Viel Verantwortung unter dem Mikroskop

Maria Kapeller, 1. September 2009, 13:56
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    Viel Praxis zu sammeln, steht beim Studium Biomedizinische Analytik im Vordergrund: Zuerst in Übungslabors, später im Rahmen von Berufspraktika.

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    Ulli Seidl gehört zu den ersten Absolventen, des 2006 in Salzburg eingeführten Studiengangs. Sie startet im September ihren Job im Unfallkrankenhaus.

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    Die beiden Absolventinnen Anna Schönlieb (l.) und Ulli Seidl (r.) mit Studiengangsleiterin Christine Schnabl.

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    So sieht die Arbeit am Mikroskop aus: Absolventin Anna Schönlieb zeigt vor, was sie im Studium gelernt hat. Im September beginnt sie in einem privaten Labor zu arbeiten.

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    Genaues Arbeiten, Konzentration und Verantwortungsbewusstsein sind bei der Labortätigkeit gefragt.

Wer Biomedizinische Analytik studiert, kann sich später auf gute Jobchancen im Laborbereich freuen - Stressresistenz und Genauigkeit sind Voraussetzung

Was passiert mit unserem Blut, nachdem es im Krankenhaus oder beim Arzt abgenommen wurde? Es wird im Labor untersucht, das Ergebnis kann lebenswichtige Informationen liefern. "Die Verantwortung ist groß, Fehler können bei Patienten lebensbedrohliche Folgen haben", erklärt Christine Schnabl, Lehrgangsleiterin des Studiengangs Biomedizinische Analytik an der Fachhochschule Salzburg.

"Stellen Sie sich vor, es wird in einer Blutprobe Leukämie nicht erkannt: Die Krankheit kann nicht schnell genug behandelt werden, das Leben eines Menschen ist in Gefahr." Das Stichwort heißt Verantwortung. Wer sich für das dreijährige Bachelorstudium an der FH entscheidet, sollte sich dessen bewusst sein, so Schnabl. "Es sollte Verantwortungsvermögen da sein, das hat für mich auch einen sozialen Aspekt und etwas mit Vertrauen zu tun", sagt die Studiengangsleiterin.

Die Arbeit im Labor

Im Mittelpunkt des Studiums stehen Laboruntersuchungen. "Sie sind Basis jeder Krankengeschichte, sollen aber auch ein Instrument für das Gesundbleiben sein", erklärt Schnabl. Gearbeitet wird dabei am Mikroskop oder mit vollautomatisierten Maschinen. Etwas konkreter: Im Bereich der Zytologie (Zellenlehre) werden beispielsweise gynäkologische Abstriche untersucht, bei Gewebsuntersuchungen wird etwa ein herausgeschnittenes Muttermal auf Anzeichen von Hautkrebs überprüft.

Praxis und Theorie verbinden

Als besonders wichtig empfindet es Schnabl, die den Lehrplan selbst erstellt hat, die Theorie ständig mit der Praxis zu verbinden. Insgesamt besteht ein Viertel des Studiums aus praktischen Übungen, zu Beginn des Studiums in Übungslabors und später in Form von Praktika in externen Einrichtungen. Dabei arbeiten die Studenten insgesamt rund ein halbes Jahr lang in verschiedenen Labors mit.

Mehr Studenten gewünscht

Die Berufschancen beurteilt die Studiengangsleiterin als gut: Ein Drittel der Absolventen habe bereits vor Beendigung des Studiums einen Job, alle anderen, die gleich zu arbeiten beginnen wollen, würden innerhalb von ein bis zwei Monaten eine Stelle finden. Derzeit gibt es in Salzburg pro Jahr nur 15 Plätze für rund 80 Bewerber.

Beim zweistufigen Aufnahmeverfahren gilt es einen Test sowie ein Gespräch zu absolvieren. "In diesem Jahr mussten die Bewerber zum ersten Mal auch eine praktische Übung machen", sagt Schnabl. Sie wünscht sich mehr Studenten, „ein Drittel mehr wäre super, denn der Gesundheitsarbeitsmarkt wird größer, es braucht mehr gut ausgebildete Leute."

Einstiegsgehalt: 1.300 bis 1.500 Euro

Ulli Seidl und Anna Schönlieb haben es bereits geschafft: Sie gehören zu den ersten Absolventen des im Jahr 2006 eingeführten Studiums. Im Juli lernten sie noch für ihre Abschlussprüfung, schon im September fangen sie zu arbeiten an. "Ich habe mich blind beworben und insgesamt drei Bewerbungen geschrieben", erzählt Seidl, die bald ihren Job im Unfallkrankenhaus Salzburg startet. „Die Zusage habe ich genau am Prüfungstag erhalten", lacht sie.

