Jugendliche, vor allem jene mit Migrationshintergrund, sollen einen geregelten Schulalltag kennenlernen - und Deutsch lernen
Vor wenigen Wochen eröffnete im Berliner Bezirk Neukölln, der wegen seiner sozialen Spannungen, Armut der Bevölkerung und hohen Migrantenanteils auch "Problemkiez" genannt wird, Deutschlands erstes Internat für Schulschwänzer. 48 Jugendliche im Alter von zwölf bis 15 Jahren sollen hier betreut werden. Sieben Schülerinnen und Schüler wurden bisher afgenommen. Das Haus ist eine Initiative des Evangelischen Jugend- und Fürsorgewerks EJF-Lazarus.
Laut Siegfried Dreusicke von EJF Lazarus, soll das Internat ein "Salem für Arme werden". Bildung werde den Jugendlichen nicht aufgezwungen, sie sollen sich dafür begeistern können, sagte Dreusicke zu Spiegel Online.
Die Gründe, warum die Schüler schwänzen und die Lehrer vor halb leeren Klassen stehen lassen, sind vielfältig: Gruppendruck, Probleme zu Hause, überforderte Lehrer und Eltern, aber auch mangelnde Deutschkenntnisse, die den Unterricht uninteressant machen. Im Schulschwänzer-Internat soll das Leben für die Schüler geregelter ablaufen. Wochenends dürfen sie nach Hause.
Der Tag ist straff organisiert: Am Vormittag geht es in die Schule - eine sonderpädagogische Hauptschule in der Umgebung - den Nachmittag verbringen die Problemjugendlichen im Internat, dem umgebauten, ehemaligen Kinderheim "Haus Buckow" und machen Sport oder unternehmen etwas, machen Hausübungen und besuchen Deutschkurse. "Die Jungs und Mädchen sollen merken, wie erfüllt ein Tag sein kann, wenn man nicht nur in Einkaufszentren herumhängt", sagt Dreusicke. Angesprochen werden sollen vor allem arabisch-stämmige Buben und Mädchen und eben Jugendliche, um die und deren Schulerfolg sich niemand kümmert und sie deswegen das Schuleschwänzen vorziehen, weil sie in der Schule nicht mitkommen.
Ein Platz in der Einrichtung kostet 2400 Euro im Monat, drei Sozialarbeiter kümmern sich um die Kinder. Wer die Regeln bricht - versucht auszureißen beispielsweise - erhält die Chance, zurückzukommen, "aber nicht unendlich viele", wie der Leiter des Internats sagt. (mil, derStandard.at, 21. September 2009)