Monetäre Tempobremse

31. August 2009, 18:03
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Wenn Versicherungen ihre Zahlungen bei Unfällen mit Tempoüberschreitungen drastisch einschränken, steigt der Anreiz des moderaten Fahrens

Geht es um den Föderalismus, herrscht heller Aufruhr in den einzelnen Bundesländern, wenn sie eine Beschneidung ihrer Rechte befürchten - gleichgültig, wie sinnvoll eine Vereinheitlichung wäre oder nicht. In der Frage der Verkehrsstrafen hat sich nun erfreulicherweise die Vernunft durchgesetzt. Ob man im Bezirk Güssing oder in Linz-Land zu schnell über die Bundesstraße brettert - überall droht die gleiche Strafe. Das hat zwar zur Folge, dass in manchen Fällen die Mindeststrafen nun sogar etwas niedriger sein können als die alten, aber generell ist die Sache ein echter Fortschritt.

"Nichtangepasste Geschwindigkeit" wie es im Statistikerdeutsch heißt, ist die mit Abstand häufigste Unfallursache. Nun kann man natürlich trefflich darüber streiten, ob 150 km/h auf einer fast leeren Autobahn angepasst sind oder nicht. Bewusstseinsbildung für das Risiko des längeren Anhalteweges ist mit klaren Strafandrohungen und entsprechender Öffentlichkeitsarbeit sicher nie verkehrt. Ob es den gewünschten Effekt, die Hebung der Verkehrssicherheit, hat, bleibt aber abzuwarten. Denn ein Blick in die Statistik zeigt auch, dass zwar die Zahl der Toten seit Jahrzehnten sinkt - die Zahl der Unfälle und Verletzten aber kaum schwankt.

Es bleibt nämlich ein anderes Problem: Menschen machen ihre Risikobereitschaft auch davon abhängig, wie groß die Gefahr ist, erwischt zu werden. Der 19-Jährige, der auf seiner Heimstrecke bolzt, weil es die Straße ja eh verträgt, wird sich wohl nur einbremsen, wenn ihn die Radarpistole zweimal überführt. Nur: Wie oft gerät man in seinem Autofahrerleben überhaupt in Verkehrskontrollen?

Da die Polizei nicht überall sein kann, sollte man vielleicht über andere Wege nachdenken. Beinharte Überwachung mit Section-Control und fixen Radarboxen ist natürlich eine Möglichkeit - aber teuer und Big-Brother-mäßig. Aber man könnte die Lenker noch viel stärker über die monetäre Schiene treffen - wenn Versicherungen ihre Zahlungen bei Unfällen mit Tempoüberschreitungen drastisch einschränken, steigt der Anreiz des moderaten Fahrens. (Michael Möseneder/DER STANDARD-Printausgabe, 1.9.2009)

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