Der rot-rote Tabubruch begann im Osten

30. August 2009, 18:49
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Ihren ersten Pakt schmiedeten Sozialdemokraten und Linke 1994 in Sachsen-Anhalt

Nichts hat in den Tagen vor dem Superwahlsonntag für solche Aufregung gesorgt wie der Wunsch der SPD und der Linken nach einer Koalition im Saarland. Die Debatte über eine solche Premiere in einem westdeutschen Parlament erinnerte an das Jahr 1994. Damals taten sich SPD und Linke zum ersten Mal zusammen. Sachsens Ministerpräsident Reinhard Höppner (SPD) bildete mit den Grünen eine Minderheitenregierung und ließ sich von den Linken tolerieren. Diese nannten sich zu der Zeit noch PDS („Partei des demokratischen Sozialismus").

Nicht nur CDU und FDP waren empört, Höppner musste auch viel Widerstand in der SPD aushalten. Viele erklärten, sie wollten unter keinen Umständen mit jener Partei zusammenarbeiten, die aus der SED („Sozialistische Einheitspartei Deutschlands) der DDR hervorgegangen war. Zudem hatten die ostdeutschen SPD-Landeschefs in der „Dresdner Erklärung" Bündnisse mit der PDS ausgeschlossen.

Vier Jahre später, 1998, war die Aufregung schon nicht mehr so groß. Da kam es in Mecklenburg-Vorpommern zur ersten „echten" rot-roten Koalition. 2002 folgte Berlin, wo SPD und Linke auch heute noch regieren. Im Osten ist die Linke 20 Jahre nach dem Mauerfall eine fixe Größe und in einigen Ländern so stark, dass sie die einzige Alternative zur ungeliebten großen Koalition ist. (bau, DER STANDARD, Printausgabe, 31.8.2009)

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