Die Revolution von 1989 im Live-Blog

31. August 2009, 17:18
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Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern, das war eine Binsenweisheit. Aber Internet verwandelt die STANDARD-Ausgaben des Jahres 1989 in ein tägliches Live-Blog der Revolution, die Europa veränderte

Wien - Heute werden Revolutionen oder solche, die es sein wollen, getwittert - wie zuletzt die (niedergeschlagene) "Green Revolution" im Iran. 1989 war zwar die Geburtsstunde des World Wide Web, von Tim Berners-Lee am Cern in Genf entwickelt. Aber "Tweets" wurden 1989 gedruckt, nicht elektronisch verteilt. Blättert man die Titelseiten durch, liest sich das Geschehen im Zeitraffer wie ein Twitter-Strom: "DDR-Flüchtlinge dürfen mit Rotkreuz-Papieren aus Ungarn ausreisen", "DDR-Fluchtwillige mit Bussen in Sammellager", "Rätselraten über Zeitpunkt des Massenexodus von DDR-Bürgern", "20.000 DDR-Bürger warten: Züge sollen heute rollen".

Ab 1. September "live-bloggen" wir die Revolution von 1989 in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Nationalbibliothek. Durch das online veröffentlichte tägliche Faksimile der Seite 1 und weiterer Zeitungsseiten zu den wichtigsten Entwicklungen des Tages. Die Texte erscheinen so, wie sie der Zufall des jeweiligen Tages auf den Zeitungsseiten zusammenwürfelte. Besser als damals wird sichtbar, dass in Europa bald ein Sturm losgehen würde, der 44 Jahre eiserne Nachkriegsordnung hinwegfegen sollte. Aber trotz täglicher wachsender Dramatik wurden die Konturen des Umbruchs nur langsam begriffen. In diesem Zeitgeschichteprojekt sorgt die Nationalbibliothek, die im Rahmen ihres riesigen Projekts zur Zeitungsdigitalisierung österreichische Zeitungen bis ins Jahr 1939 quasi im Online-Lesesaal zur Verfügung stellt, auch für die Digitalisierung der Ausgaben des STANDARD von 1989. Während die Zeitungsredaktion die Auswahl der jeweiligen Seiten besorgte und diese per Twitter und Facebook-Fanseite täglich aktuell bloggt, übernimmt derStandard.at die Online-Präsentation der Faksimiles.

Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern: Diese Binsenweisheit muss einer neuen Einsicht weichen. Mehr als je zuvor bringen Online-Medien das Aktuelle an der Vergangenheit in die Echtzeit. (Helmut Spudich/DER STANDARD, Printausgabe, 1.9.2009)

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