Küssen verboten?

Regina Philipp
10. September 2009, 11:27
  • Virologen sprechen von einer Superinfektion, wenn sich auf eine bestehende Infektionskrankheit eine zweite Infektion mit demselben Erreger aufpropft.
    foto: ap/jörg sarbach

    Virologen sprechen von einer Superinfektion, wenn sich auf eine bestehende Infektionskrankheit eine zweite Infektion mit demselben Erreger aufpropft.

Warum Lippenherpes für Küsser Tabu sein sollte und die Zukunft für Infizierte rosig aussieht

Ist das Immunsystem kompetent, dann ist Lippenherpes harmlos. Diese Tatsache gibt Anlass zur Freude. Allerdings währt sie nur kurz, wenn man zu dem Teil der Bevölkerung zählt, deren Lippen in regelmäßigen Abständen von Fieberbläschen geziert werden. Abgesehen davon, dass diese Virusinfektion weh tut und ein ästhetisches Problem darstellt, drängen sich für Infizierte in der Regel zumindest zwei Fragen auf: Wie ansteckend ist das Herpes simplex Virus Typ I und gibt es irgendeine therapeutische Option, die dem Lippenherpes schon beim ersten Kribbeln verlässlich den Wind aus den Segeln nimmt?

Zur ersten Frage: Ja, Herpesviren sind hoch ansteckend, jedoch nur für Menschen, die nicht ohnehin schon längst seropositiv sind. Im Klartext heißt das: Wer sich einmal mit dem verantwortlichen Erreger angesteckt hat, der trägt ihn lebenslänglich mit sich herum. "Die Erstinfektion mit HSV 1 wirkt wie eine Lebendschutzimpfung", weiß der deutsche Biochemiker Gerald Kleymann. "Denn", so der Herpes-Experte, "sind die Herpesviren einmal im menschlichen Organismus drin, dann wandern sie in das Nervengewebe und deponieren dort ihre DNA". Für 80-90 Prozent der Bevölkerung gilt daher: Gegen weitere Infektionen mit HSV 1 sind die einmal Infizierten relativ resistent. Den Schutz verdanken sie Antikörpern, die das Immunsystem gegen die Viren beim Erstkontakt bildet.

Küssen mit Einschränkung

Wer sich also nicht davon abhalten lassen möchte herpesinfizierte Lippen zu küssen, der darf das - vorausgesetzt er ist bereits Träger des Virus - auch eingeschränkt tun. "Mit viel Pech kann es zu einer Superinfektion kommen", weiß Kleymann von einer Infektion, die auf die bereits bestehende Infektion mit ein- und demselben Erreger folgt, zu berichten. Ein Restrisiko das also bleibt und Mediziner zu folgender Konklusio gebracht hat: Das Küssen einer infizierten Lippe ist generell ein Tabu.

Diejenigen, die schon beim geringsten Stress die nächste Blase auf ihrer Lippe erwarten, werden diesem Rat bedenkenlos folgen. Die Angst vor den hässlichen Herpesbläschen ist einfach zu groß. Frustrierend ist nur: Allzu viel nützen wird das auferlegte Küssverbot nicht, denn Auslöser für die Reaktivierung der Viren gibt es viele (Stress, intensive Sonneneinstrahlung, Fieber) und sie alle zu meiden funktioniert sowieso nicht.

Herpesmittel gibt es viele

Darum heißt es derzeit das unvermeidliche akzeptieren und hoffen, dass irgendein Arzneimittel hilft. Angebote gibt es derer genug. An vorderster Front stehen Nucleoside wie Aciclovir, das auch bei lokaler Anwendung die Entstehung der Blase vielleicht noch im Ansatz verhindert. Das Problem bei dieser antiviralen Substanz: HSV 1 Viren können dagegen Resistenzen entwickeln. Die Salbe bleibt dann ohne Wirkung.

Gut, es gibt Alternativen, wie Zink-Heparin, das zumindest eine gewisse Linderung bringt beziehungsweise eine schnellere Abtrocknung und Abheilung verspricht. Der Wunsch den lästigen Viren jedoch die Möglichkeit für einen Wiederauftritt endgültig zu nehmen bleibt noch unerfüllt.

