag u. suchen sich aus zu welchen Anteilen dieser an welche Kulturschaffende geht.

Dafür ist dann endlich Schluss mit diesen geistigen Eigentümlichkeiten.

Thomas Höbelt
 
10
Zugegeben,

wenn ich diese Bücher nur am Bildschirm lese, was des Nächtens im Bett eher umständlich ist, dann bezahle ich nichts dafür. Aber sobald ich ausdrucke, habe ich doch mit meinem Drucker, Toner, oder im Falle des Speicherns mit meinem Rohling, bereits eine Urheberrechtsabgabe entrichtet, so what ???

Bumbu
 
01
"Das ist ein Raubzug durch die Gesamtheit der Weltliteratur"

... und damit natürlich sehr verschieden von der Vorgangsweise eines Verlages, der heute eine neue Ausgabe von Werther, Edda, Sommernachtsraum oder eingebildetem Kranken herausbringt.

Tethys
31
habe ich doch mit meinem Drucker, Toner, oder im Falle des Speicherns mit meinem Rohling, bereits eine Urheberrechtsabgabe entrichtet

Ach, das zahlen Sie an den Autor? Ich bezahle meine Tonerpatronen und das Papier im Geschäft.

Thomas Höbelt
 
10
Verinus hat auch versucht Ihnen das zu erklären,

aber hier noch mal ganz simpel: Haben sie noch nie auf Ihre Rechnungen geschaut, dort steht dann nämlich nicht nur die Mwst, extra ausgewiesen, sondern auch die Urheberrechtsabgabe ! und die bekommt nicht Ihr Händler sondern ein Verein ( fürchte sogar eine Kürperschaft öffentlichen Rechts der sowas ) die zumindest vorgibt die Rechte aller Österr. Künstler wahrzunehmen. Und der Rest ist halt wie bei Ihren sonstigen Steuern, da können sie auch nicht direkt mitbestimmen, wie sie der jeweilige Kulturminister ausgibt. Übrigens zahlt auch Ihr Wirt für die lästige Hintergrundmusik solche Abgaben.

verinus
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ich glaub da haben sie was nicht begriffen ;)

für verschiedene dinge müssten sie sehr wohl urheberrechtsabgaben entrichten. diese werden afaik an die verwertungsgesellschaften weitergegeben, welche diese u.a. an autoren ausschütten.

soweit die theorie. ob das geld dann gerecht verteilt wird ist fraglich.

ebenso fraglich sind aber die buchpreise.

onlinevertrieb könnte hier den ohnehin nicht wertschöpfend tätigen handel ausschalten.

ein buch für 3€- und das noch fair dazu. 1€ für den author, 1€ für den verleger, 1€ für das onlineportal.

f l o
 
01
nein. ein euro ist zu wenig.

ich bin für die gesetzliche vorschrift, dass der autor mindestens €2.50 pro buch bekommen muss. dieser aufpreis ist für den leser völlig egal, aber das leben vieler autoren würde das deutlich erleichtern.

Bumbu
 
01
ein buch für 3€- und das noch fair dazu. 1€ für den author, 1€ für den verleger, 1€ für das onlineportal.

in Euro ist ziemlich genau das, was ich an meinem Buch verdiene. Pro verkauftem Exemplar, das im Buchladen 25€ kostet.

Wenn ich es für drei Euro verkaufen könnte und dabei dasselbe „Einkommen“ hätte, dann könnte mir das nur recht sein.

Thomas Höbelt
 
20
Fürchte da hat Sie

Ihr Verleger ganz schön über den Tisch gezugen, imho sind 20 - 30 Prozent vom Bruttoladenpreis üblich.

Harry von Wagen
00

Üblich sind eher 6 bis 10% ...

M. Stahr
00
Da sind Sie ganz schön auf dem Holzweg, verehrter Herr.

lessismore
11

Was ist mit der Wissenschaft?

Unsere wissenschaftlichen Bibliotheken sind so miserabel ausgestattet, daß das Internet die einzige Chance ist, einigermaßen auf dem Level zu sein ...

einer123
00

die unis haben eigentlich recht umfangreiche bibliotheken

xif 42
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abgesehen jetzt davon, ob der behauptung, dass unsere wissenschaftlichen bibliotheken miserabel ausgestattet wären, zugestimmt wird, gibts ja im internet auch wissenschaftliche digitale bibliotheken - nur sind die halt nur für wissenschaftlich tätige, bzw, studenten zugänglich (wenn die jeweilige universität/ wissenschaftliche einrichtung dafür zahlt)

silverado1
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Herzerzog Johann
71
Diesmal ist der plündernde Mob der schmarozenden Gratis-Null-Euro-willhaben-Gesellschaft auf Googles Seite.