Anna Schönlieb hatte ihre Zusage schon vor der Abschlussprüfung in der Tasche, nach insgesamt fünf Blindbewerbungen und einem Probearbeitstag. Die bald 21-Jährige fängt im medizinisch-chemischen Labor Mustafa in Salzburg zu arbeiten an. Das Einstiegsgehalt beziffert Studiengangsleiterin Schnabl mit rund 1.300 bis 1.500 Euro netto, je nachdem, ob man in einem vom Land finanzierten Klinikum oder in einem Privatlabor arbeite.

Chemie, Physik und Technik

Was sollte man mitbringen, um Biomedizinische Analytik zu studieren? "Man braucht Interesse im medizinischen Feld, andererseits werden beispielsweise auch Chemie und Physik unterrichtet", erklärt Studiengangsleiterin Schnabl. Auch der Umgang mit technischen Geräten sei Teil der Ausbildung.

"Analytisches Denken und Teamfähigkeit" sind für Absolventin Ulli Seidl wichtig. "Man muss stressresistent sein", sagt Absolventin Anna Schönlieb, "man darf sich nicht aus der Ruhe bringen lassen." Das Studium sei auf jeden Fall sehr lernintensiv und man sollte nicht erwarten, im Berufsleben viel Kontakt mit Menschen, zum Beispiel Patienten, zu haben. Studiengangsleiterin Schnabl fügt hinzu: "Man muss leistungsstark sein - es gibt viele praktische Prüfungen."

Kein Masterstudium

Bisher gibt es im Bereich Biomedizinische Analytik noch kein Masterstudium, was Schnabl als "großes Manko" bezeichnet. Sie hat vor zwei Jahren gemeinsamt mit den Fachhochschulen Wien und Graz ein Konzept eingereicht, das jedoch vom Bildungsministerium nicht gewährt wurde. Bestünde denn Interesse daran? "Wir würden es auf jeden Fall machen", sind sich die beiden Absolventinnen einig. (Maria Kapeller, derStandard.at, 1. 9. 2009)

 

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Martina Fondi
00
16.9.2009, 09:26
Masterstudium Biomedizinische Analytik

In Wien (FH Campus Wien) wird seit 1 Jahr ein Masterstudium f. Biomedizinische Analytik (MSc) angeboten (leider nicht bundesfinanziert).

BioAnalytik
00
11.9.2009, 13:45
Zur gefälligen Information . . .

So weit ich informiert bin, hat man die Ausbildung zum/zur Bomedizinischen Analytiker/Analytikerin (die Bezeichnung MTA gibt es seit 1993 nicht mehr) aus dem Bildungsnirvana (=postsekundar) in den tertiären Sektor gehoben, um eine Durchlässigkeit zu ermöglichen, und die Studierenden nicht in die Bildungssackgasse zu schicken. Das Studium wird mit einem Bakkalaureat abgeschlossen und ist (obwohl FH-Studium - aber das ist eine andere Diskussion) mit dem Bakkalaureat der Universitäten gleichzusetzen. Kein/keine Biomedizinische/r Analytiker/Analytikerin beansprucht mit einer anderen Berufsgruppe verglichen oder gleichgesetzt zu werden. Ich empfehle vor einer unsachlichen und haltlosen Kritik sich über das Berufsbild zu informieren.

BioAnalytik
00
11.9.2009, 13:50
Erratum: seit 2005 gibt es die Bezeichnung MTA nicht mehr

Epistula non erubescit
33

da viele Postings hier den MTA-Beruf als minderwertige Lehre abtun, möchte ich Mal sagen,

der Titel alleine (trotz ewig langem Studium) machts nicht aus.
Ich habe schon mit Ärzten gesprochen, welche meinten, eine Hepatitsi A wird zur Hep B zur Hep C... ! Oder ein pos Troponinwert ist nichts tragisches bei einem Herr von 52 Jahren mit Schmerzen in der Brust und diesen Heim schickt, oder welche fast täglich die Patientenproben verwechselt (besonders schlimm bei Bluttrans.)....

Studieren alleine macht es eben nicht aus!
Nur, das ist in unserem lieben Ö ja egal. Hauptsache Titel, Titel und nochmals Titel. Wissen unwichtig,Können unwichtig, Titel wichtig!

Petzi Petz
00

Ok, ich geh davon aus, Sie sind MTA und nehmen ein paar patscherte Mediziner als Beweis her, dass ein Medizinstudium umsonst ist? Und natürlich können Sie eine Diagnose wesentlich besser stellen oder? Solche MTAs kenn ich, glauben der bessere Mediziner zu sein nur weils a paar Routinesymptome + dazugehörige Tests kennen, da frag ich mich doch, wieso net nebenbei Medizin studieren? Sie wissen ja eh schon alles oder? (nur ums klar zu stellen, bin kein Mediziner)

BioAnalytik
00
12.9.2009, 09:14
Petzi Petz ist kein Medizinier . . .

aber weiss über Biomedizinische Analytik (Curriculum, Berufsbild, . . ) bestens Bescheid, dass er/sie zu einem haltlosen unqualifizierem Rundumschlag ausholen kann . . .

