Das ÖFB-Team kann nicht zufällig auf Sturm-Spieler bauen - Beichler und Jantscher sind Beispiele für die Vernunft, die Teile des österreichischen Fußballs erfasst hat
Bad Tatzmannsdorf - Daniel Beichler sagt, dass er Zeit hat. Bis zum nächsten Sommer. Dann ist er 21 Jahre alt und erfahrener. Sturm Graz wird die Option auf die Offensivkraft ziehen, das wird dem Klub, den Beichler liebhat ("Als Kind saß ich in der Kurve"), aber relativ wenig nützen. Die Fußballer dieser Zeit lassen ihre Ablösesummen und Ausstiegsklauseln festschreiben. Meldet sich ein halbwegs namhafter Verein aus dem Ausland, und das ist im Fall Beichler echt nicht unwahrscheinlich, ist der Grazer weg aus Graz. "Das Ausland ist das Ziel."
Sein gleichaltriger Spezi Jakob Jantscher denkt genauso. Auch er ist als Bub auf der Tribüne gehockt. Schwarz-weiße Fahne, schwarzweißes Leiberl, schwarz-weißer Schal, im Winter aus Wolle, damit der kleine Jakob nicht friert.
Andreas Hölzl kickt auch bei Sturm. Er ist um vier Jahre älter als Beichler/Jantscher, sein Schal war grün-schwarz. Als waschechter Tiroler hält man zu Wacker Innsbruck. Hölzl spielte dort bis zum Abstieg. Das Trio hat bei Sturm den Durchbruch gepackt, Dietmar Constantini beruft es regelmäßig ins Nationalteam ein. Hölzl wurde schon von Karel Brückner eingebaut, er debütierte beim furchtbaren 1:1 auf den Färöern. "Das muss man nicht besprechen."
Am Samstag in der WM-Qualifikation gegen die Färöer könnten sie alle drei einlaufen. Rechts im Mittelfeld Hölzl, links Jantscher, zentral Beichler. Nicht deshalb, weil die Partie in Graz steigt - solche Zugeständnisse lehnt Constantini ab. Der Fußball besteht aus Kunststoff und nicht aus Schleim. Und welche Kriterien würden am 9. September in Bukarest gegen Rumänien den Ausschlag geben?
Sturm hat, gemeinsam mit Rapid, die Rolle des Lieferanten übernommen. Vielleicht geht es in Hütteldorf noch spektakulärer ab (Drazan, Trimmel, Pehlivan), aber das Ergebnis ist praktisch dasselbe. Die beiden Mannschaften sowie die Austria und Salzburg haben sich für die Europa League qualifiziert. Beichler nennt das "Wahnsinn". Es sei möglich, sich in Österreich zu entwickeln.
Bei Sturm ist dafür Trainer Franco Foda zuständig. Der Deutsche baut die Jugend ein und auf. Beichler: "Er haut einen nicht ins kalte Wasser. Foda hat den Blick für den idealen Zeitpunkt. Er weiß, wann einer so weit ist." Jantscher: "Wir sind mit 20 schon ziemlich routiniert und bereit, Verantwortung zu übernehmen." Foda legt Wert auf umfassende Ausbildung. Beichler: "Wir sind keine Fachtrottel." Für Constantini ist Sturm ein Musterbeispiel für Vernunft (Rapid und Peter Pacult auch): "Topathleten werden produziert." Beichler/Jantscher stünden für die neue Generation: "Schnell, geschickt, vielseitig, ehrgeizig, leidenschaftlich."
Methusalem Hölzl sagt über Beichler/Jantscher: "In jedem Training merkt man, dass sie etwas erreichen wollen. Sie wirken höflich, haben es aber faustdick hinter den Ohren." Noch kicken sie in Österreich. Noch träumen sie von Spanien oder Italien. Sie glauben, dorthin zu passen. Irgendwann. Vielleicht in ein paar Monaten. Beichler: "Es wird gegen die Färöer schwieriger, als man denkt." (Christian Hackl, DER STANDARD Printausgabe, 3.9.2009)