Nachbarin wies auf Kinder im Gartenversteck hin

31. August 2009, 10:57
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Entführer wurde vorzeitig aus Haft entlassen - War zu 50 Jahren Haft verurteilt, weil er 25-Jährige in Schuppen eingeschlossen und vergewaltigt hatte

Nach der Befreiung von Jaycee D. muss sich die Polizei eingestehen, dass bei den Ermittlungen 18 Jahre lang schwere Fehler gemacht wurden. Bewährungshelfer, die den Entführer daheim kontrollierten, schöpften keinen Verdacht.

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San Francisco - Im Fall der heute 29-jährigen Jaycee Lee D., die mit elf Jahren entführt worden war und vergangene Woche wieder auftauchte, kommen immer mehr Ermittlungspannen ans Licht. Nach dem Notruf einer Nachbarin im Jahr 2006 spricht der vorbestrafte Sexualverbrecher Phillip Garrido, der das Kind gemeinsam mit seiner Frau am Lake Tahoe in ein Auto gezerrte hatte, im Vorgarten seines Hauses mit einem Polizisten. Dem Beamten fällt nichts Verdächtiges auf - obwohl wenige Meter entfernt, im Garten hinter dem Haus, die entführte Jaycee Lee D. schon jahrelang mit ihren beiden Kindern, die heute elf und 15 Jahre alt sind, in Zelten und unter Planen versteckt gehalten wird. Außerdem wird gegen den Druckereibesitzer Garrido jetzt auch im Zusammenhang mit ungeklärten Morden an Prostituierten in den 1990er-Jahren ermittelt.

Möglicher Zusammenhang mit Prostituiertenmorden

Dutzende Polizisten durchkämmten am Wochenende im kalifornischen Ort Antioch Haus und Grundstück des 58-Jährigen. Frühestens heute, Montag, wollen die Ermittler weitere Einzelheiten bekanntgeben. Nach Polizeiangaben waren die Leichen der Prostituierten in der Nähe eines früheren Arbeitsplatzes Garridos gefunden worden. Er sei "eine Person von Interesse", berichtete der Radiosender KCBS am Samstag.

Kidnapper plädieren auf "nicht schuldig"

Am Freitag wurde gegen Garrido und seine Ehefrau Nancy Anklage erhoben. Sie müssen sich unter anderem wegen Entführung, Vergewaltigung und Freiheitsberaubung verantworten. Insgesamt liegen mehr als zwei Dutzend Anklagepunkte vor, doch die Kidnapper plädieren auf "nicht schuldig". Im Falle einer Verurteilung droht ihnen eine lebenslange Haft.

Bewährungshelfer wurden auf Versteck nicht aufmerksam

Die Polizei räumte gleichzeitig schwere Fehler ein. Die Behörden in Antioch nahe San Francisco hätten die Eheleute, die 1991 das elfjährige Mädchen Jaycee verschleppt, es 18 Jahre lang gefangen gehalten und sexuell missbraucht haben sollen, schon früher entdecken können. Obwohl Bewährungshelfer den vorbestraften Sexualstraftäter mehrfach zu Hause kontrollierten, wurden sie nicht auf das Versteck im Hinterhof des Anwesens aufmerksam.

Schon einmal Frau in Schuppen eingeschlossen

Eine misstrauische Nachbarin beschrieb Garrido 2006 als "Psycho" und berichtete von Kindern, die in Zelten lebten. Diesem Tipp hätte man mit mehr Nachdruck nachgehen sollen, sagte Sheriff Warren Rupf. Der ermittelnde Beamte hatte angeblich nicht gewusst, dass der Hausbesitzer bereits ein Vorstrafenregister als Sexualverbrecher hat. Garrido verbüßte von 1977 bis 1988 eine Haftstrafe wegen Entführung und eines Sexualdelikts. In Reno (Nevada) hatte der damals 25-Jährige eine junge Frau in einem Schuppen eingeschlossen und vergewaltigt.

Frühzeitig entlassen

Ursprünglich war er zu 50 Jahren Haft verurteilt worden, kam aber nach elf Jahren auf Bewährung frei. Seine Frau Nancy lernte er im Gefängnis kennen, als sie einen Mitgefangenen besuchte. Als Garrido vergangene Woche zu einem angeordneten Treffen mit einem Bewährungshelfer eine Frau namens Allissa mitbrachte, stellte sich heraus, das es sich dabei um Jaycee D. handelte.

Jaycee fühlt sich schuldig

Jaycees Mutter, Terry Probyn, hat ihre Tochter am Donnerstag vergangener Woche nach 18 Jahren erstmals wieder getroffen. Das Wiedersehen brachte aber auch widersprüchliche Gefühle zum Vorschein, räumte Stiefvater Carl Probyn am Freitag ein. "Sie (Jaycee) fühlt sich schuldig, dass sie mit diesem Mann eine so enge Bindung eingegangen ist. Er hatte sie 18 Jahre, wir hatten sie nur elf Jahre", sagte er zur New York Times. Laut Berichten von US-Medien hält sich Jaycee D. mit ihrer Mutter und ihren Kindern in einem Hotel in Nordkalifornien auf. (dpa, DER STANDARD Printausgabe 31.8.2009)

 

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    Polizisten durchkämmten am Wochenende das Grundstück von Phillip Garrido. Der Druckereibesitzer Phillip Garrido soll die damals Elfjährige 1991 entführt und über 18 Jahre vergewaltigt haben, er soll auch der Vater ihrer beiden Kinder sein. Gegen ihn und seine Frau wurde Anklage erhoben, beide plädierten auf "nicht schuldig". Der Vater Garridos bezeichnete seinen Sohn als "kranken Mann".

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