Die Abtreibung ist kein Anlass für Empfänge

30. August 2009, 21:11

Den Aufgaben der Klinik am Fleischmarkt wäre besser gedient, wenn die Stadt Wien endlich die Errichtung von zwei Schutzzonen verfügen würde

Der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn ist kein vorlauter Mann. Wenn er sich in der Öffentlichkeit meldet, hat er Gründe. Wie beispielsweise mit seiner Rüge für den FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, als dieser versuchte, das Kreuz politisch zu instrumentalisieren. Diesmal hat er, zumindest für einige Tage, die Abtreibungsdebatte neu angefacht. Doch hat er nicht expressis verbis die Rücknahme der bald 40 Jahre bestehenden Fristenlösung verlangt, sondern "flankierende Maßnahmen" eingemahnt.

Die Stadt Wien, zuerst Bürgermeister Michael Häupl, dann die Stadträtin Sonja Wehsely, haben allerdings durch die Ankündigung einer problematischen Veranstaltung Anlass geboten für die Intervention Schönborns. Zum 30-jährigen Bestehen der Abtreibungsklinik am Wiener Fleischmarkt hätten sie eine wohl durchdachte Erinnerung an das Datum überlegen können. Aber Politiker wollen fast immer feiern - weil sich das leichter vermarkten lässt. In diesem Fall ist es schiefgegangen. Ein "Empfang" zum Thema Abtreibung ist ziemlich geschmacklos.

Den Aufgaben der Klinik am Fleischmarkt (und jener am Mariahilfer Gürtel) wäre besser gedient, wenn die Stadt Wien endlich die Errichtung von zwei Schutzzonen verfügen würde. Für betroffene Frauen eine Erleichterung, für Proteste eine Erschwernis. Jedoch keine, die demokratische Rechte einschränken würde.

Den "Runden Tisch", von Schönborn statt des Empfangs gefordert, könnte die Kirchenspitze selbst veranstalten. Sie hat genug Autorität gegenüber den eigenen Fundamentalisten, auch eine(n) Befürworter(in) der sogenannten "Fristenlösung" ausführlich zu Wort kommen zu lassen.

Denn eines ist ganz klar festzustellen: Der Schwangerschaftsabbruch mit seinen frühen Fristen hat sich in Europa und in Nordamerika durchgesetzt. Als eine gesellschaftspolitische Übereinkunft, die natur- und medizinwissenschaftlich zwar nicht unumstritten, aber doch ausreichend begründet ist.

Dass der St. Pöltener Bischof Klaus Küng, ein erklärter Exponent des "Opus Dei", gleich erklärte, in den Abtreibungskliniken würden "Kinder getötet", ist allerdings nicht nur eine Facette der Auseinandersetzung. Diese Ansicht ist neben ihrer prinzipiellen Problematik so irrwitzig, weil der Vatikan durch sein Kondomverbot tagtäglich der Zeugung von Lebewesen Vorschub leistet, die keine reale Chance haben, die Kindheit zu überleben.

Der Bischofskonferenz kann ohnehin nichts geraten werden. Aber es wäre zweifellos klug, sich nicht schon wieder an einer Thematik festzukrallen, die politisch gelöst wurde. Zu einer Zeit, als es noch talentiertere Regierungen gab.

Wehsely & Co. sollten sich überlegen, anstatt zu feiern an Verbesserungen der Situation von Kindern zu arbeiten. Ohne vorschnelle, auf Wahlen schielende Gags - wie jenem mit den flächendeckenden Gratisplätzen in Wiens Kindergärten.

Dass die Kirchen in der Arbeit für Kinder viel leisten, sei natürlich betont. Und dass die meisten katholischen Frauen die diskutierten Fragen selbst beantworten wollen, ebenso. (DER STANDARD, Printausgabe, 31.8.2009)

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Prof. Alois
 
40
Eine schräge Situation

Der Wiener Bürgermeister richtet eine Feier aus für eine Privatfirma. Was muss man als Privatfirma tun, um im Rathaus sein Jubiläum gefeiert zu bekommen?

Noch unappettitlicher wird das ganze, weil diese Firma ihr Geld mit Abtreibung verdient. Die ist in Österreich verboten. Innerhalb gewisser Fristen wird sie aber nicht bestraft. In dieser Lücke verdient diese Firma ihr Geld. Das ist etwa des Niveau des Waffenhandels. Damit hat k einer gern was zu tun, aber irgendwie gehts ohne auch nicht.
Häupl sollte den Mensdorff-Pouilly einladen, wenn der Geburtstag hat. Dann entgeht er wenigstens in dieser Hinsicht einer bösen Beurteilung des Rechnungshofes.

