Die Mütter und die Väter eines Erfolgs

31. August 2009, 18:44
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Victoria Max-Theurer ist natürlich vorbelastet, auch Augustin entsprang keinem Zufall

Achleiten - Galoppieren, pfau! Traben, hui! Schritt gehen, schnarch! Derart wird die Reiterei vom zusehenden Laien und vom aktiven Hobbyisten empfunden. Viele ahnen nicht, wie schwierig es ist, einen zügigen und gleichzeitig doch entspannten Schritt zu gehen - oder das Pferd gehen zu lassen. "Der Schritt" , sagt indes Victoria Max-Theurer, "der Schritt ist eine der ganz großen Stärken vom Augustin." Sie (23) und er (9) haben am Wochenende in Windsor Castle bei London in drei EM-Prüfungen jeweils den fünften Rang belegt und Österreich in der Dressur die größten Erfolge seit fast dreißig Jahren beschert.

Damals war die Frau Mama, Elisabeth Theurer, Europameisterin (1979) und Olympiasiegerin (1980). Sie saß auf Mon Cherie und wurde von Hans Max trainiert. Nun hat die Tochter der beiden, die 1983 geheiratet hatten, beste Perspektiven, schließlich zählt Augustin zu den jüngsten Spitzenpferden weltweit. Die fünften Plätze kamen auch für Victoria "völlig überraschend" , sie wäre mit den Top-15 zufrieden, über die Top-10 glücklich gewesen. Basis war natürlich nicht der Schritt allein, eher die Tatsache, "dass wir keine Schwäche hatten" .

Augustin stammt übrigens nicht von Mon Cherie ab, das wäre ja noch schöner. Aber auch seine Geschichte hat etwas. Sie beginnt bei August dem Starken, einem Oldenburger Hengst wohlgemerkt, und einer Stute namens Wiener Mädl. Diese standen seinerzeit im Max-Theurer'schen Stall, also am Schloss Achleiten in Oberösterreich, und fadisierten sich mehr oder weniger. Elisabeth stellte sich ein Fohlen der beiden vor, Hans war dagegen, doch am Muttertag 1999 gab er nach. Passiert ist's in der Reithalle - im Fachjargon ist übrigens nicht von einem One-Day-Stand, sondern von einem Natursprung die Rede. "Die Pferde haben's toll gefunden" , sagt Victoria, "er wahrscheinlich noch toller als sie." Zumindest zog's den starken August auch hernach stark zu Pferde-damen hin.

Augustin, der dem Pantscherl entsprungen ist, geht am Wochenende noch die Meisterschaften in Wattens, darf sich dann wohl eine Auszeit nehmen. Die WM 2010 (Kentucky) soll ordentlich vorbereitet sein, auch an Olympia 2012 (London) darf Augustin, wenn er denn will, schon einen Gedanken verschwenden. Victoria will ihn behutsam an die nächsten Aufgaben heranführen, Schritt für Schritt. (Fritz Neumann - DER STANDARD PRINTAUSGABE 1.9. 2009)

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    Victoria ist nach der Frau Mama geraten.

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