Petzi Petz
00
12.9.2009, 09:36

Man kann auch eine naturwissenschaftliche Ausbildung abgeschlossen haben und in diesem Bereich arbeiten, dazu muß man kein Mediziner sein.

BioAnalytik
00
12.9.2009, 15:21
. . . dann heisst das, Sie . . .

wissen soweit über Curriculum und Berufsbild der Biomedizinischen Analytik, dass Sie sich selbst zum Fachmann/-frau über das Studium und die Fähigkeiten derselben erklären können. Faszinierend.

Mad_Max86
 
01
Es hat nichts

mit dem Titel zu tun, sondern mit der Ausbildung die dahinter steckt.

Das Studenten und "Gstudierte" zum Teil Dillos sind, hat damit aber nichts zu tun, weil ein Dodl mit guter Ausbildung, und Fachwissen das über die Bedienung bestimmter Geräte hinausgeht, immer noch besser dran ist.

Flann O'Brien
03
Wow, so sieht also die Arbeit am Mikroskop aus!

Wer hätte das gedacht?

Kenny van Hummel
31
ja passt, bekommen HTL Absolventen jetzt auch endlich

einen akademischen Titel? Wäre wohl auch längst fällig.
Oder sind 4 Jahre FH und 5 Jahre HTL so unterschiedlich?

NORACSA
00

nach 3 jahren hackeln ist man eh ingenieur wenn mans beantragt...

itshorty
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jo weil ers net kennt :)

Das Pumuckl
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Ich möchte mein Blut jedenfalls nicht von HTL-Absolventen untersuchen lassen :-(

E_Rybin
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kann ja wohl nicht ernstgemeint sein... eine Matura mit einem Studium zu vergleichen

Mad_Max86
 
13
Hört sich weniger

nach einem Studium und mehr nach einer Lehre an. Da werden die "Studenten" auf bestimmte Verfahren hingetrimmt, die Sie dann tagtäglich widerholen dürfen.

Hinzu kommt, das ein Einstiegsgehalt von 1300 bis 1500 € netto eigentlich dem Einstiegsgehalt eines Maturanten entspricht.

umtriebige laus
02
wo gibts den das gehalt für einen maturanten????

Mad_Max86
 
00
Naja

vielleicht nicht für einen Gymnasiums-Maturanten, aber für HTL- und HAK-Maturanten in so ziemlich jedem Sektor.

Ein Gym-Maturant wird aber nach der Matura auch nicht arbeiten sondern eher studieren gehen, hat ja auch keine Ausbildung.

umtriebige laus
00

Als HAK Maturant in einer Bank kriegst zwischen 1000€ und 1200€ und da is dann doch noch a bisl was um.....

als HTL Absolvent z.b. als Konstrukteur kriegst auch erstmal nicht mehr, nur hast da meist schneller die möglichkeit auf a gehaltserhöhung...

Das Pumuckl
00

Als HAK -Maturant hatte ich vor einem Jahrzehnt (als die Matura noch etwas mehr wert war als heute) eine Netto-Einstiegsgehalt von umgerechnet 730 Euro. Einige meiner Schulkollegen bekamen sogar noch etwas weniger...

Mad_Max86
 
00
Hab grad nochmal in die KV's geguckt

Als HAK-Absolvent in einer Bank kommt man mindestens in Gruppe C, das sind 1744,42 € brutto. Sind dann um die 1200 € netto

Als ITler mit HTL-Matura kommt man in die ST1 im IT-KV und bekommt dort 1.897 € brutto, das sind netto ziemlich genau 1300 €.

Allerdings sind das die Mindestgehälter! Ich bin vor 3 Jahren als ITler mit HTL-Matura mit ca. 1400€ netto eingestiegen.

Petzi Petz
07
Eigentlich ein Schlag ins Gesicht jedes Dissertanten.

Ein MTA ist plötzlich Akademiker und bekommt auch noch zumindest gleich viel oder sogar bis 200 Euro Einstiegsgehalt netto mehr gezahlt. Als Dissertant muß man Glück haben, eine FWF Stelle zu ergattern, an eine 45+ Stundenwoche muß man sich auch gewöhnen und div. Kongresse fallen auch oft noch ins Wochenende. Die Relation fehlt hier komplett, va. wenn man auch die Verantwortung und den Leistungsdruck eines Dissertanten bedenkt.

BioAnalytik
00
11.9.2009, 13:29

Von welchem Leistungsdruck und va welcher Verantwortung sprechen Sie da im Detail?

Das Pumuckl
00
11.9.2009, 19:04

ausprobieren, dann wissen Sie's!

BioAnalytik
00
12.9.2009, 09:23
bin gerade dabei . . .

(PhD) und kann dabei keine mir übertragen Verantwortung erkennen . . . Leistungsdruck OK, das kann ich nachvollziehen va in der "Projekt"-Generation. Aber für diese Entwicklung kann ich doch keine Berufsgruppe verantwortlich machen, die endlich aus dem Bildungsnirvana hervorgetreten ist.

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