Tales of Monkey Island: Wiederkehr der Geschichte

29. August 2009, 18:17
16 Postings

Wiederbelebung des Referenzmodells im Adventure-Genre und alter Karibik-Humor

Anfang der 1990er-Jahre, als Computergrafiken noch grob pixelig und die Festplatten der Wohnzimmer-PCs selten größer als 40 Megabyte waren, tauchte ein junger Mann auf einer nächtlich dunkelblauen Karibikinsel auf, mit dem Vorsatz, unbedingt ein mächtiger Pirat werden zu wollen. Wie die meisten Figuren im Spiel hatte er einen ziemlich bescheuerten Namen: Guybrush Threepwood. Verben, die am unteren Bildschirmrand gereiht waren, leiteten durch die Rätsel des Abenteuerspiels, der Ausgang von Schwertkämpfen war von albernen Witzen abhängig, und Humor und Story waren noch nicht Beiwerk zu opulenter Optik, sondern wollten mangelnde grafische Möglichkeiten ausgleichen.The Secret of Monkey Island sollte zur fixen Größe der Computerspiel-Geschichte und zu einem Referenzmodell im Adventure-Genre werden.

Wiederbelebung

Die Wiederbelebung der Idee brachte diesen Sommer nicht nur das alte Spiel im neuen Kleid wieder, sondern auch die neue Abenteuer der Tales of Monkey Island, das in Episoden ausgeliefert wird. (Zwei sind bereits verfügbar.) Über das neue Kleid kann man streiten, die geschliffene 3-D-Ästhetik, die puppenhaften Figuren sind für Nostalgie-Spieler mit Pixeln im Hirn gewöhnungsbedürftig. Sonst muss man der Neuauflage von Telltale Games, die den Stoff von Lucasarts (gegründet von Star Wars-Macher George Lucas) übernahm, zugestehen, dass sie trotz Casual-Booms und Drucks von der Grafikmafia würdig mit der Geschichte umgeht. Der Humor ist zwar nicht mehr so frisch wie 1990, die Rätsel sind recht einfach, aber der Stoff wurde adäquat weitergezogen. Man hat sich nicht zu viel getraut, und das ist in diesem Fall gut so.

Guybrush darf den Zombiepiraten und Erzfeind LeChuck wieder mit Root Beer nachlaufen, seine Elaine tragisch verlieren und wiederfinden, im Dschungel nach der Actionfigur "Dark Ninja Dave" suchen und sich dabei an Wildschwein-Geräuschen orientieren, den Zeitungsinformanten "deep gut" suchen, seiner eigenen zombifizierten Hand Fallen stellen, mit Piraten-Kollege McGillicutty um Artefakte raufen. Et cetera.

Reminiszenz

Für Nostalgie-Spieler wartet es mit Verweisen auf alte Zeiten auf. Wenn bei Guybrush eine Antwortmöglichkeit auftaucht, wonach er "schöne Lederjacken" verkauft, erinnert das an die Spielumsetzung von Indiana Jones III. Und die Musik, die damals schon wesentlich zum Reiz des Spiels beigetragen hatte? Die Bands nachgespielt haben? Die Nachfrage bei einem musikkundigen Monkey Island-Nostalgiker ergab: Eigentlich ist sie für das Piepsen einer 90er-Jahre Soundkarte gemacht, nicht für richtige Instrumente. Das Original sei zu bevorzugen.

Dass in einem wachsenden, sich auffächernden Games-Markt das Genre wiederbelebt wird und solche Comebacks möglich macht, ist eine gute Nachricht. Der Kult schlug inzwischen schon hohe Wellen: In Wien wurden bereits öffentliche Monkey Island-Partys gefeiert. (Alois Pumhösel, DER STANDARD/Printausgabe, 29.8.2009)

  • Tales of Monkey Island: Für Wii, PC, angekündigt für Xbox, nur auf Englisch, Download ca. 33 €

    Tales of Monkey Island: Für Wii, PC, angekündigt für Xbox, nur auf Englisch, Download ca. 33 €

    Share if you care.