Nach Verena Beckers Festnahme bleiben viele Fragen offen

31. August 2009, 13:38
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Deutsche Medien berichten, dass der Ex-Terroristin bei einer Hausdurchsuchung gefundene Notizen zum Verhängnis wurden

Seit Freitag sitzt die ehemalige RAF-Terroristin Verena Becker wieder in Untersuchungshaft. Unmittelbar nach ihrer Festnahme wurde als Begründung DNA-Spuren genannt, die auf Bekennerbriefen entdeckt worden seien. Allerdings fanden die Kriminalisten diese Hinweise laut "Süddeutscher Zeitung" bereits im Frühjahr. Warum der Haftbefehl genau jetzt, vier Wochen vor der Bundestagswahl, ausgestellt wurde, bleibt also weiter unklar.

Mittlerweile kursieren zahlreiche Gerüchte. So will die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" von einer neuen Zeugin wissen, die nun, 32 Jahre nach dem Mord an Generalbundesanwalt Siegfried Buback, ihr Schweigen brach. Die damals 32-jährige Sachbearbeiterin habe von ihrem Büro aus freie Sicht auf den Tatort gehabt und sei „felsenfest überzeugt", dass eine Frau die tödlichen Schüsse abgegeben habe.

Mehrere Medien berichten, dass die Ermittler im Rahmen einer nach dem DNA-Fund eingeleiteten Telefonüberwachung erfahren hätten, dass Becker, die mittlerweile als Heilpraktikerin tätig ist, Notizen über ihre Zeit in der RAF anfertigen wollte. Die 57-Jährige beschäftigte sich unter anderem mit der Methode des "intuitiven Schreibens", bei der man Gedanken sofort niederschreibt. Die Methode wird laut "Süddeutscher Zeitung" in Esoterikerkreisen empfohlen, um "der inneren Stimme Gehör zu verschaffen".

Beten für Buback

Der "Spiegel" meldet, Becker habe sich in den bei einer Hausdurchsuchung vor zwei Wochen sichergestellten Notizen mit der Frage beschäftigt, ob sie "für Buback beten" und wie sie sich mit dem Thema Schuld auseinandersetzen solle. Das Papier sei auf den 7. April 2009 datiert, den 32.Todestag Bubacks. Als sich die Ex-Terroristin in einem überwachten Telefongespräch nach Verschlüsselungstechniken erkundigt habe, hätten die Ermittler zugeschlagen.

Kooperation mit dem Verfassungsschutz

Die "Bild"-Zeitung spekuliert unter Berufung auf angebliche Stasi-Protokolle, dass die RAF-Terroristin seit 1972 "von westdeutschen Abwehrorganen wegen der Zugehörigkeit zu terroristischen Gruppierungen bearbeitet bzw. unter Kontrolle gehalten" worden sei. Fest steht, dass Becker sich 1982 im Gefängnis dem Verfassungsschutz anvertraut hat und im Gegenzug 1989 vorzeitig entlassen wurde. Warum sich der deutsche Innenminister Schäuble nun weigert, den Ermittlern die Protokolle dieser Einvernahme zur Verfügung zu stellen und welchen Deal die Staatschützer der Ex-Terroristin anboten, bleibt ein Rätsel. (bed/derStandard.at/31.8.2009)

 

  • Verena Becker nach ihrer Einvernahme im Bundesgerichtshof in Karlsruhe.
    foto: epa/witteck

    Verena Becker nach ihrer Einvernahme im Bundesgerichtshof in Karlsruhe.

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