Allianzen gibts ...

Chien de Pique
24
Wenn es ein Raubzug ist, dann eher einer im Sinne von Robin Hood: Gehortetes, verrottendes, vergessenes Wissen wird der Menschheit endlich zurückgegeben.

Von aktuellen Büchern erhält man in aller Regel ja sowieso nur die bibliografischen Daten und Links, wo man sie sich kaufen kann (eine Gratiswerbung für Verlage und AutorInnen), oder bestenfalls eine winzige Leseprobe. Seit 45 Jahren vergriffene Fachliteratur von 1952, Liebesromane aus dem Ständestaat... um solche Dinge geht es nun - und da würde sicher NIEMANDEM etwas weggenommen. Selbst wenn noch ein Verfasser unter den Lebenden weilen sollten, würde er garantiert keine Neuauflage mehr sehen.
Vollständig erhält man derzeit sowieso nur Werke aus dem 17., 18. und bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts, Dinge, die man in den meisten Fällen kaum noch irgendwo kaufen kann, es sei denn über Antiquariate - und manche auch nur als Millionär.

Chien de Pique
17
Ich denke nicht, dass der typische, schmarotzende 0-Euro-Mob an Google- Books besonderes Interesse hat,

sondern wohl hauptsächlich wissenschaftlich und namentlich historisch interessierte Menschen wie ich, die es schätzen, auf einer breiten Basis schnell recherchieren zu können, unerwartet auf vergessene Schätze aus ferner Vergangenheit zu stoßen, unkompliziert Werke benützen zu können, die bestenfalls in ein paar Universitätsbibliotheken stehen. Ich gebe regelmäßig und ich muss sagen, ziemlich viel Geld für Bücher aus - und durch Google Books eher mehr als früher, nicht weniger, denn oft wüsste ich sonst jetzt nicht einmal, dass dieses Buch überhaupt existiert, geschweige denn, dass es irgendein amerikanischer Kleinverlag noch als Reprint in seinem Programm führt.
Auch für Werke, die im Eigenverlag oder BOD erschienen, ist Google wertvoll.

Heinz Anderle
 
24
Die Besitzstandswahrer...

... werden von der Digitalen Revolution überrollt.

Vor Google lag die Welt im Dunkeln - so wie einst vor Gutenberg.

Dr. rer. nat. Heinz Anderle, Wissenschaftler und Freigeist

Tethys
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Vor Google lag die Welt im Dunkeln - so wie einst vor Gutenberg

Beide Aussagen stimmen nicht - gleichzeitig widersprechen sie sich. Wenn die Welt vor Gutenberg im Dunkeln lag, kann sie nicht vor Google auch im Dunkeln gelegen haben, denn Gutenberg hat Ihrer Meinung nach schon Licht gemacht. Des weiteren übersehen Sie, dass die Welt, die von Gutenberg profitierte, nun auch von Google profitiert - aber es ist nicht die gesamte "Welt" - der Digital Divide ist tief.

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und google macht's aus reinem altruismus?
nichts gegen open access, aber google würde ich nicht vertrauen.

apropos: google war nicht die erste suchmaschine.

verinus
11

wieso sollten sies aus altruismus machen?

solange die bedingungen fair und das angebot gut zugänglich ist, bin ich google durchaus vergönnt geschäfte zu machen.

zu ihrem apropos: nicht die erste aber die beste. immer noch.

Tethys
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solange die bedingungen fair

Genau um "Fairness" geht es in dem Artikel, besser gesagt um die Rechte der Autoren an ihrem Eigentum.

verinus
01

naja diese art von fair kann man auch auf einem anderen level diskutieren.

diese rechte derart lange innehaben zu können ist kontraproduktiv.

siehe beatles- wenn jemand derartig viel geld in einem so kurzen zeitraum verdient hat, sollten seine rechte auch einmal erlöschen.

wieso sollten diese rechte vererbbar werden? wieso sollten sie nicht an die allgemeinheit übergehen?

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