150 Jahre Haft wegen Verbrechen an Ureinwohner

1. September 2009, 13:00

Erstmals Militärangehöriger wegen Gräuel im Bürgerkrieg verurteilt

Guatemala/Wien - In Guatemala ist erstmals ein Militärangehöriger wegen Verbrechen an der indigenen Bevölkerung während des 36 Jahre dauernden Bürgerkriegs (1960 - 1996) verurteilt worden. Felipe Cusanero wurde für schuldig befunden, für das Verschwinden von sechs "Indigenas" zwischen 1982 und 1983 verantwortlich zu sein. Laut Medienberichten vom Dienstag erhielt er eine Haftstrafe von insgesamt 150 Jahren.

Vor dem Gerichtsgebäude in der Kleinstadt Chimaltenango, die rund 40 Kilometer von der Hauptstadt Ciudad de Guatemala entfernt liegt, versammelten sich zahlreiche Angehörige der indigenen Bevölkerung. "Wir suchen keine Rache, aber Wahrheit und Gerechtigkeit", erklärte Hilarion Lopez, deren Tochter 1984 mit 24 Jahren von Soldaten entführt und nie mehr wieder gesehen wurde.

Bürgerkrieg aufgearbeitet

In dem Bürgerkrieg zwischen linksgerichteten Rebellen und den jeweiligen Regierungen des mittelamerikanischen Landes wurden mehr als 250.000 Menschen getötet oder verschwanden. In Guatemala wird das Thema nun aufgearbeitet, weil es seit Anfang 2008 mit dem Sozialdemokraten Alvaro Colom erstmals seit mehr als 50 Jahren einen linksgerichteten Präsidenten gibt.

Colom hat die Opfer des jahrzehntelangen Bürgerkriegs bereits im Namen des Staates um Entschuldigung gebeten. "Als Präsident der Republik, als Regierungschef und Befehlshaber der Armee bitte ich Sie um Vergebung, weil das System die Schuld trug", sagte Colom im Februar anlässlich eines nationalen Gedenktags an die Opfer des Bürgerkriegs. Wenn Völkermord bedeute, dass vorsätzlich eine ethnische, religiöse oder politische Gruppe eines Landes ausgelöscht werden solle, dann habe es in Guatemala Völkermord gegeben, so Colom.

Vertreter von religiösen und politischen Gruppen sowie Anführer von Studenten und Ureinwohnern seien "systematisch" getötet worden, sagte der Staatschef. Colom bezog sich auf einen vor genau zehn Jahren veröffentlichten UNO-Bericht, der die Armee für mehr als 90 Prozent der Toten und Verschwundenen in dem jahrelangen Konflikt verantwortlich machte. Die Armee veröffentlichte am Mittwoch interne Dokumente, die Aufklärung über ihr damaliges Vorgehen bringen sollen. Der längste interne Konflikt Zentralamerikas war 1996 mit einem Waffenstillstand zwischen Regierung und Rebellen zu Ende gegangen.(APA) 

 

Ernst Guevara
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coloms vergangenheitspolitik ist wohl auch einer der gründe,

warum die politische rechte den präsidenten gerne vertreiben will. in honduras ist es den rechten ja schon durch einen militärputsch gelungen, die demokratie auszuschalten. mal schauen, ob es den faschisten in guatemala auch gelingt. ansätze dazu gibt es ja bereits seit einiger zeit:
http://www.oneworld.at/start.asp?ID=228356
es ist aber auch kein wunder, denn die faschisten in guatemala haben viel zu befürchten, sollte sich eine sachliche und seriöse aufarbeitung der geschichte durchsetzen. um dies zu verhindern, werden sie wohl auch in guatemala früher oder später auf putschistische methoden setzen. irgendwas weit hergeholtes wird sich schon als putschgrund finden lassen, hat ja in honduras auch so funktioniert.

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