Endgültiges Aus für Herpesviren

Doch es gibt Licht am Ende des Tunnels. "Im Tiermodell hat sich gezeigt, dass es nach Verabreichung von Helicase-Primase-Inhibitoren zu keinerlei Rekurrenzen mehr kommt", so Kleymann. Um zu verstehen was Helicase-Primase-Inhibitoren tun, muss man verstehen, wie das Virus im Körper agiert. Wie gesagt, einmal im Organismus, legt das Virus Kopien seines Erbmaterials im Trigeminusnerv ab. Den Nerv tangiert das nicht weiter, jedoch verliert die virale DNA zunehmend an Qualität. Für das Virus heißt es deshalb irgendwann: Zurück zur Lippe, denn nur dort ist es in der Lage sich erneut zu vermehren um die neuen Genome anschließend wieder im Nervengewebe zu deponieren. "Mit der neuen Wirkstoffklasse gelingt es diesen Zyklus zu durchbrechen, was bedeutet, dass die aktive DNA im Nervengewebe immer weniger wird und der betroffene Mensch irgendwann bleibend symptomlos ist", so Kleymann abschließend. Gemeinsam mit allen Betroffenen hofft er nun auf ein endgültiges Ende der Lippenherpes-Ära. (Regina Philipp, derStandard.at, 10.09.2009)


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hatte früher auch 2-3x im Jahr Fieberbläschen. Seit 4 Jahren bin ich nun aber schon fieberblasenfrei. Meine einzig vernünftige Erklärung: Ich hab mein Herpes simplex Virus Typ I Gegenstück getroffen. Sie war süß und die monatelange Kusstherapie hat bis heute ihre Wirkung. :) Ich spür nicht mal mehr die allerersten Anzeichen, wie dieses leichte kirbbeln und ziehn.

Küssen

Wie macht man das mit dem Küssen im "Tiermodell"?

Homöopathie hat geholfen

Natrium Chloratum (=Muriaticum) D200 Globuli
5 Monate lang 1 x pro Monat 5 Kugeln
+ die darauf folgenden Monate abwarten, bis der
Körper reagiert hat

-> Herpes ist "weg"

PS für alle Gegner der Homöopathie: zuerst ausprobieren, dann erst quatschen


Es hätte auch ohne Kugerl geholfen.

Homöopathie?

Dieser grobe Unfug sollte eigentlich wegen Gefährdung der Allgemeinheit schnellstens verboten werden.

ihre aussage

sollte eigentlich wegen gefährdung der allgemeinheit schnellstens verboten werden. schließlich hilft vielen homöopathie sehr gut, und das nicht bloß als placebo.

alle kritik in ehren, aber erfahrung lehrt eines besseren. und selbstverständlich muss nicht jedes verfahren muss für jede/n geeignet sein.

tut mir leid ...

aber homöopathie ist unfug. da kann man nicht "nicht quatschen". das einzige was bei homöopathie ab und zu "hilft" ist der eigene körper, da man glaubt etwas "hilfreiches" einzunehmen (placebo). das geht aber auch nicht immer. http://www.gwup.org/infos/the... ceboeffekt

friede :-)

Kochsalz gegen Herpes... 5 Monate lang.

Darf ich Sie jetzt Salzgurke nennen? =)

da kennt sich ja eine/r wirklich gut aus. kochsalz und homöopathie... milchzucker-kügelchen wenn schon.

nichts getan --> herpes weg.

seit monaten.
bis es halt wieder mal auftaucht.

pff

Das ist extrem Homöopathie

;-)

Ohne jemanden schlecht machen zu wollen, aber...

