Nachlese

Das Ende der letzten Seifensiederei

2. September 2009, 21:32
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    foto: standard/robert newald

    Gisela Weiss und Grete Maier in ihrem Geschäft: Familie Weiss aus Stadlau stellt seit 1924 Seifen her.

Der Traditionsbetrieb Weiss in Stadlau konnte keinen Nachfolger für die Herstellung exklusiver Seifen finden

Wien - "Mozart" und "Mariandl" waren noch in Arbeit, als Friedrich Weiss starb. "Die Etiketten hatten wir schon" , sagt seine Schwester Gisela, "aber die Seifen dazu sind sich nicht mehr ausgegangen." Familie Weiss aus Stadlau stellt seit 1924 Seifen her, Friedrich Weiss erfand stets neue Duftnoten - von Arnica bis Zimtöl reicht das Sortiment. 2004 starb er nach einem Aorta-Riss. Seither kümmern sich seine Schwestern Gisela Weiss und Grete Maier ums Familienunternehmen in der Langobardengasse 26.

Allerdings nicht mehr lange: Die beiden betagten Damen verkauften das Geschäft samt Fabrik vor kurzem an eine Immobilienfirma. In spätestens drei Monaten muss nicht nur die Produktionshalle ausgeräumt, sondern auch das Geschäft seifenfrei sein.

Weshalb die Schwestern von Montag bis Freitag im kleinen Geschäft mit den mächtigen dunklen Regalen stehen und den Restbestand unter die Leute bringen. "Die günstigeren sind schon alle weg" , sagt Weiss "aber von den teureren ist noch einiges da." Die Amaranthöl-Seife zum Beispiel kommt auf 29,85, die "Rose von Stadlau" auf 14,45 Euro. Als Grundrohstoff verwendete Wiens letzter Seifensieder bei allen Produkten Kokosöl.

Streng geheime Rezepte

Was mit den streng geheimen Familienrezepten nach dem Abriss der Fabrik passieren soll, ist noch ungewiss. "Wir haben uns zwar eine Zeit lang nach einem Nachfolger für unseren Bruder umgesehen" , sagt Weiss, "aber das waren lauter Aussteiger, die vom Seifemachen keine Ahnung hatten."

In der Stadlauer Seifensiederei trudelten regelmäßig Bestellungen aus ganz Europa ein. Immer wieder seien Leute aus dem Ausland extra angereist, um sich den Produktionsort ihrer Lieblingsseife anzuschauen, erzählt Weiss. Die Seifensiederei war auch lange Zeit wichtiger Putz- und Waschmittelnahversorger. Von Kernseife über Waschpulver bis zur Zahnpasta gab's so ziemlich alles, was mit Saubermachen zu tun hat. "Es tut schon weh, dass das alles jetzt vorbei ist" , sagt Gisela Weiss. Die Geschäftsauflösung ist dabei nicht ihre einzige Sorge: Sie muss sich auch eine neue Wohnung suchen. Denn momentan wohnt sie noch direkt über dem Verkaufslokal.(Martina Stemmer, DER STANDARD Printausgabe 3.9.2009)

Kommentar posten
22 Postings
Cheyenne
03
4.10.2009, 22:42
Recherche?

Das Objekt heisst Stadlauer Seifenfabrik und ist in der Langobardenstrasse...

Affe&Affe
112
Seifen sind eh ungesund, weil sie die Schutzfunktionen der Haut hemmen...

Michael Bakunin
03
29.9.2009, 14:52
blödsinn

seifen sind viel gesünder als duschgels, die ja vor künstlichen zusatz- und aromastoffen nur so strotzen.

karili
03
altes Vorurteil

Liebe(r) Affe&Affe. Stimmt eben nicht!! Es ist genau das Gegenteil der Fall. Die Seifen, die von Herrn Weiss entwickelt und jetzt von Anderen weiter hergestellt werden, sind auf der Basis von Kokosöl und geben der Haut alles, was sie braucht. Sie sind extrem rückfettend und erlauben es der Haut zu atmen. Probiers mal aus!

karili
03
wieso kein Nachfolger?

