Verbrauch rückläufig, E-Investitionen gestoppt

30. August 2009, 18:25
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Während erstmals eine Wirtschaftskrise zu geringerem Stromverbrauch führte, wurde gleichzeitig Geld teurer. Unternehmen steigen auf die Investitionsbremse

Wien - Diese Wirtschaftskrise hat bewirkt, was noch bei keiner Rezession zuvor der Fall war: Der Stromverbrauch ist in allen wichtigen Regionen der Welt rückläufig. "Das hat es in der Nachkriegszeit noch nie gegeben", sagte Florian Haslauer, Energieexperte der Unternehmensberatung A. T. Kearney, dem Standard. Bei früheren Konjunktureinbrüchen sei der Stromverbrauch zwar gedämpft worden, dennoch habe es zumindest ein kleines Plus im Verbrauch gegeben. Dass es diesmal anders ist, habe mit der globalen Dimension und Heftigkeit der Krise zu tun.

Rückgang des Stromverbrauchs

Die internationale Energieagentur (IEA) in Paris prognostiziert für heuer einen Rückgang des weltweiten Stromverbrauchs um 3,5 Prozent. Die in der OECD zusammengeschlossenen Industrieländer dürften in Summe um 4,8 Prozent weniger Strom verbrauchen als noch 2008, Russland gar um 8,8 Prozent weniger. In Österreich, wo zuletzt Zuwächse von 2,0 bis 2,5 Prozent die Regel waren, könnte sich der hauptsächlich von der Industrie ausgehende Minderverbrauch heuer in einem Minus beim Stromkonsum von etwa drei Prozent niederschlagen.

Dass der Verbrauchsrückgang nachhaltig sein wird, glaubt Haslauer indes nicht. Der langfristige Trend sei intakt, der Stromverbrauch der EU-27 werde trotz momentanen Rückgangs bis 2020 im Schnitt jährlich 1,6 Prozent steigen. Denn die starke Bindung des Stromverbrauchs an das Wirtschaftswachstum sei ungebrochen. Weil viele Energieunternehmen aufgrund der Krise ihre Investitionen stark zurückgedreht haben, seien Kapazitätsengpässen in der Stromerzeugung in den nächsten Jahren sehr wahrscheinlich. Viele Kohlekraftwerke seien am Ende ihres Lebenszyklus angekommen und müssten vom Netz. Allein die Ersatzinvestitionen gingen in die hunderte Milliarden Euro. Haslauer geht davon aus, dass der Strompreis aufgrund sich abzeichnender Engpässe in die Höhe schnellen wird.

Schlechtere Konditionen

Warum Unternehmen ihre Investitionen zurückfahren, habe nicht zuletzt mit den deutlich verschlechterten Konditionen am Kreditmarkt zu tun. Selbst Unternehmen mit gutem Rating hatten heuer im Jänner nach einer Untersuchung von A. T. Kearney um rund 50 bis 120 Basispunkte höhere Fremdkapitalkosten als vor der Krise. Mittlerweile sind die Kurse wieder gefallen, aber die Verunsicherung hält an.

Besonders von der Kreditklemme betroffen sind Entwickler alternativer Energieprojekte. Denn die anfänglichen Investitionskosten für die Erzeugung erneuerbarer Energien sind erheblich höher als bei konventioneller Produktion, ebenso wie die von den Banken verlangten Risikoaufschläge.(Günther Strobl, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 31.8.2009)

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    Verteuerte Finanzierungskosten bringen Investitionen zum Erliegen. Aber nach der Krise wird der Strombedarf weiter wachsen.

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