Nationalistisch-katholische "Carpintadas" rebellierten zweimal gegen Ahndung von Verbrechen der Militärdiktatur
Buenos Aires - Der argentinische Putsch-Oberst Mohamed
Alí Seineldin ist im Alter von 75 Jahren gestorben. Der frühere Chef
der rechtsgerichteten "Carapintadas" (geschwärzte Gesichter) erlag am
Mittwoch in der Hauptstadt Buenos Aires einem Herzinfarkt,
berichteten nationale Medien.
Seineldin hatte 1988 und 1990 zwei der insgesamt drei
Militäraufstände nationalistisch-katholischer Kreise gegen die
gewählten Präsidenten Raul Alfonsín sowie Carlos Menem angeführt.
Dabei wehrten sich die Soldaten vor allem dagegen, dass viele ihrer
Kameraden für die Verbrechen während der Militärdiktatur (1976-1983)
zur Rechenschaft gezogen werden sollten. Auch gegen Seineldin wurde
deshalb ermittelt.
2003 begnadigt
Zunächst leitete er den Aufstand vom 4. Dezember 1988 in der
Kaserne Villa Martelli. Dabei starben zwei Zivilisten und ein
Polizist. 40 Menschen wurden verletzt. Seineldin wurde inhaftiert.
1989 entließ ihn Menem zusammen mit den meisten anderen Carapintadas
aus dem Gefängnis.
Nach einem weiteren Aufstand am 3. Dezember 1990, bei dem die
Putschisten bis in die unmittelbare Nähe des Präsidentenpalastes in
Buenos Aires vorrückten und 13 Menschen getötet sowie 30 verletzt
wurden, erhielt Seineldin eine lebenslange Haftstrafe. Seit seiner
Begnadigung 2003 lebte er unauffällig. (APA)