FalscherProphet
11
Geh' bitte:

Der Vergleich "Abtreibungs-Business" mit Waffenhandel hinkt doch so, dass lediglich katholibanische Fundamentalisten es nicht mitbekommen...

Prof. Alois
 
10
Das ist eine Frage der Sichtweise

Für mich ist eben Waffenhandel ein notwendiges Übel. Und ich ersuche diese meine Meinung zu respektieren. Und zu sachlicher Entgegnung überzugehen. Sofern Argumente vorhanden sind:
Wie war das schnell mit den katholi...?

viridisdens
22
ein paar weltfremde fundies wollen sich die entscheidungen über (zumindest) die körper der frauen sichern!!!

readymate
13
31.8.2009, 22:21
Wenn's früher


mit den Kindern nichts geworden ist, dann war es der unergründliche Ratschluss Gottes,

heute entscheidet der Mensch über seine Angelegenheiten selbst.

Eine Errungenschaft, hinter die wir nicht mehr zurück wollen sollten...!

.

Cronos
11

Die einen Treiben ab- Parteien fordern die auf Krankenschein-, die anderen treiben einen monitären und zeitlichen Aufwand, um zu einem Kind zu kommen, auch hier die Forderung nach dem Sozialsystem.

Um da sind einige der Meinung, dass das ein guter Zustand sei und eine Errungenschaft sei.
Es scheint mir die Anklage des Mephisto zu stimmen, der da sagt:" Der kleine Gott der Welt bleibt stets vom gleichen Schlag und ist so wunderlich als wie am ersten Tag." Und weiter " Er nennts Vernunft und brauchts allein, nur tierischer als jedes Tier zu sein."

Josef Falk
 
103
31.8.2009, 23:32

Heute entscheidet der Mensch, welches Menschenleben gelebt werden darf und welches nicht!

Eine Errungenschaft (???), ob der wir uns in Grund und Boden schämen sollten!

readymate
27
Ach Quatsch...!


Der Mensch hat heute mehr denn je die Möglichkeit, sein Schicksal selbst zu bestimmen und nicht mehr den Launen der Natur und denen irgendwelcher Pfaffen ausgeliefert zu sein...!

Entscheiden Sie über Ihr eigenes Leben, schämen Sie sich wofür Sie wollen, aber halten Sie sich aus dem Leben anderer heraus, wenn die Sie nicht dazu berufen...!

.

Josef Falk
 
51

"Der Mensch hat heute mehr denn je die Möglichkeit, sein Schicksal selbst zu bestimmen"

Ja, schon! Aber nicht, wenn er schon vor der Geburt getötet wird.

karottensamen und sonstiges kraut
13

nein. über menschenleben entscheiden heute wie gestern ganz andere: genmanipulanten, umweltsünder, kriegsführer, moralprediger ...

und wie eh und je haben frauen nun einmal die möglichkeit, über ihren körper zu bestimmen. und es gibt wohl auch männer, die es manchmal auch umgekehrt sehr gerne hätten ... es ist alles eine frage erstens des willens und könnens der frau und zweitens der verantwortung aller beteiligten.

die fristenlösung und die pille danach haben alle frauen aus den fängen geldgieriger ärzte, abtreibungen in hinterzimmern und durch andere fragwürdige dinge, wie stricknadeln, abführmitteln oder in den bauch hauen, und damit aus dem mief einer scheinheiligen moral, befreit!!!

sie ist eine notwendigkeit des zivilen lebens.

Wunderkerze
00
31.8.2009, 18:22

Regierungen hatten (früher) nicht unbedingt mehr Talent, aber mehr Mut.

H.F.1
01
31.8.2009, 17:59
also was nun..

..herr sperl? rin in die kartoffel oder raus aus die kartoffel?

matheus mueller
01
31.8.2009, 18:49
wenn man es jedem..

..recht machen will,kommt eben so etwas dabei heraus.

