"Die Musi is nix - da kannst mit der Parteifahne net mit"

30. August 2009, 18:31
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Die Grünen setzen auf die Kraft der Sonne, das BZÖ auf die Macht der Toten, die ÖVP auf "Unser Dahoam" und die FPÖ auf ihren Bundesparteiobmann - Die Parteien in Oberösterreich haben den Wahlkampf offiziell eröffnet

Linz - Geschwindigkeit war gleich zu Beginn des Wahlkampfauftakts der Grünen gefragt. Vorausgesetzt man wollte eines der raren Schilder, wahlweise mit der Aufschrift "Richtungsentscheidung" oder "50.000 neue Öko-Jobs", ergattern. Doch auch ohne Beschilderung stand der Weg zum untypischen, für die Ziele der Grünen aber symbolhaften Veranstaltungsort offen. Man wählte nämlich die Werkshalle von Österreichs größter Solarfabrik Xolar in Eberstallzell.

Anschober, der zehn Prozent der Stimmen als Wahlziel nannte, versprach 50.000 neue grüne Jobs in den nächsten sechs Jahren. Und erklärte die Wahl einmal mehr zur Richtungsentscheidung zwischen FPÖ und Grünen. "Bei der Eisenbahn ist nicht entscheidend, ob die Lokomotive, die groß und mächtig ist, rot oder schwarz ist. Entscheidend ist, wer die Weichen stellt."

Für manchen Besucher war an diesem Abend dennoch zu wenig ÖVP-Kritik dabei: "Aber man wird halt auf einem Auge blind, wenn man lange mit jemandem zusammenarbeitet."

Einen Tag später ging es mit dem BZÖ aufwärts. Der Linzer Pöstlingberg war für einen Abend in orange und solarium-braun getaucht. Und man geht es beim BZÖ offenbar ruhig an - wovon schon die Anfahrt mit der Bergbahn zeugte. Für Obmann Josef Bucher soll es ein "Wohlfühl-Wahlkampf" werden, ohne Hektik, mit Gelassenheit und Zeit für Gespräche mit den Menschen. Das BZÖ sei eben der "Beschützer der Bürger".

Spitzenkandidatin Ursula Haubner kam mit eigenem Plan zum orangen Fest. Der "Haubner-Plan" soll es auch sein, der dem BZÖ in Oberösterreich mit "vier Prozent plus" den Einzug in den Landtag sichert. Gelingen soll das vor allem auch dank Jörg Haider. Erwartungsgemäß zog sich der Name des verstorbenen BZÖ-Gründers und Kärntner Landeshauptmannes durch alle Reden. Wenngleich BZÖ-Generalsekretär Gerald Grosz mahnte: "Wichtig ist nicht der Blick auf die Asche, sondern die Weitergabe des Feuers."

Schwarze Bläser

Am Samstag gingen dann ÖVP und FPÖ zeitgleich in Wels ins Rennen. Die ÖVP wählte für ihren Auftritt das Messezentrum und setzte vor allem auf musikalisches, um möglicherweise müde Funktionärsbeine für den Wahlkampf flott zu kriegen. Bereits kurz nach acht Uhr marschierte eine Welser Blaskapelle vor dem Gebäude auf, auf der Bühne folgte dann ein "Best of Musical". Und doch war dies noch nicht das Ende des Klangteppichs: Die "Seer" präsentierten per Video ihre Oberösterreich-Hymne "Unser Dahoam", Landeshauptmann Josef Pühringer selbst marschierte dann zu fetziger Dancefloor-Musik ein. Was so machen schwarzen Funktionär aus der Fassung brachte: "Die Musi is nix - da kannst mit der Parteifahne net mit - wegen dem Takt." Pühringer präsentierte sich, nachdem Bundesparteiobmann Josef Pröll ihm entsprechende Rosen gestreut hatte, auffallend staatstragend und verzichtete weitgehend auf scharfe Angriffe insbesondere gegen die SPÖ, die ihren Auftakt erst am 4. September absolviert. Vielmehr beschwor Pühringer Zusammenhalt und Zusammenarbeit, die notwendig seien, um die Wirtschaftskrise bewältigen zu können.
Blaue Steher

Auf Musik setzte man auch auf dem nahen Welser Minoritenplatz. Als FPÖ-Anheizer fungierten "Soundhaufn" - per Eigendefinition "Die Partyband aus Oberösterreich". Spitzenkandidat Manfred Haimbuchner, flankiert von Bundesparteichef Heinz-Christian Strache, gab als Parole "Kampf dem Verbrechen statt leerer Versprechen" aus und bediente FPÖ-Klischees. Er werde gegen Überfremdung kämpfen, es gelte künftig in Oberösterreich der "Haimbuchner-Handschlag". Und der 31-Jährige kündigte Steher-Qualitäten an: "Wir sind das Viagra der Innenpolitik, wir stehen zu unserem Wort."

(Markus Rohrhofer, DER STANDARD, Printausgabe, 31.8.2009)

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