Strabag besser als erwartet

31. August 2009, 08:57
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Operatives Ergebnis verbesserte sich auf nur noch 11,1 Millionen Euro Ebit-Verlust - Umsatz stieg um zwölf Prozent

Wien - Die börsenotierte Strabag SE hat ihre operativen Verluste im ersten Halbjahr deutlich verringert. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) verbesserte sich gegenüber der Vorjahresperiode von -28,4 auf -11,1 Mio. Euro massiv. Analysten hatten mit einer Verschlechterung auf -44,4 Mio. Euro gerechnet. Im Gesamtjahr will Unternehmenschef Hans Peter Haselsteiner das operative Ergebnis eigenen Angaben von heute, Montag, zufolge auf Vorjahresniveau halten, obwohl die erste Jahreshälfte so gut gelaufen ist und in der Baubranche traditionell schwächer ist als die zweite.

"Wie vor drei Monaten ist der Vorstand auch zur Jahresmitte der Meinung, dass wir das laufende Jahr - begünstigt durch Konjunkturprogramme der Regierungen - voraussichtlich auf Vorjahresniveau abschließen werden", teilte der Konzernchef mit. Allerdings werde sich das Klima im Bausektor in den kommenden Jahren voraussichtlich verschlechtern.

Steigende Nachfrage

Die starke Verringerung des operativen Verlusts in den ersten sechs Monaten des heurigen Jahres begründet Österreichs größter Baukonzern mit den besseren Ergebnissen im deutschen Hoch- und Ingenieurbau, der höheren Nachfrage im polnischen Verkehrswegebau und der Einbeziehung der Strabag Property und Facility Services GmbH (SPFS) in das Segment Sondersparten & Konzessionen.

Die Bauleistung des Konzerns (inklusive Arbeitsgemeinschaften) verbesserte sich im Berichtszeitraum von 5,3 auf 5,6 Mrd. Euro (+6 Prozent), die Umsatzerlöse erhöhten sich dank Akquisitionen von 4,8 auf 5,3 Mrd. Euro (+12 Prozent). Während die Leistung in Deutschland, Polen und Ungarn gesteigert wurde, ist sie in Österreich, Tschechien, Italien und Rumänien den Unternehmensangaben zufolge zurückgegangen.

Die beim Börsengang im Herbst 2007 kolportierte Russland-Fantasie hält derzeit nicht, was sie einst versprach - der Auftragsbestand in Russland, Ungarn, Italien und der Slowakei war im ersten Halbjahr 2009 rückläufig. Die Strabag konnte diese Entwicklung aber auf anderen Märkten - etwa in Polen - wettmachen. Per Ende Juni erhöhte sich der Auftragsbestand unter dem Strich gegenüber dem Vorjahresstichtag um 5 Prozent auf 14,3 Mrd. Euro, gegenüber dem Jahresende betrug der Zuwachs sogar 8 Prozent. Dank zahlreicher neuer Aufträge im polnischen Straßenbau sorgt das Land für den zweitdicksten Orderpolster nach Deutschland.

Kosten-Einsparungen

Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) verbesserte sich im ersten Halbjahr "mengen- und margenbedingt" um 25 Prozent auf 162,7 Mio. Euro. Vor allem beim Personal und beim Aufwand für Material und bezogene Leistungen seien Kosten gespart worden. Die Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte und Sachanlagen erhöhten sich den Angaben zufolge um 10 Prozent. Der Baukonzern beschäftigt derzeit rund 75.040 Mitarbeiter - wegen Firmenübernahmen in Deutschland sind das um 8.998 Personen oder 14 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Während das Finanzergebnis im ersten Halbjahr des Vorjahres positiv war, wirkte es sich im abgelaufenen Halbjahr den Angaben zufolge mit -16,57 Mio. Euro negativ auf das Vorsteuerergebnis (EBT) von -27,69 Mio. Euro aus. Die Verschlechterung des Zinsergebnisses erklärt die Strabag mit den getätigten Investitionen und dem Einbruch der Haben-Zinsen.

Das den anderen Gesellschaftern zustehende Ergebnis (Minderheitsanteile) wies einen Wert von 1,61 Mio. Euro auf. Im Vorjahr entfiel ein negativer Betrag in Höhe von -18,84 Mio. Euro auf die Minderheitsgesellschafter. Deshalb habe die Strabag im ersten Halbjahr 2009 ein negatives Konzernergebnis von -23,41 Mio. Euro gegenüber einem Plus von 1,02 Mio. Euro im ersten Halbjahr 2008 verzeichnet. Das Ergebnis je Aktie drehte von +0,01 auf -0,21 Euro.

Eigenkapitalquote unverändert

Die Bilanzsumme reduzierte sich geringfügig von 9.765,21 Mio. Euro zum 31. Dezember 2008 auf 9.480,21 Mio. Euro. Die Eigenkapitalquote sei mit 30,3 Prozent annähernd unverändert geblieben. Die Netto-Cash-Position in Höhe von 109,66 Mio. entwickelte sich zu einer Nettofinanzverbindlichkeit von 381,03 Mio. Euro, da die liquiden Mittel von 1.491,37 Mio. Euro auf 915,35 Mio. Euro sanken.

Der negative Cash-Flow aus der Geschäftstätigkeit verbesserte sich im Vergleich zum ersten Halbjahr 2008 von -346,42 Mio. auf -208,65 Mio. Euro, da trotz des gestiegenen Geschäftsvolumens der Aufbau des Working Capitals - allen voran bei den Forderungen - im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verringert werden konnte.

Im Einklang mit der Strategie, die Investitionen zu senken, reduzierte sich der Cash-Flow aus der Investitionstätigkeit von -591,69 Mio. auf -169,40 Mio. Euro. Der Cash-Flow aus der Finanzierungstätigkeit war mit -187,59 Mio. Euro negativ. Die Strabag hat im Gegensatz zum Vorjahr keine Unternehmensanleihe platziert.

Liquide Mittel schrumpften

 

Die Halbjahresbilanz der Strabag war zwar im Halbjahr tiefrot, fiel aber weitaus besser aus als erwartet. Von Entwarnung kann aber noch keine Rede sein. "Das Ergebnis ist natürlich auch deshalb besser ausgefallen, weil wir weniger investiert haben", sagte Unternehmenssprecher Christian Ebner am Montag. Die Strabag habe ihre Investitionen heuer halbiert. Gleichzeitig sind im ersten Halbjahr liquide Mittel in Höhe von 576 Mio. Euro abgeflossen - mit dem Geld seien ausschließlich Akquisitionen aus dem Vorjahr bezahlt worden.

Die Netto-Cash-Position drehte heuer in den ersten sechs Monaten von +109,66 Mio. Euro in Nettofinanzverbindlichkeiten von -381,03 Mio. Euro, da die liquiden Mittel von 1,49 Mrd. Euro um mehr als ein Drittel (576 Mio. Euro) auf 915,35 Mio. Euro schrumpften. Für den Moment seien keine weiteren Akquisitionen geplant.

Beim Ausblick auf das Gesamtjahr will der Baukonzern "bewusst vorsichtig sein". "Man weiß ja noch nicht, wie sich die Wirtschaft wirklich entwickeln wird und ob all unsere Kunden ihre Verbindlichkeiten so bedienen, wie sie es bisher tun", so der Unternehmenssprecher. (APA)

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    Strabag-Chef Hans Peter Haselsteine hat keinen Grund, richtig unzufrieden zu sein.

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