Ende des "Nullzins-Mythos"

Null für Zinsen keine absolute Grenze

30. August 2009 18:44
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    Foto: apa/dpa/nietfeld

    Eine Krone ziert ein Brückengeländer vor der hell erleuchteten Altstadt von Stockholm.

Die Schwedische Nationalbank hat auf Einlagen, die von Banken bei der Zentralbank gehalten werden, erstmals negative Zinsen gesetzt

Wien - Bis hierher und nicht weiter. Die globale Geldpolitik hat sich in der Krise zwar sehr expansiv gezeigt - Zinsen wurden gesenkt, Liquidität in den Geldmarkt gepumpt und giftige Wertpapiere gekauft -, aber alle Zentralbanker haben den kurzfristigen Leitzins nicht unter Null gesenkt. Eine solche Politik wurde aber auch beim diesjährigen Treffen der US-Notenbank Federal Reserve in Jackson Hole, Wyoming, offiziell nicht besprochen. Doch diese Nullzins-Grenze habe kaum theoretische oder praktische Fundierung, meinen Kritiker der Geldpolitik, etwa der niederländische Ökonom Willem Buiter. Mit Zinsen unter null würde das Horten von Geld bestraft und produktivere Verwendungen des Kapitals wären attraktiver.

Tatsächlich führt die Nullzins-Grenze zu einem großen Problem. Wenn eine Notenbanken die Zinsen bereits auf sehr niedriges Niveau gesenkt hat, etwa auf null, aber die Vergabe von Krediten immer noch stockt, befindet sich die Volkswirtschaft in der Liquiditätsfalle. Zusätzliches Geld wird dann die Wirtschaft nicht mehr stimulieren und die Geldpolitik wird wirkungslos. Daher haben Notenbanker zu "unorthodoxen" Methoden gegriffen, um die Wirtschaft anzukurbeln.

So haben sie etwa Papiere von Bankbilanzen verkauft und angefangen, auch die langfristigen Zinsen, die für Kredite wichtiger sind, zu senken. Doch diese Instrumente bergen ihre eigenen Probleme, mussten doch zahlreiche Notenbanken erkennen, dass die komplexen Instrumente, die mitverantwortlich für die Finanzkrise waren, schwer zu managen sind. Zahlreiche externe Berater, etwa aus den Investmentbanken der Wall Street, mussten zur Unterstützung in die Zentralbanken geholt werden.

Kerngeschäft Liquidität

Das Kerngeschäft der Notenbank ist und bleibt die kurzfristige Ausweitung oder Reduktion von Liquidität. Und hier gibt es laut Meinungen einiger Ökonomen auch Möglichkeiten, "unorthodox" zu agieren. Dem haben sich offenbar die Notenbanker in Schweden angeschlossen. Lars Svensson, Präsident der schwedischen Notenbank, hat sich bei der Zinssitzung im Juli vom "Nullzins-Mythos" verabschiedet, der die Probleme der Geldpolitik nur verstärkt hätte. Der ehemalige Kollege von US-Notenbanker Ben Bernanke an der Universität Princeton fährt fort: "Die Nullzins-Grenze gilt nicht für die Finanzmärkte; diese können mit negativen Zinsen umgehen, wenn nötig."

Die Sveriges Riksbank hat auf die Einlagen, die von Banken bei der Zentralbank gehalten werden, erstmals negative Zinsen gesetzt: Minus 0,25 Prozent. Wenn die Geschäftsbanken nun bei der Notenbank ihr Geld horten, zahlen sie eine "Pönale". Das scheint in der aktuellen Lage sinnvoll zu sein. In der Eurozone ist das nominale Kreditwachstum laut Daten der Europäischen Zentralbank (EZB) auf dem niedrigsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen, bei 0,6 Prozent. Zeitgleich halten die Banken 142,5 Milliarden Euro an Einlagen bei der EZB. Eine Pönale könnte hier die Kreditvergabe ankurbeln und das Problem der Liquiditätsfalle reduzieren. (Lukas Sustala, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31.8.2009)

 

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EU-Austretter
01.09.2009 14:02

Der Liquiditätsfalle entkommt man durch Freigeld:

http://www.webinformation.at/material/... system.pdf

das ist fix
04.09.2009 23:53
Schein-Geld


Der Geldsystemkrise entkommt man durch
nicht-beliebig vermehrbares Geld.

franz der freie
31.08.2009 13:42
offensichtlich schätzen die banken die bonität ihrer kunden niedrig ein.

deswegen geben sie auch keine kredite, was absolut in ordnung ist. wenn sie nun gezwungen werden, kredite an bonitätsschwache kunden zu vergeben, dann haben wir eine zweite subprime krise. will die wer ?
ps: die krise ist noch lange nicht vorbei. jetzt werden prime kunden brustkrank und können nicht mehr zahlen. die beträge sind nur viel höher, als bei der ersten welle.