M. Thomasberger
29
31.8.2009, 17:58
sehr geehrter herr sperl,

ich bin imalter, in dem sich schon historisches gedächtnis einstellt und erinnere mich daher an die auseinandersetzungen der katholischen kirche mit der aktion leben, als diese vom fundamentalistischen "lebens"-schutz der bischöfe abzuweichen begann.

wer sich mit den bedürfnissen der frauen beschäftigt,kommt bald zum urteil, dass diese selber wissen, was richtig und falsch ist und dass eine wohlerwogene autonome entscheidung über das eigene leben und den eigenen körper das beste ist.

das ambulatorium ermöglicht dies unter größtmöglicher wahrung der privatsphäre der betroffenen frauen- es ist mehr als unangemessen, dass die katholischen bischöfe dies zum anlass nehmen, wieder einmal politik zu machen.

maa2
12
31.8.2009, 17:58

Seit Jahrhunderten gibt es Situationen wo Frau leider keine andere Möglichkeit hat außer diesen Weg zu beschreiten, so ist das Leben, es ist gelegentlich zu einzelnen hart und unerbittlich, daher ist für jeden christlich denkenden Menschen die Lösung wie sie derzeit praktiziert wird als das beste anzusehen was es bisher auf diesem Gebiet gegeben hat und daher zu begrüßen und es kann auch gefeiert werden das vermutlich hunderte Menschen nicht zu irgendwelchen Kurpfuschern gehen mussten, sondern in einer absoluten Extremsituation nicht im Stich gelassen wurden sondern Hilfe erhalte haben. Schönborn leider wieder völlig am Leben vorbei und Sperl dürfte auch alt werden..

Josef Falk
 
83
31.8.2009, 18:49
40000 "absolute Extremsituationen" pro Jahr in Österreich?

Das glauben sie ja selbst nicht!

readymate
12
31.8.2009, 19:34
40 000


von eurer Sorte und das jährlich?

Zugegeben, ein bisschen viel...!

.

Josef Falk
 
42
31.8.2009, 23:23

Zynismus ist in dieser traurigen Sache nicht angebracht.

Mit dem menschlichen Leben scherzt man nicht.

leitfaden
22
31.8.2009, 17:50
herr sperl:

ein empfang für die betreiber einer institution, die die interessen von frauen utner größtem druck immer an erste stelle gestellt hat und die sich von den reaktionären kräften der katholischen kirche nicht einschüchtern ließ -das stünde der stadt wien wohl an.

schade, dass sich die stadtregierung von der "lebens"-rhetorik des kardinals einschüchtern ließ.

Dimple
62
31.8.2009, 20:07
Sehr geehrter Hr. Leitfaden

Eine Institution, die einen medzinischen Eingriff (der zum Glück legal ist!) vornimmt und das in Ausnahmesituationen der Patientinnen, und damit viel viel Geld macht, wird sonst eher ausbeuterisch, denn segensreich bezeichnet.

Ich will damit das Ambulatorium nicht schlecht machen, ich will nur auf die verzerrte Wahrnehmung in diese Sache hinweisen.

lg
Dimple

leitfaden
13
31.8.2009, 22:32
bester dimple, ich bin eine frau leitfaden, zuerst einmal.

und aus vielen begleitungen von frauen weiss ich, dass das ambulatorium abbrüche zt billiger als sädtische kliniken anbietet und dass sie frauen in schwieriger wirtschaftlicher lage einen reduzierten tarif anbieten. ausbeutung und geschäftemacherei sehen anders aus - etwa sie wie die "geschäftsgebarung" jener privatordinationen, die den bedarf der westlichen bundesländer abdecken.

Josef Falk
 
83
31.8.2009, 18:49

Was ist schlecht an "Lebens"-Rhetorik?

leitfaden
35
31.8.2009, 22:32

die rhetorik, herr falk. mit anderen worten, das gerede von blinden über farbe.

Josef Falk
 
63
31.8.2009, 23:28

Wir reden über das LEBEN, Frau Leitfaden - und da ist jeder Experte. Außer jene, vielleicht, deren Anliegen und Aktivität es ist, es zu beenden, noch ehe es geboren ist.

oxy
37
31.8.2009, 20:21
das problem der "lebens-rhetorik"..

ist, dass sie letztlich darauf hinauslaufen soll, die frau zur rechtlosen gebärmaschine zu degradieren. das ist es doch worum es eigentlich geht. die kirche will den $ 97 gar nicht anfechten, den gesetze sind ihr ohnehin egal. es geht darum, frauen gar nicht die möglichkeit zu geben. wenn keiner abtreibung anbietet, dann gibt es logischerweise auch keine. deshalb der biblische zorn, mit dem die fialas und co. verfolgt werden. und deshalb ist es für die kirche auch so ein affront, dass institure wie "pro woman" offiziell anerkannt werden.

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