Die nach den Ölpreisrekorden im Vorjahr eingetretene Verbilligung wurde von den Energieversorgern nur zum Teil an die Haushalte weitergegeben
Die Gaspreise für Haushaltskunden sind deutlich höher, als es aufgrund des Preisniveaus beim Gasimport gerechtfertigt wäre. Der Chef der E-Control, Walter Boltz, schätzt den Spielraum für Preissenkungen auf zehn bis 15 Prozent. "Ich hoffe, dass die Botschaft bei den Energieversorgern angekommen ist, sonst müssen wir uns andere Mittel überlegen", sagte der Energieregulator dem STANDARD.
Der Importpreis für Gas, eine wichtige Kalkulationsgröße für die Gasverteilunternehmen in Österreich, ist seit vergangenem Herbst stark zurückgegangen - von mehr als drei Cent je Kilowattstunde (kWh) auf etwa 1,80 Cent je kWh.
***
Wien - Österreichs Energieversorger verdienen sich mit dem Verkauf von überteuertem Gas ein schönes Körberlgeld. Diesen Eindruck hat zumindest der Regulator der Branche, Walter Boltz, nach Studium diverser Preiskurven gewonnen. "Es zeigt sich klar, dass die Gaspreise, die den Haushaltskunden verrechnet werden, im Durchschnitt um zehn bis 15 Prozent höher sind, als sie sein sollten" , sagte Boltz dem Standard.
Tatsächlich ist der Importpreis für Gas seit vergangenem Herbst stark zurückgegangen - von mehr als drei Cent je Kilowattstunde (kWh) auf etwa 1,80 Cent je kWh (siehe schwarze Linie in der Grafik).
"Wir sind dort, wo wir im März 2007 waren" , sagte Boltz. "Und die Spotmarktpreise sind noch tiefer" . "An Großkunden wurden diese Preisreduktionen weitergegeben" , sagte Boltz. "Die würden sich sonst selbst mit Gas eindecken." Bei den Haushaltskunden sei davon noch nichts gelandet, für Boltz ein "Hinweis dafür, dass sich die Lieferanten sehr sicher sind, dass die Kunden nicht zu einem anderen Anbieter wechseln, egal wie viel sie zahlen." Das sei eine denkbar schlechte Voraussetzung für einen Wettbewerb um faire Preise. "Ich hoffe, dass die Botschaft ankommt, sonst müssen wir uns andere Mittel überlegen" , sagte der Regulator.
In der Branche weist man darauf hin, dass viele der Unternehmen erst heuer im Frühjahr die Gaspreise gesenkt haben. "Wir haben gesagt, dass wir den Markt beobachten und die Preise weiter senken, sollte der Ölpreis auf dem tiefen Niveau bleiben" , sagte der Sprecher der Energie Allianz, Peter Koller. "Inzwischen hat sich der Ölpreis aber fast verdreifacht." Eine Preissenkung sei folglich "aus heutiger Sicht" nicht absehbar.
Stromverbrauch sinkt
Die Energie Allianz, ein Zusammenschluss der Vertriebsgesellschaften von Wien Energie, EVN und Bewag/Begas, zählt knapp 2,1 Mio. Gasanschlüsse. Wien Energie, die allein auf knapp eine halbe Million Gaskunden kommt, hat Anfang Februar den Gaspreis um einen einstelligen Prozentsatz gesenkt, EVN in zwei Schritten (Jänner und März) um insgesamt 18 Prozent. Koller: "Das zeigt, dass billigere Einstandspreise sehr wohl weitergegeben werden."
Der Chef der E-Control lässt das nicht gelten. "Das ist ein belieb-tes Spiel. Zuerst wird der Preis kräftig angehoben. Nach einer gewissen Zeit wird der Preis gesenkt, aber weit weniger als die vorhergehende Anhebung. In Summe zahlen die Haushalte zu viel," sagte Boltz.
Tatsächlich hat Wien Energie den Gaspreis Mitte November 2008 um 21 Prozent erhöht, EVN hat die Preise bereits Anfang November um 28 Prozent hinaufgeschnalzt. Auch andere Gasversorger haben in der Hochpreisphase des Vorjahres kräftig zugelangt, die steirische Gas Wärme etwa hat die Preise um 25,7 Prozent angehoben.
Beim Strompreis sieht Boltz derzeit eher wenig Spielraum nach unten. Anders als bei Gas habe es bei Strom nie diese starken Ausschläge nach oben gegeben.
Infolge der Wirtschaftskrise ging der Stromverbrauch im ersten Halbjahr 2009 um rund fünf Prozent zurück. Bis Jahresende könnte sich das Minus auf sieben Prozent erhöhen, glaubt der Präsident des Verbands der Elektrizitätsunternehmen, Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber. Regulator Boltz glaubt, "dass wir ein paar Prozent Energieverbrauch im Industriesegment auf Dauer verloren haben." (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.9.2009)