Totale Konfusion nach umstrittener Wahl

31. August 2009, 14:41
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Drei Kandidaten beanspruchen Sieg - Ex-Kolonialmacht Frankreich in Verlegenheit

Libreville/Paris - Einen Tag nach den umstrittenen Präsidentenwahlen in Gabun haben gleich drei Kandidaten Anspruch auf den Sieg erhoben. Neben Ali Bongo Ondimba (50), dem Sohn des im Juni nach fast 42-jähriger Herrschaft verstorbenen Staatschefs Omar Bongo, haben sich auch der ehemalige Innenminister André Mba Obame (52) und der Oppositionspolitiker Pierre Mamboundou (62) am Montag zu Siegern erklärt. Insgesamt gab es 23 Kandidaten, von denen sich fünf kurz vor der Wahl zugunsten von Mba Obame zurückgezogen hatten. In dem 1960 von Frankreich in die Unabhängigkeit entlassenen multiethnischen Äquator-Staat an der Atlantikküste Afrikas waren 816.000 Stimmberechtigte registriert, eine Zahl, die selbst dem Leiter der Wahlkommission, René Aboghe Ella, verdächtig hoch erschien.

Das offizielle Wahlergebnis soll am Mittwoch in der Hauptstadt Libreville kundgemacht werden. Es reicht die einfache Mehrheit, die bei so vielen Bewerbern theoretisch unter zehn Prozent liegen könnte; eine Stichwahl zwischen den beiden stimmenstärksten Bewerbern gibt es nicht.

"Paris hat keinen Kandidaten"

Die Ex-Kolonialmacht Frankreich, die mit einer Militärbasis sowie mit mehr als 120 Unternehmen, insbesondere dem Erdölkonzern Total, und über 10.000 französischen Bürgern in Gabun präsent ist, war deutlich bemüht, Äquidistanz zu den Kandidaten zu zeigen. "Paris hat keinen Kandidaten bei dieser Wahl", betonte Kooperations-Staatssekretär Alain Joyandet. Im Jahr 1990 hatte die damalige französische Linksregierung Bongo zur Einführung eines Mehrparteiensystems gezwungen. Albert-Bernard Bongo, der nach einem kurzen politischen "Flirt" mit Libyens Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi zum Islam konvertiert war (sein Sohn Alain nahm bei dieser Gelegenheit den Namen Ali an), regierte seit 1967 als Nachfolger des ersten gabunesischen Präsidenten Léon M'Ba.

Er war das am längsten amtierende Staatsoberhaupt der Welt - abgesehen von den Monarchen Thailands und Großbritanniens. Da er auf brutale Gewalt verzichtete, unterschied er sich von vielen anderen Diktatoren im postkolonialen Afrika. Allerdings bereicherte er sich an den Einnahmen aus den Erdölreserven Gabuns so sehr, dass er zu den reichsten Männern der Welt gezählt wurde. Das genaue Ausmaß des Vermögens seiner Familie blieb unbekannt.

RSF kritisiert Umgang mit Journalisten

Die internationale Organisation für die Verteidigung der Pressefreiheit "Reporter ohne Grenzen" (RSF) hat gegen die Behinderung von Journalisten in dem westäquatorialafrikanischen Land protestiert. Gleichzeitig äußerte die Organisation in einem von ihrer Pariser Zentrale herausgegebenen Kommuniqué erhebliche Zweifel an einem regulären Wahlverlauf. Einer Reihe von ausländischen Journalisten ist die Akkreditierung verweigert worden, insbesondere den Korrespondenten des Fernsehsenders France 24 und des Pariser Nachrichtenmagazins "L'Express", das unter anderem über annähernd 40 Luxusimmobilien recherchiert hatte, die der Familie Bongo in Frankreich gehören. Gegen den verstorbenen Machthaber war 2007 in Frankreich ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden. Er und Mitglieder seine Familie sollen enorme Bestechungsgelder für Lizenzen zur Ölförderung eingestreift haben. (APA/AFP/AP) 

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