Staatsanwaltschaft stellt Verfahren ein

31. August 2009, 19:16
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Antrag von Maria Loley abgelehnt, auch Arzt aus Stronsdorf glaubt an mehrere Täter

Graz/Wien - Auch der Gemeindearzt von Stronsdorf im Bezirk Mistelbach, Mahmoud Abou-Roumie, glaubt nicht an die Theorie, dass Franz Fuchs ein Einzeltäter war. Der aus Syrien stammende Mediziner war am 16. Oktober 1995 - am selben Tag wie die Flüchtlingshelferin Maria Loley - Opfer des Briefbomben-Terrors geworden. Er wurde damals an der rechten Hand verletzt.

Wie berichtet, hat Maria Loley vor kurzem bei der Staatsanwaltschaft Graz einen Antrag auf Weiterführungen der Ermittlungen gestellt. Gäbe es neuerliche Ermittlungen, wäre er wohl "neugierig", ob mehrere Täter am Werk gewesen seien, sagte Abou-Roumie zur APA. Letztlich berühre es ihn jedoch nicht mehr.

Die Staatsanwaltschaft Graz teilte am Montag jedoch mit, nach dem Antrag von Loley keine neuen Ermittlungen zu starten. Wie der Sprecher der Anklagebehörde, Manfred Kammerer, erklärte, habe man einen diesbezüglichen Bericht bereits vor einer Woche an das Straflandesgericht Graz übermittelt. "Wir haben darin detailliert Stellung genommen, warum das nicht tragfähig ist", so der Staatsanwalt.

Maria Loley - und im Übrigen auch schon vor einem Jahr der inzwischen verstorbene Wiener Altbürgermeister Helmut Zilk - bezog sich auf Angaben eines früheren Bombenermittlers, der immer schon an der Einzeltätertheorie gezweifelt hatte. Dieser Ex-Fahnder "kann sich von seinen Vorstellungen nicht lösen, er war immer der Meinung, Fuchs habe nicht das geschichtliche Wissen zum Verfassen der Bekennerbriefe gehabt. Diese Ansicht ist aber falsch", äußerte sich Staatsanwalt Kammerer sehr bestimmt. Fuchs sei nach seiner Festnahme einvernommen worden und habe dabei auch über die Briefe gesprochen, "wodurch klar wurde, dass Fuchs sehr wohl über das nötige Wissen verfügte", so der Staatsanwalt.

Bereits im Vorjahr habe man alles erneut überprüft und ein "Verfahren gegen unbekannte Täter" im Zusammenhang mit den Briefbomben geführt. Ohne Erfolg, das Verfahren ist eingestellt. (simo/DER STANDARD-Printausgabe, 1.9.2009)

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    Im Jahr 1995 wurde der Arzt Mahmoud Abou-Roumie Opfer einer Briefbombe.

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