Wer Biomedizinische Analytik studiert, kann sich später auf gute Jobchancen im Laborbereich freuen - Stressresistenz und Genauigkeit sind Voraussetzung
Was passiert mit unserem Blut, nachdem es im Krankenhaus oder beim Arzt abgenommen wurde? Es wird im Labor untersucht, das Ergebnis kann lebenswichtige Informationen liefern. "Die Verantwortung ist groß, Fehler können bei Patienten lebensbedrohliche Folgen haben", erklärt Christine Schnabl, Lehrgangsleiterin des Studiengangs Biomedizinische Analytik an der Fachhochschule Salzburg.
"Stellen Sie sich vor, es wird in einer Blutprobe Leukämie nicht erkannt: Die Krankheit kann nicht schnell genug behandelt werden, das Leben eines Menschen ist in Gefahr." Das Stichwort heißt Verantwortung. Wer sich für das dreijährige Bachelorstudium an der FH entscheidet, sollte sich dessen bewusst sein, so Schnabl. "Es sollte Verantwortungsvermögen da sein, das hat für mich auch einen sozialen Aspekt und etwas mit Vertrauen zu tun", sagt die Studiengangsleiterin.
Die Arbeit im Labor
Im Mittelpunkt des Studiums stehen Laboruntersuchungen. "Sie sind Basis jeder Krankengeschichte, sollen aber auch ein Instrument für das Gesundbleiben sein", erklärt Schnabl. Gearbeitet wird dabei am Mikroskop oder mit vollautomatisierten Maschinen. Etwas konkreter: Im Bereich der Zytologie (Zellenlehre) werden beispielsweise gynäkologische Abstriche untersucht, bei Gewebsuntersuchungen wird etwa ein herausgeschnittenes Muttermal auf Anzeichen von Hautkrebs überprüft.
Praxis und Theorie verbinden
Als besonders wichtig empfindet es Schnabl, die den Lehrplan selbst erstellt hat, die Theorie ständig mit der Praxis zu verbinden. Insgesamt besteht ein Viertel des Studiums aus praktischen Übungen, zu Beginn des Studiums in Übungslabors und später in Form von Praktika in externen Einrichtungen. Dabei arbeiten die Studenten insgesamt rund ein halbes Jahr lang in verschiedenen Labors mit.
Mehr Studenten gewünscht
Die Berufschancen beurteilt die Studiengangsleiterin als gut: Ein Drittel der Absolventen habe bereits vor Beendigung des Studiums einen Job, alle anderen, die gleich zu arbeiten beginnen wollen, würden innerhalb von ein bis zwei Monaten eine Stelle finden. Derzeit gibt es in Salzburg pro Jahr nur 15 Plätze für rund 80 Bewerber.
Beim zweistufigen Aufnahmeverfahren gilt es einen Test sowie ein Gespräch zu absolvieren. "In diesem Jahr mussten die Bewerber zum ersten Mal auch eine praktische Übung machen", sagt Schnabl. Sie wünscht sich mehr Studenten, „ein Drittel mehr wäre super, denn der Gesundheitsarbeitsmarkt wird größer, es braucht mehr gut ausgebildete Leute."
Einstiegsgehalt: 1.300 bis 1.500 Euro
Ulli Seidl und Anna Schönlieb haben es bereits geschafft: Sie gehören zu den ersten Absolventen des im Jahr 2006 eingeführten Studiums. Im Juli lernten sie noch für ihre Abschlussprüfung, schon im September fangen sie zu arbeiten an. "Ich habe mich blind beworben und insgesamt drei Bewerbungen geschrieben", erzählt Seidl, die bald ihren Job im Unfallkrankenhaus Salzburg startet. „Die Zusage habe ich genau am Prüfungstag erhalten", lacht sie.
Anna Schönlieb hatte ihre Zusage schon vor der Abschlussprüfung in der Tasche, nach insgesamt fünf Blindbewerbungen und einem Probearbeitstag. Die bald 21-Jährige fängt im medizinisch-chemischen Labor Mustafa in Salzburg zu arbeiten an. Das Einstiegsgehalt beziffert Studiengangsleiterin Schnabl mit rund 1.300 bis 1.500 Euro netto, je nachdem, ob man in einem vom Land finanzierten Klinikum oder in einem Privatlabor arbeite.
Chemie, Physik und Technik
Was sollte man mitbringen, um Biomedizinische Analytik zu studieren? "Man braucht Interesse im medizinischen Feld, andererseits werden beispielsweise auch Chemie und Physik unterrichtet", erklärt Studiengangsleiterin Schnabl. Auch der Umgang mit technischen Geräten sei Teil der Ausbildung.
"Analytisches Denken und Teamfähigkeit" sind für Absolventin Ulli Seidl wichtig. "Man muss stressresistent sein", sagt Absolventin Anna Schönlieb, "man darf sich nicht aus der Ruhe bringen lassen." Das Studium sei auf jeden Fall sehr lernintensiv und man sollte nicht erwarten, im Berufsleben viel Kontakt mit Menschen, zum Beispiel Patienten, zu haben. Studiengangsleiterin Schnabl fügt hinzu: "Man muss leistungsstark sein - es gibt viele praktische Prüfungen."
Kein Masterstudium
Bisher gibt es im Bereich Biomedizinische Analytik noch kein Masterstudium, was Schnabl als "großes Manko" bezeichnet. Sie hat vor zwei Jahren gemeinsamt mit den Fachhochschulen Wien und Graz ein Konzept eingereicht, das jedoch vom Bildungsministerium nicht gewährt wurde. Bestünde denn Interesse daran? "Wir würden es auf jeden Fall machen", sind sich die beiden Absolventinnen einig. (Maria Kapeller, derStandard.at, 1. 9. 2009)