Nach meinen Infos hat der Seifenmeister der StoBa Seifenmanufaktur an der Hintzerstrasse im 3. Bezirk bei Herrn Weiss das Seifensieden gelernt. Ich war schon dort. Die Seifen sind noch besser und sogar günstiger.

Montgomery McFerryn
01

Stimmt, ich würde sie aber eher als gleich gut bezeichnen, leider vermisse ich noch die eine oder andere Sorte die ich sehr lieb gewonnen habe.

Abin_Sur
 
01
5.11.2010, 18:39
die rasierseife von stoba

ist nicht gleich gut, sondern ein quantensprung nach vorne.

Montgomery McFerryn
01
5.11.2010, 20:54

Mein Posting ist über ein Jahr alt und ja jetzt sind sie wirklich extrem gut. :-)

gustav gans42
07

Der verehrte Herr Weiss hatte im fortgeschrittenen Alter eine derart glatte und makellose Haut, dass die Damen, falls sie in sein Geschäft fanden, süchtig wurden, nach seinen Seifen.
Ich hab ihn bewundert.
Eine souveräne, fleissige und eindrucksvolle Erscheinung.
Mögen auch im Himmel Seifen benötigt werden; ich wünsch es ihm!

Ihr Beitrag wird in Kürze veröffentlicht
29
kein nachfolger?

das kann doch nicht wahr sein - da boomen geschäfte, die seifen zum apothekerpreis verscherbeln, und hier findet sich niemand. ist wahrscheinlich mit echter arbeit verbunden, bei der man schwitzt(!) und zupacken muss...

Steph ist dagegen
01
13.5.2011, 08:54

das gebäude ist fast schon eine Ruine, die Lage ist nicht wirklich optimal .. ich sehe kaum Leute in dem Geschäft wenn ich vorbeispaziere .. ich hab hin und wieder was gekauft aber das geschäft funktioniert schon lange nicht mehr.. leider ..

. Kramar
 
01
14.2.2011, 13:38

Ja, schade, vielleicht lag's aber auch der fehlenden Risikofreudigkeit der beiden Schwestern ein Angebot anzunehmen, denn "das waren lauter Aussteiger, die vom Seifemachen keine Ahnung hatten." Nun wirds wohl so sein, dass nun auch die Liegenschaft abgerissen wird...nehm' ich mal an.

Herzerzog Johann
13
Die Arbeit ist nicht so arg ...

... aber der Geruch ist nichts für feine Nasen. Die guten Düfte kommen leider erst zum Schluß dazu ....

ad vocem
12
Sie könnten sich ja bewerben dafür ...

meineMeinung
02
Wirklich schade...

...aber es gibt noch eine in Wien, und zwar in der Hintzerstrasse.

Baerald
10
Im 10. Bezirk gibts auch eine!

Hula Hup
10

und wo?
sie meinen nicht zufällig den haslinger?

Baerald
10
Oh ja - glaub schon, dass der so heißt.

Nein, bin mir sogar ziemlich sicher!

Baerald
03
Schade.

War zwar nur einmal dort einkaufen - weil am ganz anderen Ende von Wien - aber das war ein tolles Erlebnis und ein wunderbares Gespräch mit dem Herrn Weiss.
Mein Beileid und Mitgefühl den Angehörigen.
RIP, lieber Herr Weiss.

Mein Freund Harvey
20

Ihr Beileid kommt etwas spät, Herr Weiss ist 2004 gestorben ...

Agent Provocateur!
11
... und es sind immer noch Seifen von ihm da.

Eigentlich unglaublich. Herr Weiss muss außer schlafen und essen nur gearbeitet haben.

Baerald
10
Na danke - sorry, dass ich nicht früher

von diesem Ereignis informiert wurde!

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