Putin versucht die Polen zu beruhigen

31. August 2009, 18:35
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Konziliante Worte vor dem Weltkriegsgedenken nach erbitterter Propagandaschlacht

Warschau - Vor der Gedenkfeier zum 70. Jahrestag des Weltkriegsbeginns am Dienstag auf der Halbinsel Westerplatte vor Danzig wächst die Spannung. Die Verantwortung dafür trägt aber diesmal nicht der damalige Aggressor, Deutschland. Das jüngste Schuldbekenntnis von Kanzlerin Angela Merkel wurde an der Weichsel als ein weiterer Beweis ihrer Bereitschaft zur Aussöhnung verstanden. Es sind Stimmen aus Russland, die Polens Führung um den störungsfreien Verlauf der Veranstaltung zittern lassen. "Deutschland will Aussöhnung, Russland provoziert", sprach am vergangenen Wochenende ein Kommentator des öffentlich-rechtlichen Fernsehens den Polen aus der Seele.

Unmittelbar vor seiner Reise nach Polen bemühte sich nun der russische Premier Wladimir Putin um Entspannung. In einem Beitrag für die polnische Zeitung Gazeta Wyborcza schrieb er, der Hitler-Stalin-Pakt könne ohne jeden Zweifel verurteilt werden. Er erinnerte daran, dass die russischen Abgeordneten den Vertrag bereits vor zehn Jahren eindeutig als "unmoralisch" bezeichnet hätten. Der Schatten der Vergangenheit sollte die polnisch-russische Zusammenarbeit nicht länger behindern.

Er habe Putins Äußerungen mit "großer Erleichterung und Hoffnung" aufgenommen, reagierte der polnische Parlamentschef Bronislaw Komorowski. Der ehemalige polnische Außenminister Adam Daniel Rotfeld bezeichnete den Text als "sehr ausgewogen und vernünftig". Für besonders wichtig hielt der Diplomat, der den polnisch-russischen Ausschuss für die schwierigen Fragen leitet, dass Russlands Premier das Katyn-Verbrechen anprangerte. Auf Stalins Befehl hatte der sowjetische Geheimdienst 1940 in Katyn rund 15.000 polnische Offiziere ermordet und die Schuld dafür jahrzehntelang geleugnet.

In den vergangenen Wochen hatten die russischen Medien einen regelrechten Propagandakrieg gegen Polen geführt, um das Land als einen Verbündeten Hitlers zu diffamieren. Der russische Auslandsgeheimdienst kündigte ausgerechnet für den 1. September eine Publikation an, die eine Kooperation Polens mit Hitler gegen die Sowjetunion belegen sollen.

Polnische Medien schlugen zurück: Das Magazin Wprost druckte auf der Titelseite eine Fotomontage mit Merkel statt Ribbentrop und Putin statt Molotow bei der Unterzeichnung des Hitler-Stalin-Paktes. "Entschuldigt euch für den II. Weltkrieg", lautete die Überschrift. (DER STANDARD, Printausgabe, 1. 9. 2009)

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    Wird mit Spannung erwartet: Wladimir Putins Rede zum Jahrestag des Weltkriegsbeginns in Danzig.

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