Eine schöne Idee als Schlusspunkt

31. August 2009, 16:57
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Mit Christiane Oelze, John Mark Ainsley und Thomas Quasthoff

Salzburg - Am Ende eines wechselvollen Sommers daran zu denken, dass in des Lebens wildem Kreis Willkommen und Abschied aufeinander folgen, schien in Salzburg heuer in einer Weise geboten, wie es zur Zeit der Planung der Saison noch niemand wissen konnte. Eine schöne Idee war es aber allemal, als Schlusspunkt des fein gesponnenen Konzertprogramms, in dem der eine oder andere Faden auch zu Haydn lief, dessen letztes Oratorium zu bringen.

Auch wenn Die Jahreszeiten katholische Tugenden und so insgeheim die Weltsicht des Ancien Régime zementieren, durchdringt dies die Musik mit modernsten Mitteln; und hinter den überdeutlichen Illustrationen des Lebens auf dem Lande quer durchs Jahr steht ein raffiniertes Geflecht aus Vergangenem und Zukunftsmusik.

Wenn der Musikwissenschafter Ludwig Finscher einmal meinte, Haydns Komponieren sei mehr ein "Denken" als ein "Dichten in Tönen" , so wären Die Jahreszeiten dazu geeignet, den Gegenbeweis zu dieser These zu führen - zu-mindest in jener Lesart, die Simon Rattle mit den Berliner Philharmonikern verfolgte. Denn der Dirigent betonte die große Linie und alle Tonmalerei, was dank der unverkennbaren Lust des Orchesters zum Vergnügen wurde. Auch wenn der instrumentale Grundgestus romantisch gefärbt war, so wurde doch der Klangkörper von Rattle adäquat gehandhabt, indem er - auch mit dem präzisen Rundfunkchor Berlin - durchwegs für sinnige, schlanke Phrasen sorgte.

Ein gedeihliches Umfeld also für die als Exponenten der frohgemuten Landbevölkerung eingeführten Solistentrias: Christiane Oelze sang die Hanne mit exorbitanter Leichtigkeit, John Mark Ainsley den Lukas strahlend und flexibel; und Thomas Quasthoff erfüllte den Part des Simon mit erzählerischer, wendiger Kernigkeit, aber auch mit sanftem, ariosem Schmelz. (Daniel Ender, DER STANDARD/Printausgabe, 01.09.2009)

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