Das öffentliche Zurschaustellen bestätigt, dass es immer noch Männer gibt, die glauben, es sei eine außergewöhnliche Leistung, auch einmal die Windeln zu wechseln
Volle Windeln stinken, die Sandkiste liegt nicht am Ende der Welt, und Kinderbetreuung kann durchaus anstrengend sein - die sogenannten neuen Väter haben vordergründig Neues entdeckt. Und sie verarbeiten ihre Erlebnisse in Büchern, Blogs und Berichten. Dabei drängt sich der Eindruck auf, es gehe mehr um das Ego des Erzeugers als um dessen Beziehung zu den Sprösslingen. Beim momentanen Wettbewerb, der beste (und natürlich auch coolste) Vater der Welt zu sein, wähnte ein solches Role-Model die Vaterkarenz sogar schon als mögliches neues "Statussymbol".
Warum eigentlich? Die geleistete Betreuungs-"Arbeit" ist nichts Außergewöhnliches. Die erledigen meist Frauen - immer schon, ganz ohne Ordensverleihung. Sie wird auch nicht besonders, nur weil einige Männer sich endlich stärker einbringen. Mütter muss dieses neue Väter-Gerede gehörig nerven. Männer, die in Karenz waren und dies als Selbstverständlichkeit betrachten, übrigens auch.
Wenn schon etwas besonders ist, dann ist es das Faktum, dass noch immer nur fünf Prozent der Väter in Karenz gehen. Das gehört geändert. Vielleicht wird das einkommensabhängige Kindergeld wirken. Das öffentliche Zurschaustellen der Möchtegern-Superpapas bestätigt jedoch nur eines: dass es immer noch Männer gibt, die glauben, es sei eine außergewöhnliche Leistung, auch einmal die Windeln zu wechseln. Versäumtes oder lange Zeit Abgelehntes aufzuholen ist jedenfalls kein Grund für Prahlerei. (Peter Mayr, DER STANDARD, Printausgabe, 2.9.2009)