Innovatives Theater

"Menschmaschine": Wenn Nerds mal ausgehen

Rebecca Sandbichler, 2. September 2009, 16:35
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    menschmaschine/ingo pertramer

    Pressefoto mit Forcher, Haipl und Hermes in Anlehnung an das Kraftwerk Album-Cover von "Die Mensch Maschine".

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    Während der Veranstaltung glühten die Handy-Kameras. Dieses Bild knipste "linzerschnitte".

Die Internet-Inszenierung im Wiener Theater Rabenhof war der einzigartige Versuch ein Stück Zeitgeist über den sozialen Wahnsinn "Web 2.0" zu schaffen - Es blieb beim Versuch

Sie zogen aus, das große Internet zu erlegen und - über einem Gaginferno gegrillt - dem Publikum im Wiener Theater Rabenhof in mundgerechten Happen auf zwei Videowalls zu servieren. "Die Fortsetzung von 'Sendung ohne Namen'... 'Elektrischer Reporter' et al im dritten Jahrtausend. Fundstücke aus dem digitalen Dies- und Jenseits, kurzweiligst zur Kenntnis gebracht von unserem kundigen Team."

So wurde dieser mutige Abend zumindest in der Programmbeschreibung angekündigt - und ließ den aufgeregten Wiener Nerds das Wasser im Mund zusammenlaufen. Endlich Gleichgesinnte, endlich eine Gelegenheit, bei der das Wort "microblogging" nicht einmal mehr fallen müsste und munter Poken aneinander gerieben werden könnten als gäbe es kein Morgen.

Doch Inszenator Walter Gröbchen und den drei Radio-Berufsjugendlichen Herr Hermes, Clemens Haipl und Eberhard Forcher war das Untier Social Media mit seinen 2.0 Tonnen zu schwer. Also machten die Moderatoren Jagd auf Facebook, YouPorn und Twitter. Sie waren eine leichte Beute.

Fäkalhumor funktioniert immer

"Wart ihr denn heute schon am Klo?", hatte Haipl vor dem Auftritt seine Freunde auf Facebook gefragt und Antworten erhalten, die jedem fäkalbegeisterten Kindergärtner die Schamesröte ins Gesicht getrieben hätten. Na klar, ist ja auch Facebook, ha ha. Dieser virtuelle Klowand-Dialog sorgte für ausgiebiges Gelächter, während vereinzelt Zuschauer ihren Anspruchs-Anspruch auf der löblicherweise eigens installierten, jedoch von den Moderatoren anfangs kaum beachteten, Twitterwall kundtaten.

Doch auch das Publikum musste sich berechtigte Kritik gefallen lassen. Zwar war der verwendete "hashtag" #menschmaschine hartnäckig in den deutschen Twitter-Top-Themen vertreten, für Nicht-Anwesende wurde aber nicht wirklich ersichtlich, was sich im Rabenhof abspielte. Twitter-User "aufdraht" wollte daher mit einem Tweet zu geistigen Höhen beflügeln: "schickts ein wenig inhalt rüber - so bleibts tweet bassena."

Twitter und Zither gehen gut zusammen

Ein wenig Abwechslung verschafften immer wieder die liebreizende Zitherspielerin Bernadette und lustige, kurze Forcher-Videos. Obwohl dieser sich in Oliver-Pocher-Manier gleich zu Beginn im Buchladen auf die Suche nach "Facebooks" machte, besserte sich insgesamt dadurch die Stimmung merklich. Gut gelaunt war er unterwegs im sommerlichen Wien, entschlossen, hündische "friends" bei Dogbook zu finden oder Nachwuchstalente für ein Aufklärungsfilmchen auf YouPorn zu rekrutieren.

Während zwischendrin die nicht-prominenten, Facebook-süchtigen Gäste der Moderatoren auf Fragen mit eloquenten Redeschwällen à la "weiß nicht" und "so halt" antworteten, wartete alles gespannt auf die wahren Stars des Abends: Los Colorados. Eine ukrainische Polkaband, die mit ihrer Coverversion des Katy Perry Songs "Hot 'n' Cold" immerhin 5 Millionen Klicks auf YouTube erzielen konnte.

Per Skype sollten sie live zugeschaltet werden, doch als "das Breitband" erstmal nicht ausreichte, wurde frühzeitig die Pause verkündet. Und so mancher löste sein bitteres Versprechen "in der Pause verschwind' ich" ein - viele Stühle des vorher restlos gefüllten Saals blieben danach leer.

Welche Meta-Ebene?

Trotz Skype-Ruckeln begeisterten doch noch die Los Colorados, hier und da war ein Penis zu sehen - peinlicher Sex-Video-Chats sei Dank. "iramollay's" Frage "Wie wärs mit einem Publikumsaufstand?" zettelte keine echte Revolution an. Schließlich ließ noch Überraschungsgast Angelika Hager die Zuschauer an ihrem Facebook-Leben teilhaben: die Journalistin und Autorin benutzt ihr Alter Ego "Polly Adler" nach eigenen Angaben nur dazu, ihrer Tochter bei deren "Lindsey-Lohan-Trip" nachzuspionieren und virtuellen Freunden ihr neues Buch "anzudrehen".

Am Ende blieb ein verwirrtes Publikum zurück: "Vielleicht hast du die Meta-Ebene des Ganzen nicht verstanden?", munterte ein Mann seine enttäuschte Bekannte auf, die ihren 15 Euro Eintrittsgeld nachtrauerte. (Rebecca Sandbichler/derStandard.at,02.09.2009)

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Eines von mehreren Videos, die der Veranstalter zuvor ins Netz gestellt hatte:

interessant und hübsch
 
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soll wirklich ors*h gewesen sein , hab ich mir sagen lassen

Themroc
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war dort

und mir war als wäre ich versehentlich am maturatreffen der parallelklasse.

naja

Jujilla
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ach, das twittervolk ist ein kritisches, das hat sich wieder mal gezeigt;)

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