Was die FHs waren, sind und werden können

31. August 2009, 10:44
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"15 Jahre Fachhochschulen in Österreich" ist Titel einer Sammlung von Aufsätzen, mit der die Erfolgsgeschichte des Sektors nachgezeichnet und eine mögliche Zukunft skizziert wird.

Als offizielle bildungspolitische Ziele für den Fachhochschulsektor zitiert Elsa Hackl den entsprechenden Passus aus dem rot-schwarzen Regierungsprogramm vom Dezember 1990: "Die Anpassung des berufsbildenden Bildungssystems an den europäischen Standard (...) erfordert die Einrichtung von Fachakademien, die den Hochschulbereich ergänzen und entlasten und als Aus- und Weiterbildungsstätten für unterschiedliche Berufs-felder einzurichten sind." Diese "Fachakademien" sollten grundsätzlich allen Absolventen höherer Schulen sowie jungen Facharbeitern (nach entsprechender Qualifikation) offenstehen.

Bildungspolitische Ziele

Diese Bestrebungen fußten etwa auf Befürchtungen, dass im entstehenden europäischen Hochschulraum die Absolventen der österreichischen Höheren Technischen Lehranstalten (HTL) in ihrer Wertigkeit sinken könnten, so Hackl, die vor ihrer Tätigkeit am politikwissenschaftlichen Institut der Universität Wien u. a. als Abteilungsleiterin für den Fachhochschulbereich im Wissenschaftsministerium beschäftigt war, in ihrem Text über "Bildungspolitische Ziele des Fachhochschulsektors und deren Erreichung" .

Die neuen Einrichtungen sollten zwar unter die Hochschulrichtlinie fallen, schreibt Hackl, den Bereich aber gleichzeitig auch ergänzen und entlasten - "also ein bisschen dazwischen liegen" , wie die Autorin formuliert.

"Die erste Generation von FH-Studiengängen waren achtsemestrige Diplomstudiengänge mit einem Berufspraktikum von einem Semester" , erinnern sich Wilfrid Grätz, der 1994 bis 2008 Geschäftsführer der Geschäftsstelle des österreichischen FH-Rats war, und Michael G. Kraft, Wissenschaftsreferent im Bundeskanzleramt und bis Ende 2008 Grätz' Mitarbeiter im Fachhochschulrat. 2002, im Rahmen der vierten Novelle des FH-Studiengesetzes, wurde die Einführung der Bakkalaureats- und der Magisterstudien (später: Masterstudien) beschlossen, gleichzeitig wurde die europäische Vergleichbarkeit der Abschlüsse durch die Vergabe von ECTS-Punkten sichergestellt.

Thematische Öffnung

Lag der Schwerpunkt des FH-Angebots 1994/95 noch auf technischen und wirtschaftlichen Studiengängen, so brachte bereits 1997 die Akkreditierung des FH-Studiengangs "Militärische Führung" an der Theresianischen Militärakademie eine erste thematische Öffnung. Seither wurden aber auch die ehemals an Sozialakademien angebotene Ausbildung für Sozialarbeiter sowie die Medizinisch-Technischen Dienste (z. B. Ergotherapie, Physiotherapie, Diätologie, Logopädie) in Fachhochschul-Studiengänge übergeführt.

Die ersten Abgänger gab es 1997: Es waren 114, davon nur 24 Frauen. Die Absolventenzahl stieg seither auf etwa 30.000; in der gleichen Größenordnung, bei etwa 31.000, lag die Zahl der aktiven FH-Studierenden im Sommersemester 2009, wobei der Anteil weiblicher Studierender mittlerweile bei ziemlich genau 45 Prozent liegt, Tendenz weiterhin steigend.

Neben der monetären Ausstattung durch die Fachhochschul-Erhalter spielt die Studienplatzförderung des Bundes eine zentrale Rolle in der FH-Finanzierung. Um einen Studiengang vom FH-Rat akkreditiert zu bekommen, muss die antragstellende Fachhochschule eine Kalkulation für den angestrebten Akkreditierungszeitraum (fünf Jahre) vorlegen, wie die Herausgeber des FH-Jubiläumsbuchs, Helmut Holzinger, Geschäftsführer der FH des bfi Wien, und Werner Jungwirth, Geschäftsführer der FH Wr. Neustadt, schreiben. Dazu ist das Um und Auf der Finanzierung, inklusive vorhandener Finanzierungszusagen, darzulegen.

Der Bund steuert die Entwicklung des FH-Sektors durch die Festlegung auf eine bestimme Anzahl von Studienplätzen, für deren Grundausstattung gezahlt wird. Dabei wird auch die Zahl der möglichen Studienanfänger fixiert, um die Etablierung neuer Studienprogramme zu kontrollieren.

Betreffend die Entwicklung des Sektors stellen die Autoren des Bands einige Thesen auf. So würden etwa regionale Studienzentren "durch die zunehmende Bedeutung des lebensbegleitenden Lernens" wichtiger, das FH-Studium werde zunehmend bedarfsorientierter. Auch würden "externe outputorientierte Qualitätsbewertungen" die Institutionen "noch mehr öffnen und auf den europäischen Wettbewerb vorbereiten" . Alles in allem ein vielschichtiger und abwechlsungsreicher Blick auf den Fachhochschulbereich. (Bernhard Madlener/DER STANDARD-Printausgabe, 29./30. August 2009)

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