Hahaaaaa^^

Jop, so schauts aus. Wenn ich den Post von Gurke richtig verstanden hab, dann dauert das bei ihm/ihr Monate, bis der Herpes verschwindet? Nichts gegen Homöopathie, sie wirkt sehrwohl, wenn man was davon versteht. Chinesische Traditionsmedizin ist sogar um LÄNGEN besser als die moderne westliche Medizin, aber hier braucht das eindeutig zu lange^^

Herpes im Anfangsstadium bemerkt man doch, dann Zahnpasta drauf für einen Tag (geht halt schwer runter, aber luftdicht verschlossen isses), und am nächsten Tag passiert gar nix mehr, ausser, dass der Herpes zurückgeht. Rechtzeitig erkannt dauert das bei mir nicht länger als drei Tage!

das funktioniert bei mir viel diskreter mit dem durchsichtigen compeed-pflaster

alternative

billiger und weniger schmerzhaft beim entfernen ist eiklar. verhindert nässen, trocknet aus, isoliert

die sind auch super, aber nur wenn es einem gelingt, das Teufelszeug aufzukleben, ohne dass es sich komplett verwurschtelt...

klingt gut :D

von den aktuellen mittelchen sind mir die pflaster am liebsten!

Auf die Ernährung achten! Erdnussverbot!

Wer anfällig für Fieberblasen ist, sollte gut auf die Ernährung achten.

Keine Nüsse, keinesfalls Erdnüsse, etc. essen.

Bei den meisten Menschen hilft es bereits, auf Erdnüsse zu verzichten.

Einfach selbst ausprobieren. Infos zur Ernährung gibt's ja genügend im Internet.
Und bitte nicht immer der Pharmaindustrie glauben!

"Bei den meisten Menschen hilft es bereits, auf Erdnüsse zu verzichten."

Studie? Link? Anything?

stimmt! Erdnüsse und Laubfroscheier!

laubfroscheier! die sind neben den Erdnüssen nämlich mindestens so stark für das auftreten der Bläschen verantwortlich! also je schneller sie es schaffen mit dem Laubfroscheiernaschen aufzuhören, desto besser. Sie sind dann Ihre bläschen rasch und endgültig los!


Einfach selbst ausprobieren. Infos zur Ernährung gibt's ja genügend im Internet.
Und bitte nicht immer der Pharmaindustrie glauben!

glaub ich nicht

ich habe gelesen, dass laubfroscheier sogar gut sind gegen herpes. ja. laubfroscheier. aber teuer sind sie, weil man soviele laubfroschmännchen braucht für all die herpeskranken leute.

Tabletten gegen Fieberblasen

Es gibt auch Tabletten gegen Fieberblasen !
Nur kosten die rund 100.-Eur pro Packung und wenn man seinen Arzt nicht lange genug quält, verschreibt er sie nicht.
Danach ist man für Monate imun gegen Fieberblasen.

Die Pharmafirmen sollten vielleicht mal realistische Preise machen! Nicht nur abzocken...

also bitte, das älteste Heilmittel gegen Fieberbläschen ist völlig simpel und hilft immer:

Sie legen sich auf den Rücken, ziehen die Beine leicht gespreizt so weit wie möglich zum Kopf und pinkeln dann zielgenau auf das bläschen. Wiederholen Sie das täglich 5 mal und über einen Zeitraum von 3 Wochen. Sie werden sehen, die bläschen sind fort. Ehrenwort! vertrauen Sie der Natur pur!

Sie meinen die Aciclovir-Tabletten, die man auch kurmäßig einnehmen kann...

Helfen auch nicht immer, wie ich erfahren musste.

erfahrungen mit aciclovir

hat bei mir die ersten 4 bis 5 mal super funktioniert, herpes im ansatz schon „bekämpft”, bläschenbildung teilweise im ansatz verhindert.
leider: kam der tag, an dem ich wieder meine lippenherpes mit aciclovir behandelte, nach 2 tagen war alles gut, 2 weiter tage später ist genau daneben das nächste Bläschen entstanden. Wieder aciclovir drauf, perfekt. Aber: 2 Tage später das gleiche von vorn.
Habe anscheinend eine Resistenz entwickelt. Habe zur Linderung der trockenen und juckenden Lippen Bienenwachsbalsam verwendet. Seitde komme ich mit dem Balsam super zurecht, dauert ca. 5-6 Tage bis zur Verheilung, und die Intervalle sind viel länger geworden.Letzte Herpes vor ca. 1 1/2 Jahren, trotz Stress und Anstrengungen.

du meinst aciclovir als creme bzw. "pflaster". das gibts aber auch in höherer dosis, das aber afaik nur für spezielle infektionen verwendet werden sollte.

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