Belastungen und das War­ten auf die Sperrstunde

31. August 2009, 18:10
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Der Einzug von vier österreichischen Teams in die Gruppen-Phase ist super, hat aber auch Schattenseiten. Sagen Peter Pacult und Karl Daxbacher

Wien - Es ist schön, dass Fußballer noch Zeichen setzen. Stefan Maierhofer, Rapids und Österreichs längster Stürmer (2,02 m), hatte sich in den dritten Stock geschraubt und das höchstverdiente 1:1 im Derby gegen die Austria geköpfelt. Manche ballen nach dem Torerfolg die Faust, andere schlagen Salti, es gibt auch Einfältige, die einfach nur auf Zäune klettern.

Der Lange mit dem leichten Hang zur Selbstdarstellung flatterte mit seinen gekreuzten Armen. Wie ein Vogerl. Er wollte eine Taube symbolisieren, tat er später kund. Nicht ein graue, grausliche, eine, die Gott geschaffen hat, damit sie auf frisch gewaschene Autos oder auf denkmalgeschützte Kirchtürme gackt. Nein, Maierhofer meinte eine weiße, liebliche. "Ich bin für den Weltfrieden." Soll nicht heißen, dass Austrias Torschütze Tomas Jun dagegen ist.

Eine Art Friede

Maierhofer hatte einmal ein Unterleiberl an, auf dem den Müttern zum Muttertag gratuliert wurde. Er ist eben auch für Mamas. Trainer Peter Pacult hat mit dem Langen eine Art Frieden geschlossen. "Reißt er sich zusammen, ist er eine Stütze."

Da Pacult am Sonntag im Horr-Stadion der Gast war, ließ ihm Karl Daxbacher den Vortritt. Man sprach über die Belastungen des gemeinen österreichischen Fußballers. Pacult philosophierte, Daxbacher schloss sich den Gedanken seines Kollegen an. Das Land hat bekanntlich vier Teams in die Gruppenphase der Europa League gebracht. Neben den beiden aus Wien auch jene von Sturm Graz und Meister Red Bull Salzburg.

Das führt in den nächsten Monaten zu Mehrfachbelastungen, zumal ja auch die Nationalmannschaft auf Kicker aus diesem Quartett angewiesen ist. Pacult: "Eines vorweg. Das große Ziel ist immer, international weit zu kommen. Schafft man es, darf man dann nicht jammern. Wenn ich mir einrede, das ist zu anstrengend, bin ich tatsächlich müde. Das muss man sich abschminken. Es geht um die richtige Dosis, die Trainingsarbeit darf nicht eingestellt werden." Daxbacher nickte.

Kräfteverschleiß kommt

Pacult wies auf die Chancengleichheit hin. "Sturm ist genauso betroffen." Salzburg schloss er allerdings aus. "Stevens kann würfeln, wen er aufstellt, und wen er auf die Tribüne setzt." Sturm Graz hat am Sonntagabend Rieds Heimserie (20 Partien ungeschlagen) mittels 2:1 beendet. Trainer Franco Foda sagte: "Die internationale Bewährungsprobe hatte puncto Kräfteverschleiß keine Auswirkung." Er fügte aber hinzu: "Noch."

Kaum ein anderes Land hat eine derart kurze Sommerpause wie das von Pacult oder Daxbacher (Foda ist Deutscher). Zwei Wochen Urlaub, knapp vier Wochen Vorbereitung. In Italien beschwerten sich einige Trainer, dass im Sommer nur zwei Monate lang pausiert wird. Pacult: "Das kostet mich ein Lacher." Daxbacher lachte mit. Andererseits: Die Erfolge in Europa sind auch auf den frühen Meisterschaftsbeginn zurückzuführen. Wer in den Iden des Juli loslegt, ist Ende August fast am Zenit. Daxbacher: "Wir spielen am Limit."

Zur Erinnerung: Die Gruppenphase startet am 17. September. Die Austria wollte vor der Sperrstunde noch einen Stürmer verpflichten. Rubin Okotie hat chronische Kniebeschwerden, Matthias Hattenberger (zwar kein Stürmer) brach sich im Derby das Jochbein, fällt sechs Wochen aus. Rapid hat beschlossen, die Europa League im Happel-Stadion auszutragen. Der HSV, Celtic und Hapoel sollten die Hütte dreimal füllen. Wahrscheinlich füllt sie Rapid auch alleine.  (Christian Hackl - DER STANDARD PRINTAUSGABE 1.9. 2009)

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