Grüne Bescheidenheit

30. August 2009, 19:06
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Grüne Bescheidenheit ist zwar eine Zier, im Wahlkampf aber kontraproduktiv

Politik braucht Inszenierung, der Wahlkampf die Show. Inhalte? Auch. Als Beilage auf dem großen Präsentier-teller politischer Eitelkeiten - serviert von einem charismatischen ("Na fesch ist der schon") Spitzenkandidaten. So will es das Volk, so liefern es zumeist die Parteien. Bedenklich, doch längst ungeschriebenes Wahlkampf-Gesetz.

"Panem et circenses" also auch in Oberösterreich. Gut vier Wochen vor dem Urnengang haben die meisten Parteien mit Wahlkampfauftakten die heiße Phase eingeleitet. Mal mit Musical-Show und Partei-Genetiker Markus Hengstschläger (ÖVP), mal heftig deftig mit Bratwürstl im Bierzelt (FPÖ), mal ein Totengedenken mit Klavierbegleitung auf dem Linzer Pöstlingberg (BZÖ). Man kann über Inhalte diskutieren, aber zumindest die Inszenierung war da.

Anders bei den oberösterreichischen Grünen. Die Idee, in Österreichs größter Solarfabrik zu starten, war gut - die Umsetzung schlecht. Eine kleine Bühne inmitten der lauten Produktionshalle, eine holprige Moderation, gut 300 mäßig motivierte Besucher. Vorstellung der Kandidaten, Rede Anschober, Werksführung und ab zum Bio-Buffet. Man hat den Auftakt auf das Wesentliche reduziert - und sich letztlich schlecht verkauft. Eben das Dilemma der Grünen: Gute Inhalte, eine durchaus erfolgreiche Umsetzung etwa in Oberösterreich, aber nach außen schlägt man sich gekonnt unter Wert. Für die Grünen geht es am 27. September um viel, es wäre an der Zeit zu erkennen, dass die grüne Bescheidenheit zwar eine Zier, im Wahlkampf aber kontraproduktiv ist. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD, Printausgabe, 31.8.2009)

 

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