Frauen mit Limoncello betäubt und beraubt

31. August 2009, 18:54
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Verhafteter Sizilianer soll Opfer im Nachtzug Wien-Venedig auch vergewaltigt haben

"Darf ich Ihnen einen Kaffee oder einen Limoncello anbieten?" Mit dieser Masche soll der 55-jährige Domenico B. im Nachtzug von Venedig nach Wien zahlreiche Frauen bestohlen und sexuell belästigt haben.

Der in Triest als Pferdejockey tätige Sizilianer wurde am Wochenende von der Staatsanwaltschaft Triest verhaftet. Der Mann zeigte sich beim Verhör durch den Untersuchungsrichter geständig. Er habe nur aus Geldnot gehandelt und "immer nur so viel gestohlen, wie ich gerade nötig hatte", erklärte er bei der Einvernahme.

Um Übersetzungen gebeten

B. soll den Ermittlungen nach nachts in Tarvis in den Zug gestiegen sein, sich zunächst in der Toilette versteckt und dann Ausländerinnen als Opfer ausgewählt haben. Um mit ihnen ins Gespräch zu kommen, habe er englische oder deutsche Bücher gelesen und um Hilfe bei der Übersetzung gewisser Wörter gebeten. Schließlich soll er seinen Opfern etwas zu trinken angeboten haben, das mit dem Schlafmittel Tavor versetzt gewesen sein soll. Der Verhaftete bestritt, Frauen vergewaltigt zu haben - der Vorwurf steht in zwei Fällen im Raum.

Die italienische Bahnpolizei begann ihre Ermittlungen nach zwei konkreten Fällen: Eine Tschechin erstattete Anzeige wegen sexuellen Missbrauchs, eine junge Deutsche erwachte, als sie von B. berührt wurde.

Bei einer Afrikanerin habe das Schlafmittel nicht gewirkt, gestand der Täter, der seinen Opfern "einen Teil ihres Schmuckes und Geldes" abgenommen haben soll. Seine Beute habe im Juli 1500 Euro und im August 910 Euro betragen, erklärte der 55-Jährige beim Verhör.

DNA-Test verlangt

Die Triester Staatsanwältin Cristina Bacer forderte B. auf, sich freiwillig einem DNA-Test zu unterziehen, um die Fälle von sexueller Gewalt aufzuklären. Die Staatsanwältin geht von insgesamt rund 15 bis 20 Betroffenen aus. Die meisten Anzeigen betreffen einzig den Diebstahl von Geld, Uhren und anderen Wertgegenständen. Zweckdienliche Hinweise nehmen die italienische Bahnpolizei und die Staatsanwaltschaft in Triest entgegen.

Die italienischen Staatsbahnen warnten in den vergangenen Jahren immer wieder vor einer Zunahme von Diebstählen in Zügen, vor allem in der ersten Klasse und in Nachtzügen. (Gerhard Mumelter aus Rom, DER STANDARD, Print, 1.9.2009)

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