IG AutorInnen und Hauptverband des österreichischen Buchhandels sind gegen einen Vergleich
Wien - Bereits 2004 hat Google begonnen, Buchbestände aus US-amerikanischen Bibliotheken zu scannen. Mittlerweile hat der Internetkonzern, der sein Firmenmäntelchen häufig wechselt (Google Print, Google Books, Google Partner usw.) sieben Millionen Titel aus mehr als hundert Ländern ohne Genehmigung der betroffenen Rechteinhaber digitalisiert - darunter auch zahlreiche Werke österreichischer Autoren und Verlage.
Gerhard Ruiss, Geschäftsführer der IG Autorinnen und Autoren, nannte das bei einer von ihm und dem Hauptverband des Österreichischen Buchhandels initiierten Pressekonferenz am Donnerstag schlicht einen "Raubzug durch die Gesamtheit der Weltliteratur" . Google stellt Bücher im Volltext mit Werbeeinschaltungen online und behält sich jede Form der weiteren Textverwertung vor.
Den damit einhergehenden massiven Urheberrechtsverletzungen begegnen US-Autoren- und Verlegerverbände schon länger mit Sammelklagen und nun mit einem gemeinsam mit Google erstellten Vergleichsvorschlag. Dagegen regt sich in Europa Widerstand. Der ohne europäische Einbeziehung entstandene Vergleich würde zwar nur für die USA gelten, hätte aber weltweit Auswirkungen: Laut Ruiss sind die vorgehaltenen Zugangssperren leicht zu umgehen.
Eine New Yorker Anwaltskanzlei vertritt die europäischen Interessen, Ansprechpartner für die österreichischen Verlage ist der Czernin Verlag. Sollte der Vergleich am 7. Oktober vor einem New Yorker Gericht angenommen werden, so wird die Urheberrechtsgesellschaft Literar Mechana für die Geltendmachung der Vergütungsansprüche aus der widerrechtlichen Digitalisierung eintreten. Die Frist für die Einwände ("objections" ) gegen den Rechtsvergleich ("Google Book Settlement" ) endet am Freitag, 4.9. (afze / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.9.2009)