Wohnpark Nordwestbahnhof

31. August 2009, 17:55
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In Brigittenau soll zwischen Nordbahnhof und Augarten aus einem weiteren Wiener Bahnhofsgelände eine hippe Wohngegend werden

Wien - Wien - Offenbar aus Angst, die großen Pläne des Rathauses mit dem ÖBB-Nordwestbahnhofgelände in der Wiener Brigittenau könnten in den nächsten zehn Jahren in Vergessenheit geraten, hat Planungsstadtrat Rudolf Schicker selbige am Montag in Erinnerung gerufen und gemeinsam mit Architekt Bertram Ernst von ENF Architekten Zürich und Bezirksvorsteher Hannes Derfler für das auf dem 44.000 Quadratmeter großen ÖBB-Frachtenbahnhof-Gelände geplante Projekt geworben.

Nach der Absiedlung des 130 Jahre alten Güterbahnhofs, die nicht vor 2020 zu erwarten ist, soll das von Gleisen und Lagerhallen durchzogene Gelände bis 2025 in ein Wohngebiet umgebaut werden, das - von Schulen, Kultur-, Geschäfts- und Büroimmobilien eingezäunt - Wohnungen für rund 12.000 Menschen und gut 5000 Arbeitsplätze beherbergen wird. Klassische Gemeindemietwohnungen werden nicht errichtet, nur geförderte und freifinanzierte.

Blockartige Flächen

Um Detailplanung, Entwicklung, Vergabe und Verkauf zu erleichtern, wurde das Grundstück in blockartige Flächen zerlegt, die jeweils von mehreren Bauträgern beackert werden, womit klar ist, dass das von Schicker als zukunftsweisend gepriesene "Leitbild" nicht in Stein gemeißelt ist. Wie bei allen Stadtentwicklungsprojekten dürfte es noch zahlreiche Änderungen geben. Dem Vernehmen nach ist nicht einmal der Flächenwidmungsplan abgesegnet.

Fix ist nach Angaben Schickers allerdings, dass das mittlere Viertel des Areals von einem schlauchartig angelegten Park durchzogen wird. Außer einer Straßenbahnlinie soll keine Straße queren, nur Zufahrten seien geplant.

Entminungskosten

Völlig offen ist, wer bei dem Projekt mit einer geschätzten Investitionssumme von drei Milliarden Euro für Dekontaminierung und vor allem für die allfällige Entminung des Geländes aufkommen muss. ÖBB-Immobilien-Geschäftsführer Claus Stadler hofft, dass das Gelände gar nicht kontaminiert ist. Damit ist er eher allein, denn Experten erwarten nach der Absiedlung nach Wien-Inzersdorf "gewaltige Aufwendungen" aus diesem Titel. Da im Zweiten Weltkrieg alle Güterbahnhöfe massiv bombardiert wurden, sei es kaum vorstellbar, dass just der Nordwestbahnhof "ein bombensicheres Geschäft" sein sollte.

Zum Vergleich: Beim Hauptbahnhof Wien sind für Kampfmittel- und Erdreichentsorgung 44 Millionen Euro veranschlagt. Österreichweit vermutet der Entminungsdienst im Bundeskriminalamt 15.000 bis 18.000 Blindgänger im Boden.

Für undenkbar halten ÖBB-Manager, dass die ÖBB den Erlös aus dem Flächenverkauf nur in Wien investierten. Dieses Geld brauche man für die Bilanz. (ung/DER STANDARD-Printausgabe, 1.9.2009)

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    Visualisierung der geplanten Neubauten zwischen dem Augarten und dem Nordwestbahnhof.

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    grafik: öbb
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