Baum und Elmayer: Was Wien in Atem hält

31. August 2009, 18:53
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Der versuchte Baumselbstmord vom Schottenring und Mr. Gutes Benehmen

In dieser Stadt ist alles möglich. Nur deshalb konnte "Österreich" gestern den Titel riskieren: Versunkener Baum hält Wien in Atem. Verbunden war das mit dem Versprechen: Der Krater - die Messung des technischen Dienstes ergab: 3,20 Meter Tiefe - bleibt demnach noch einige Tage Gesprächsthema in der Stadt, weil: Rätsel vom Schottenring ungelöst.

Ungelöst auch das Rätsel, was den Mr. Gutes Benehmen dieser Stadt in der "Presse" zu der besorgten Äußerung trieb: "Es wäre jammerschade, wenn es lauter Elmayer-Fans in Wien gäbe." Eine Gefahr, die Wien den Atem etwas weniger anhalten lassen dürfte als der versunkene Baum, wie optische Leibesvisitationen auf öffentlichen Verkehrsmitteln und -flächen jederzeit nahelegen. Der versuchte Baumselbstmord vom Schottenring war indes nichts gegen den Versuch der "Presse", Thomas Schäfer-Elmayer mit messerscharfen Fragen zu Bekenntnissen einer tadellos gebügelten Seele zu treiben. 

Kein geringerer als einer der drei Redaktionsleiter der "Presse am Sonntag" ward ausrückend gemacht - und eine Kollegin musste von dem Ereignis berichten -, um dem Erben der traditionsreichen Tanzschule Fragen wie diese vorzulegen: Darf man Thomas Schäfer-Elmayer fragen, ob er seinen Titel Professor mag? Ob auch er ab und zu gegen Regeln des guten Benehmens verstößt? Ob er zu Hause möbelschonende Untersetzer für Gläser verwendet? Vor allem die letzte Frage erwies den besagten der drei Redaktionsleiter der "Presse am Sonntag" als einen Kollegen von jener unbarmherzigen Neugier, wie man sie im kritischen Journalismus nun einmal angesiedelt weiß.

Andere Fragen, etwa weshalb Thomas Schäfer-Elmayer nie wieder nach Afrika will und immer noch "Fräulein" sagt, ließ er dem Grunde nach unbeantwortet durchgehen, aber ob der Traditions- und Tanzschulerbe zu Hause möbelschonende Untersetzer für Gläser verwendet, erzwang eine Antwort, von der wegen ihrer gesellschaftspolitischen Tragweite auch Standard-Leserinnen und -Leser profitieren sollen. Sie lautet, Ikea-kompatibel: Tut er nicht. Und Fräulein darf man sagen. Beim Servierpersonal durchaus, so Elmayer. Kellnerinnen und auch seine Mitarbeiterinnen in der Tanzschule würden sogar gerne so genannt. Erbschaft der Tradition.

Was ein Baum in Wien zustande bringt, gelingt der Glühlampendiktatur EU mühelos bei der "Kronen Zeitung". Wie in den heißesten Zeiten der gekrümmten Gurke erregt sich das Kleinformat über das skandalöse Glühlampen-Diktat der EU-Bonzen und leidet beispielgebend für seine Leserbriefschreiber unter dem EU-Holzhammer-Diktat, das zum Himmel stinkt. Auch Standard-Lesern mag der Geduldsfaden gerissen sein, als sie sich in der Donnerstag-Ausgabe unter dem Titel Der Glühbirne reißt der Faden nicht nur mit stilistischen Quecksilbrigkeiten, sondern auch mit aufschlussreichen Sachaussagen konfrontiert sahen. So soll eine Untersuchung der TU Berlin zu dem Schluss gekommen sein, dass das Potential zur Klimaerwärmung von Energiesparlampen nur ein Viertel des Potentials einer Glühlampe liege. Und auch bei der Stromerzeugung aus Kohle entstehe Quecksilber, bei weiterer Verwendung von Glühbirnen daher mit höherem Strombedarf mehr als bei Energiesparlampen. Da war es ein Trost: Damit könnte mit ESL Vierfünftel des Quecksilbers bei der Energie zur Beleuch- tung eingespart werden. Leser des Standard sind ja Mitdenken gewohnt.

Wie recht doch der Chefredakteur der "Wiener Zeitung" mit jener Zivilisationskritik vom Freitag hat, die sich verschärft, je näher sein persönliches Ablaufdatum heranrückt. Auf welch neidiges Bassena- Niveau ist die Politik gekommen! Einen Gutteil der Schuld daran tragen auch die Medien und deren Spekulanten mit den Instinkten der Bürger. Das intellektuelle Niveau der Journalisten - er selbstverständlich ausgenommen - wäre auch gar nicht mehr imstande, die wirklichen Probleme zu erfassen. Er erfasst sie weltweit. Amerika diskutiert da lieber die Kleiderrechnungen der Vizepräsidentschafts-Kandidatin. Italien die Amouren des Ministerpräsidenten. Und Österreich angebliche Pflegerinnen einer Kanzler-Familie.

Und Unterberger kennt die Schuldigen. Hier findet die Oberflächlichkeit der Medien in Radaupolitikern wie Peter Pilz und Ewald Stadler ideale Partner. Nur Kriminalisieren und Denunzieren ohne viel Faktenwissen. Bei einer Uni-Prüfung würden sie durchfallen, weiß der strenge Prüfer. Wie hält dieser Präzeptor von Schüssels Gnaden nur Wien in Atem! (Günter Traxler/DER STANDARD; Printausgabe, 1.9.2009)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Elmayer.

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