Rätsel um das große Nichts neben der Ringstraße

31. August 2009, 20:00
135 Postings

Ein fünf Meter tiefer Krater in der Wiener Innenstadt verwirrt Wiens Magistratsbeamte.

Überrascht sind Experten aber nicht, immer wieder tun sich in Wien Löcher auf.

***

Wien - Ein Nichts sorgt seit Samstagnachmittag an der Wiener Ringstraße für Aufsehen. Denn dort, wo eine junge Pappel im Grünstreifen verwurzelt sein sollte, klafft ein großes Loch. Fünf Meter tief, gut zwei Meter breit - wo es herkommt, ist ein Mysterium.

Für Löcher sind in Wien gleich zwei Magistratsabteilungen zuständig. Jene mit den Nummern 28 (Straßenbau) und 29 (Grundbau). Ihre Vertreter sind Montagmittag beim Lokalaugenschein aber eher ratlos. Die beiden häufigsten Ursachen für abrupte Erdöffnungen, Unterspülung und das Einsacken unterirdischer Bauwerke, schließt Wolfgang Ablinger von der MA 28 aus. "Die Bewässerungsleitung für die Alleebäume ist intakt, das haben wir überprüft. Und Mauerwerk oder ähnliches ist nicht zu erkennen", sagt er, während er in die Bodenöffnung starrt.

Ausgebreitet hat sich das Nichts nicht, darüber sind die städtischen Bediensteten erleichtert. Der Verkehr war daher fast nicht beeinträchtigt, lediglich die unmittelbar an dem Krater vorbeiführende Straßenbahn musste kurzfristig angehalten werden, als das Loch untersucht und anschließend mit Beton aufgefüllt wurde.

Sondierungen

Um ganz sicherzugehen, wird Ablingers Kollege Gerhard Sochatzy von der MA 29 nun rund um die Öffnung Sondierungen vornehmen, um sicherzustellen, dass sich die Erde nicht auch anderswo auftut und Diverses verschlingt. Was aber gar nicht so ungewöhnlich ist, wie die beiden wissen. "Das ist jetzt in meinem Zuständigkeitsbereich das zweite Loch im ersten Bezirk, dazu kommen solche im sechsten und im 18. Bezirk", erinnert sich Ablinger. Auch am Gürtel habe es einen Vorfall gegeben.

Für Sochatzy, der für den Wiener Untergrund zuständig ist, sind die Löcher durchaus erklärbar. "Da gibt es viele Möglichkeiten. Brunnen können vor 200 Jahren mit Holzplanken verschlossen worden sein, die mittlerweile vermodert sind. Besonders gefährdet sind auch Gegenden, wo sich der Straßenverlauf geändert hat. Da können Keller der alten Häuser zurückgeblieben sein, die irgendwann nachgeben." Wie viele Löcher es unter Wien gibt, sei aber schwer zu sagen.

Die Wiener Stadtarchäologin Karin Fischer Ausserer will sich zum aktuellen Fall nicht äußern. Katastrophen wie in Köln, wo im März bei einem Einsturz einer U-Bahn-Baustelle zwei Menschen starben, sind abseits von Baustellen wohl nicht zu erwarten. Gefahr droht im Untergrund eher von jahrzehntealten Wasserrohren, die bei einem Bruch den Grund wegspülen und durchaus ein Nichts verursachen können, in dem Autos versinken. (Michael Möseneder/DER STANDARD-Printausgabe, 1.9.2009)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Nach wie vor herrscht Ratlosigkeit angesichts des Baumes, der am Ring in ein Loch eingesunken ist.

Share if you care.