RZB halbiert Gewinn

31. August 2009, 17:44
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Die Bilanz der RZB fiel nüchtern aus: Die Vorsorge für notleidende Kredite wurde deutlich erhöht, das drückt auf das Ergebnis

Die Bilanz der RZB fiel nüchtern aus: Die Vorsorge für notleidende Kredite wurde deutlich erhöht, das drückt auf das Ergebnis. Die Zeit der Rekordgewinne sei vorbei, sagte Raiffeisen-Zentralbank-Chef Walter Rothensteiner.

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Wien - "Wir haben im letzten halben Jahr keine Bank gekauft und auch kein Rekordergebnis erwirtschaftet." Mit diesen Worten eröffnete Walter Rothensteiner, Generaldirektor der Raiffeisen Zentralbank (RZB), am Montag die Präsentation der Halbjahreszahlen. Und er hatte es terminbedingt eilig - in flotten 17 Minuten zog er durch die vergangenen sechs Monate, in denen sich die Bank "in den schwierigen Zeiten behauptet hat" .

Das operative Ergebnis konnte die RZB zuletzt zwar um 17 Prozent auf 1,42 Milliarden Euro verbessern, der Konzerngewinn hat sich jedoch aufgrund explodierender Kreditrisikovorsorgen halbiert. Der Periodenüberschuss vor Steuern sank auf 463 Mio. Euro (minus 47 Prozent), unter dem Strich schrumpfte der Konzern-Periodenüberschuss (nach Steuern und Abzug anderer Gesellschafteranteile) um 57 Prozent auf 168 Mio. Euro.

Die Kreditrisikovorsorge wurde hingegen versechsfacht und stieg im Vergleich zum ersten Halbjahr 2008 von 200 Mio. Euro auf 1,267 Mrd. Euro. Vor allem in Osteuropa und in den GUS-Ländern (insbesondere in der Ukraine) müssen immer mehr Kredite an Privatkunden wertberichtigt werden. In Zentraleuropa legte die Neudotierung von Kreditrisikovorsorgen - hauptsächlich wegen Ungarn - um 202 Prozent auf 229 Mio. Euro zu. In Südosteuropa stieg die Kreditrisikovorsorge von 56 auf 227 Mio. Euro. In Russland waren vor allem Kredite an Firmenkunden betroffen, die Risikovorsorge vervielfachte sich von 37 auf 252 Mio. Euro. In der GUS-Region ging die Erhöhung von 32 Mio. auf 261 Mio. Euro vor allem auf notleidende Privatkredite zurück. Trotz aktueller Probleme bleibe Zentral- und Osteuropa aber ein Hoffnungsmarkt mit Wachstumschancen, sagte Rothensteiner.

Debakel in Island

Noch nicht ausgestanden ist das Island-Engagement. In Österreich wurden die Kreditrisikovorsorgen von drei Millionen Euro auf 282 Mio. Euro angehoben, davon seien aber rund 144 Mio. Euro auf isländische Bank-Forderungen zurückzuführen. Das Island-Obligo der RZB ist gegenüber 2008 größer geworden, weil zusätzliche Ausfälle dazugekommen sind. Ob damit das Island-Abenteuer abgeschlossen ist, blieb am Montag offen.

Die Eigenkapital-Situation der RZB wurde durch die staatliche Bankenhilfe verbessert. Im Rahmen der Gesamtemission von 2,5 Mrd. Euro wurden vom Bund 1,75 Mrd. Euro Partizipationskapital gezeichnet. Weitere 750 Mio. Euro zeichneten die RZB-Aktionäre, davon wurden im Juni 500 Mio. Euro bei neuen Investoren platziert. Dass die RZB dem Staat kein Wandlungsrecht auf das PS-Kapital zugestehen musste, andere Institute wie die Bawag hingegen schon, wurde von Rothensteiner verteidigt: Es handle sich um Einzelverträge, der RZB-Aufsichtsrat hätte nie ein Wandlungsrecht, also die Umwandlung in stimmberechtigte Aktien, akzeptiert.

Kritik an Basel II

Deutliche Kritik übte Rothensteiner erneut an den Eigenkapitalvorschriften Basel II, die "prozyklisch wirken und die Effekte der Wirtschaftskrise verstärken" . Hier sollte auf internationaler Ebene eine Abschwächung vereinbart werden. Ziel sei, dass die Banken in guten Zeiten Polster aufbauen, von denen sie in schlechten Zeiten zehren können.

Die RZB habe eine "robuste Eigenkapitalausstattung" und sei in der Lage, auch größere Schocks zu absorbieren: "Wir sind ,shock proof‘" , versprach er. Die Kernkapitalquote stieg auf 10,9 Prozent (Kreditrisiko) bzw. 8,9 Prozent (gesamtes Risiko nach Basel II).

In der Krise wird auch in der RZB an der Kostenschraube gedreht. Die Zahl der Mitarbeiter im Konzern hat sich im ersten Halbjahr um 5,5 Prozent (rund 4000 Jobs) auf 62.974 verringert, die Zahl der Filialen ging um 1,9 Prozent auf 3188 zurück. In Wien werde mit dem Beratungsunternehmen Boston Consulting Group ein Effizienzprogramm gestartet, das Ziel sei aber kein "Köpferollen" bei den 1400 Mitarbeitern, sagte Rothensteiner. (bpf, APA, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.9.2009)

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    RZB-Chef Walter Rothensteiner

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