Maistro71
31.08.2009 16:28
sorry, aber

von sub-prime klientel sind wir in europa ein gutes stück weg.

ich kenne hier nicht wirklich hilfsarbeiter, die sich über beide ohren für ein papp-haus in der pampa verschulden, und dann noch auf die vermeintliche 6%ige wertsteigerung p.a. weitere hypothekarkredite für autos, boote und urlaube aufnehmen.

Peter_23
31.08.2009 20:41
"sub-prime klientel sind wir in europa ein gutes stück weg"

Ach so? Gutes Stück weg?

Werfen Sie doch nur einen Blick ca. 50 km ostwärts von Wien, nach Ungarn, und werden Sie eines Besseren belehrt.

Ganerc-Callibso
31.08.2009 13:39
keine schlechte Idee

wenn die Banken dann das Geld auch weitergeben, dann würde es funktionieren...

tatsächlich werden's dann wohl das Geld nur wo anders deponieren...

Geronimo 02
31.08.2009 10:48
hallo

;-(((
wer hat sich schon was anderes erwartet?
da sich ja die köpfe seit einem jahr fast nicht veraändert haben, bleiben hie wie da die selben handelnden wie vor einem jahr, oder?
also treffen sich die selben irren schon wieder.
und wer kann da schon was vernünftiges oder tolles erwarten?
außer natürlich die "handelnden", oder?

her wig
31.08.2009 10:44

Laienhafte Frage: wieso sollten Banken ihr Geld zu negativen Zinsen der Zentralbank geben? Was ist deren Anreiz dazu?

Als Privatperson würde ich kleine Geldbeträge einfach zu Hause verwahren, ab einer bestimmten Grösse braucht's dann mehr Sicherheit mit entsprechenden Kosten; negative Zinsen müssen mit diesem Vergleichswert konkurrieren.

karakal
31.08.2009 12:56
Juhu!

Sie haben das Konzept verstanden!
Die Banken sollen ihr Geld nicht der Zentralbank geben! Damit sie aber trotzdem was verdienen, müssen die Banken das Geld "arbeiten" lassen. Und normalerweise verdient eine Bank nur an der Differenz zwischen Kredit- und Sparzinsen. Das führt dann hoffentlich dazu, dass die Banken wieder mehr Kredite vergeben....

Christian90
31.08.2009 13:49

"Und normalerweise verdient eine Bank nur an der Differenz zwischen Kredit- und Sparzinsen."

Naja, die Spareinlagen sind viel kleiner als das verliehene Geld. So betrachtet verdient die Bank an den Kreditzinsen.

Tatsächlich verdient die Bank ihr Geld aber durch Risikotransfer, der wie man gesehen hat auch mal nicht aufgeht. Ich glaube fast man könnte sagen Versicherungen minimieren (das Risiko) wärend Banken transferieren. Beide können viel von einander lernen.

karakal
31.08.2009 14:09
Deswegen....

....kann sich eine Bank Geld von der/den Zentralbank/en leihen, um das Geld wieder zu verleihen.
Gleichzeitig gibt es die sogenannte Eigenkapitalquote, mit der eigentlich sichergestellt sein sollte, dass nicht mehr Geld verliehen wird, als die Bank bei Ausfall zu verkraften in der Lage ist.
Der Risikotransfer fand bei den schrecklichen CDS und weiteren amerikanischen Finanzprodukten statt. Die Bank agierte hier nur mehr wie ein Vermittler, das Risiko trugen andere. Das soll definitiv NICHT Ziel einer Bank sein...

Christian90
31.08.2009 15:06
1/2

risiko transfer ist quasi das kerngeschäft der bank. nehmen wir an die bank emitiert eine anleihe und muss jählich einen fixen kupon zahlen. gleichzeitig hat die bank einen kredit der variable zinsen mit dem 3 monats libor als basis bringt. die bank muss also fixe zinsen zahlen und hat neben dem ausfallsrisiko den variablen zinsertrag als risiko. die bank macht dann einen receiver swap mit einer anderen bank und erhält dadurch fixe zinsen und zahlt der andern bank die variablen zinsen. es bleibt das ausfallsrisiko übrig.

