Rasen ist für Österreicher "Kavaliersdelikt"

31. August 2009, 12:58
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Geschwindigkeitsgebote werden vor allem im Ortsgebiet ignoriert

Wien - Die Österreicher halten Schnellfahren zwar für gefährlich, Übertretungen von Tempolimits werden von der Mehrheit der Verkehrsteilnehmer jedoch akzeptiert. Wie eine Untersuchung des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV) ergeben hat, werden die Geschwindigkeitsgebote vor allem im Ortsgebiet ignoriert.

Die meisten Lenker glauben offenbar, selbst zwischen "sinnvollen" und "sinnlosen" Beschränkungen unterscheiden zu können und ignorieren gerne jene, die sie für falsch halten. Eine gefährliche Fehleinschätzung: Wie Erhebungen des KfV ergeben haben, wird vor allem dort zu schnell gefahren, wo die Einhaltung der Höchstgeschwindigkeit besonders notwendig ist: Nämlich im Ortsgebiet.

In Zahlen gesprochen: Bei einer Untersuchung im Jahr 2008 ignorierten ganze 80 Prozent der Pkw-Lenker Tempo 30, was sich in einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 35 km/h manifestierte. Auch bei den 50 km/h-Beschränkungen fuhr jeder zweite Pkw-Lenker schneller als erlaubt, wobei die Durchschnittsgeschwindigkeit hier nur bei 51 km/h lag.

Dafür wird dort langsamer gefahren, wo die Lenker sich selbst stärker gefährdet fühlen: Auf Freilandstraßen mit Tempolimit 100 fuhren nur 20 Prozent der Pkw-Lenker schneller als erlaubt, die durchschnittliche Geschwindigkeit lag mit 89 km/h sogar deutlich darunter. Auf Autobahnen fahren sogar nur 19 Prozent schneller als erlaubt.

Unterm Strich können sich Schnellfahrer einer gewissen sozialen Akzeptanz sicher sein: Nur 16 Prozent der Befragten ärgern sich sehr über Geschwindigkeitsüberschreitungen, während mehr als die Hälfte sich wenig oder gar nicht aufregen, wenn andere zu schnell unterwegs sind.

Mit dem Inkrafttreten des Verkehrsicherheitspakets am Dienstag werden die Zeiten für Temposünder allerdings härter: Wer abseits der Autobahn mit 30 km/h zu viel erwischt wird, muss mit mindestens 70 Euro rechnen. Maximal schlägt das Vergehen mit 726 Euro zu Buche. Wer noch schneller unterwegs ist, muss zumindest 150 Euro berappen und seinen Schein für zwei Wochen abgeben.

Auf Autobahnen werden die Verkehrsstrafen bundesweit vereinheitlicht: Organmandate kosten je nach Schwere der Überschreitung mindestens 20 bis 50 Euro, Anonymverfügungen kosten zumindest 30 Euro. (APA)

 

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