Cerberus laufen die Anleger davon

30. August 2009, 18:17
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Mit Investitionen in der maroden Autoindustrie hat sich die "Heuschrecke" überfressen. Zwei Drittel der Anleger zogen ihr Geld aus deren Hedgefonds ab

New York - Dem Eigentümer der Bawag PSK, die "Heuschrecke" Cerberus, laufen die Anleger scharenweise davon. Investoren in die von Cerberus aufgelegten Hedgefonds haben im vergangenen Monat 5,5 Mrd. Dollar (3,8 Mrd. Euro) abgezogen, 71 Prozent des Fonds-Vermögens, berichtet das Wall Street Journal. Dies sei sowohl eine Reaktion auf die Verluste der Cerberus-Fonds, als auch auf den Cash-Eigenbedarf dieser Investoren zurückzuführen.

Gerüchte, dass Cerberus unter Druck stehe, die Bawag zu verkaufen, erhalten damit neue Nahrung. Wie berichtet, wies die Bawag am Freitag erstmals wieder einen Halbjahrsgewinn aus. Gleichzeitig gab Bawag-Chef David Roberts bekannt, dass er sich aufgrund einer "Herzerkrankung" zurückziehe.

Lange Zeit der Darling privater Investoren, hat sich Cerberus mit zwei spektakulären Übernahmen in der Automobilbranche verspekuliert, dem 7,2 Mrd. Dollar schweren Kauf von Chrysler sowie dem um 14 Mrd. Dollar übernommenen Autofinanzierer von General Motors, GMAC. Erstmals seit seiner Gründung im Jahr 1992 verzeichnete Cerberus Partners, der Hauptfonds von Cerberus, 2008 ein Minus von 24,5 Prozent, während er in den Jahren davor seinen Investoren stetige Gewinne von 16 bis 27 Prozent beschert hatte.

Von der Reaktion überrascht

"Die Reaktion unserer Investoren hat uns überrascht", gaben Cerberus-Chef Stephen Feinberg und Cerberus-Co-Gründer William Richter in einem Brief an ihre Anleger vergangene Woche zu. Für Feinberg wendet sich damit das Blatt: Über ein Jahrzehnt lang war Cerberus eine der erfolgreichsten Private-Equity-Firmen, die aus Kauf und Sanierung angeschlagener Unternehmen gute Renditen erzielte. Feinberg, von dem es kaum Bilder gibt, schirmte sich in all diesen Jahren von der Öffentlichkeit ab und heuerte zur Repräsentanz von Cerberus politische Promis wie den Ex-Finanzminister John Snow an, der auch bei der Bawag-Übernahme im Vordergrund stand.

Feinberg stolperte schließlich über die beiden Aufkäufe, die Cerberus das größte Interesse und den meisten Zulauf einbrachten, Chrysler und GMAC. Der Chrysler-Anteil ging in der Insolvenz des Autoherstellers auf, und damit GMAC mit staatlichen Milliarden aufgefangen werden konnte, musste Cerberus seine Kontrolle des Unternehmens an den Staat abgeben.

Frustrierte Anleger

Bereits seit Dezember sah sich Cerberus mit frustrierten Anlegern konfrontiert, die ihr Geld abziehen wollten. Cerberus weigerte sich jedoch auszuzahlen, mit der Begründung, dass dies unter herrschenden Marktbedingungen nur mit Verlusten möglich wäre. Unter dem Druck der Investoren restrukturierte Cerberus schließlich vergangenen Monat seine Fonds und öffnete damit ein Fenster für den Ausstieg, das ein großer Teil der Anleger nutzte. Neben den Hedgefonds (acht Mrd. Dollar Einlagen) betreibt Cerberus Private Equity (Privatanlagen) und Kreditgeschäfte (16 Mrd. Dollar Vermögen), schreibt das Wall Street Journal. Anders als die Fonds ist das Private-Equity-Geschäft durch langfristige Anlageverpflichtungen vor Mittelabfluss geschützt. (spu, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 31.8.2009)

 

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    Wenn sich Heuschrecken überfressen: Das verlustreiche Chrysler-Engagement brachte Cerberus in Schwierigkeiten

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