Karzai baut Vorsprung vor Abdullah weiter aus

29. August 2009, 15:57
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Nach Auszählung von über Drittel der Stimmen - Abdullah sieht Zukunft Afghanistans durch Wahlbetrug gefährdet

Kabul - