Vizechef des Geheimdienstes bei Anschlag getötet

02. September 2009 11:32
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Taliban bekannten sich zu Selbstmordattentat in Provinz Laghman - Insgesamt mindestens zehn Tote Weiter Berichte über Unregelmäßigkeiten bei Präsidentenwahl

Kabul/Stockholm - Bei einem Selbstmordanschlag im Osten von Afghanistan sind mindestens 22 Menschen getötet worden, unter ihnen der Vizechef des afghanischen Geheimdienstes, Abdullah Laghmani. Dutzende Menschen seien dabei verletzt worden, teilte die Regierung der Provinz Laghman mit. Es war der bisher schwerste Schlag der Aufständischen gegen die Nationale Sicherheitsabteilung (NS), die nach eigenen Angaben etliche Anschläge der Taliban in der Vergangenheit verhindert hat. Hinsichtlich der Präsidentenwahl wurden erneut Stimmen über Manipulationen laut.

Bei dem Selbstmordattentat in der Provinzhauptstadt Mihtarlam (Metarlam) seien auch der Vorsitzende des Provinzrates, der Generaldirektor der Provinzregierung sowie der örtliche Vertreter des Ministeriums für religiöse Angelegenheiten getötet worden, sagte Gouverneur Lutfullah Mashal. Unter den 22 Todesopfern seien zudem 18 Zivilisten. Der Anschlag ereignete sich laut den Behörden vor einer Moschee in der Stadt, rund 100 Kilometer östlich von Kabul. Die radikalislamischen Taliban bekannten sich zu der Tat.

Krasser Kontrast

Der stellvertretende UNO-Sondergesandte Peter Galbraith verurteilte den Anschlag: "Es ist unverzeihlich, dass ein solcher Anschlag während des heiligen (Fasten-)Monats bei einer Moschee ausgeführt wird. Der Kontrast zwischen der großen Mehrheit der Afghanen, die sich während dieses heiligen Monats nach Frieden sehnen, und denen, die diesen Anschlag ausgeführt haben, könnte nicht krasser sein."

Aus dem südafghanische Stamm der Bariz hieß es, knapp 24.000 Stimmen seien zugunsten von Amtsinhaber Hamid Karzai bei der Präsidentenwahl gefälscht worden, wie die "New York Times" berichtete. Vor der Wahl am 20. Juli hatten die im Bezirk Shobarak beheimateten Bariz beschlossen nicht Karzai, sondern seinen schärfsten Konkurrenten, Ex-Außenminister Abdullah Abdullah zu unterstützen. Abdullah sei sogar nach Shobarak gereist.

Vorläufiges Ergebnis der Wahl Ende der Woche

Aus dessen prophezeitem Kantersieg in dem Bezirk sei aber nichts geworden: Der lokale Gouverneur Delaga Bariz sei von Handlangern des Präsidentenbruders Ahmed Wali Karzai festgehalten, die 45 örtlichen Wahllokale am Wahltag geschlossen worden. Laut den Stammesangaben füllten dann Polizisten die Urnen mit Wahlzetteln, die alle zugunsten Karzais markiert gewesen seien.

Ein vorläufiges Ergebnis der Wahl wird Ende der Woche erwartet, das endgültige am 17. September. Nach Auszählung der Hälfte der Stimmen liegt Karzai mit 45,8 Prozent, in Führung vor Abdullah mit 33,2 Prozent. Karzais Vorsprung wäre damit nicht groß genug, um eine Stichwahl im Oktober zu vermeiden. Bisher wurden vor allem Ergebnisse aus Wahllokalen in nördlichen Provinzen veröffentlicht, in denen Abdullah starken Rückhalt hatte. Im paschtunischen Süden und Osten des Landes, wo Karzai deutlich vorne liegt, wurden deutlich weniger Stimmen ausgezählt.

Der Beschwerdekommission lagen nach Angaben vom Montag 2.564 Eingaben wegen mutmaßlichen Betrugs seit Beginn des Wahlkampfs in Afghanistan vor. Abdullah hat seine Anhänger zur Ruhe aufgerufen.

Zeichen der Hoffnung

Die schwedische EU-Ratspräsidentschaft wertet die umstrittene Präsidentschaftswahl in Afghanistan als Zeichen der Hoffnung. Außenminister Carl Bildt sagte zum Abschluss eines zweitägigen Besuchs in Kabul in einem Interview mit dem schwedischen Rundfunksender SR am Dienstagabend: "Die Signale, die ich von allen drei Präsidentschaftskandidaten bekommen habe, geben mir viel Hoffnung für die Zukunft."

Bildt hatte als Abgesandter der 27 EU-Länder sowohl mit Karzai wie auch Abdullah und einem weiteren Präsidentschaftskandidaten, Ramazan Bashardost, gesprochen. Der schwedische Minister meinte dazu, trotz technischer Mängel und auch Wahlbetrugs könnten die Wahlen wichtige Fortschritte für Afghanistan bringen. Nach Überzeugung Bildts werden alle Klagen und Beschwerden über die Wahlabwicklung von den afghanischen Behörden "auf zufriedenstellende Weise behandelt". (APA/AFP/dpa/AP)

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