Mehr Risiko, mehr Geld und Anreize für Innovation

30. August 2009, 18:56
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So gemächlich wie Österreich gehen es nur wenige EU-Länder an: Finnland krempelt seine Forschungsförderung um

Alpbach - So gemächlich wie Österreich, das mit der dringend notwendigen Kurskorrektur im Innovationssystem nicht vor August 2010 beginnen will, gehen es nur wenige EU-Länder an. Schon gar nicht große Vorbilder wie Finnland, Dänemark und Irland. Zwar erhöhte die Regierung in Helsinki nicht die klassischen Ausgaben für universitäre und außeruniversitäre Forschung & Entwicklung (F&E), wohl aber brachte sie mittels Konjunkturpaketen Geld in ihr Innovationssystem.

Mit ihnen werden die überdurchschnittlich hohen F&E-Investitionen im EU-Vergleich in der Krise sogar angehoben, statt eingefroren wie in Österreich. Wie berichtet, werden in Finnland pro Jahr 5,9 Milliarden Euro oder 3,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in F&E investiert, davon aber nur 28 Prozent oder 1,7 Milliarden durch die öffentliche Hand.

Zum Vergleich: Österreichs Konjunkturpakete sind wohl hochwirksam, aber vergleichsweise altmodisch: Laut Wifo machen sogenannte Zukunftsinvestitionen (Bildung, Forschung, Energieeffizienz) nur 30 Prozent aus, während im EU-Schnitt 40 Prozent in "Nachhaltiges" investiert wird. Hinzu kommt, dass 80 Prozent der heimischen "Zukunftsinvestitionen" aus Bahn- und Straßenausbau bestehen, also "klassischen Beton-keynesianischen Maßnahmen", wie es Wifo-Steuerexpertin Margit Schratzenstaller nennt. Im EU-Schnitt sind es nur 50 Prozent. Besonders niedrig in Österreich: der Anteil der Bildungsausgaben.

Nachfrage- und Ergebnisorientierung

Was am Beispiel Finnland noch auffällt: Dass die Finnen ihre Förderpraxis zugleich massiv auf Nachfrage- und Ergebnisorientierung der Wirtschaft abgestellt haben. Gefördert wird nicht primär, was Experten für gut befunden haben und in Förderschwerpunkte implementiert wurde, sondern was von der Wirtschaft nachgefragt wird. Das sei zwar Neuland, räumt Antti Eskola, vom Innovationsdepartments des Wirtschafts- und Arbeitsministeriums bei den Alpbacher Technologiegesprächen ein, verspreche aber mehr Output und damit eine Stärkung der krisengebeutelten Gesamtwirtschaft. Außerdem rationalisieren die Finnen ihr F&E-Supportsystem, sie bieten Anreize für Risiko und Venture Capital.

Das würde laut einer Studie des Innovationsökonomen Hannes Leo auch Österreich guttun. Denn die Wirtschaft hierzulande ist zwar beim Innovationsinput spitze, als Technologieadopter aber eher risikoavers und bleibt beim Innovationsoutput sogar unter EU-Schnitt. Den Schluss, man sollte radikale Innovationen durch mehr und gezielte Schwerpunktförderung beschleunigen, teilt der frühere Wifo-Ökonom Leo nicht a priori: "Es genügt, Programme für einzelne Innovationsmodi zu erarbeiten." Denn es gebe in allen Wirtschaftssektoren schnell wachsende und hochinnovative Unternehmen, daher sei selektive Branchenförderung nicht erfolgsentscheidend. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31.8.2009)

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