Christian90
31.08.2009 15:09
2/2

jetzt war es natürlich suppie, konnte man dieses ausfallsrisiko auch noch weg transferieren. da sowohl der irs als auch der cds nicht gratis waren wusste man wieviel marge der kunde mehr zahlen muss damuit was übrig bleibt. allerdings ist es gar nicht einfach einen cds "auszuüben" und endet in langen gerichtsverfahren die auch wieder nicht gratis sind ...

Frank'n'furter ät www.agenda2020.at
31.08.2009 13:55

das ist ja genau das problem. die gehen keinerlei risiko mehr ein und erfüllen damit ihre ihre volkswirtschaftliche funktion nicht mehr.
gewinn ist gemäß bwl die abgeltung des unternehmerischen risikos, die banken machen aber gewinne ohne risiko. gehts schief, muss der staat eben einspringen, sehen wir ja: bankenrectalinjectionpaket, 100% einlagensicherung.

woher beziehen sie also ihre legitimation gewinne zu machen ?

hmm?

karakal
31.08.2009 14:07
Hei...

Ich bin der Letzte, der Banken verteidigt. Meiner Meinung nach hätten ruhig ein paar Banken (Goldman Sachs, HRE, Constantia,...) pleitegehen können, denn auch das gehört zum unternehmerischen Risiko dazu.
Das Problem sind überzogene Renditeerwartungen von Aktionären (ich spreche hier mal spezifisch die "25% Rendite" von Ackermann an). Banker (und auch viele Manager) agieren nicht mehr wie Unternehmer sondern wie Gehilfen von gierigen Aktionären.
DAS ist das größte Problem...

Frank'n'furter ät www.agenda2020.at
31.08.2009 14:19

eben.

und daher gehört das geldwesen kommunalisiert. es ist wie jede andere mono/oligopolsparte wie evu, öffis etc. nicht zur privatisierung geeignet.

eine bank ist eben kein gewöhnliches unternehmen, daher haben sie auch ganz andere bilanzierungsvorschriften.

sie gebärden sich aber als unternehmer und nutzen knallhart ihren kapitalkostenvorteil aus, die kk einer bank sind ja de facto null.

die rlb oö etwa hat inzwischen 500 (!) beteiligungen in der bilanz und spielt munter weiter monopoly, während sie und die anderen rlbs ihre tochter rzb vom staat füttern lassen.

damit muss endlich schluss sein.

karakal
31.08.2009 14:31
ABER!

Gerade bei der RLB OÖ ist das aber ein politisches Problem und nicht ein Problem der Bank an und für sich. Die Bank hat sich nur zum Handlanger der Politik machen lassen...

Nach der Erfahrung mit "kommunalisierten" bzw. staatseigenen Betrieben sehe ich solche Vorschläge SEHR kritisch!

Es muss auf der einen Seite der Einfluss der Politik beschränkt werden und auf der anderen Seite der Einfluss der Aktionäre und die kurzfristigen Renditeerwertungen beendet werden.

Elfriiidäää!!!
31.08.2009 09:25
Gute Idee,

aber die Banken könnten ihr Geld auch an der Börse anlegen und so der "Pönale" entgehen.

Zinnmo
 
31.08.2009 09:56

Ein Anlegen an der Börse wäre auch ein zur Verfügung stellen des Geldes an die Wirtschaft, genauso wie Kredite. Und genauso wie Kredite gibt es dabei auch ein Risiko für die Banken. Ziel erreicht.

M.Honeybee
31.08.2009 10:42

Nur: um die negativen Auswirkungen zu bremsen, müsste eine Spekulationssteuer auch für Banken her.

Foromat
31.08.2009 13:10

möchte meinen vorposter "natoll" ein wenig korrigieren.

Die Banken versteuern Gewinne aus Spekulationsgeschäften - wie alle anderen Gewinne im Zuge ihrer Bilanzerstelung als KÖST , also keine Spekualtionssteuer sondern einfach Gewinnsteuer.

natoll
31.08.2009 11:04

gibts ja ohnehin bereits. spekulationsgewinne sind für private wie für unternehmen, normal zu versteuern.

Elfriiidäää!!!
31.08.2009 10:10
Richtig,

außer die Banken spekulieren auf Kursschwankungen.
Das ist kein Kredit an die Wirtschaft > Ziel nicht erreicht.

The Dark
31.08.2009 09:10
Das "Problem" ist ganz ein anderes

In den USA hat man zB zur Zeit die größte Angst davor dass die Amis auf einmal zum sparen anfangen und die Sparquote extrem steigt. Weil wenn das so wäre ist es sofort wieder vorbei mit dem "Aufschwung". Weil jeder Cent der aufs Sparbuch geht fehlt der amerikanischen Wirtschaft.

natoll
31.08.2009 11:05

ganz ein anders? genau darum gehts ja hier.

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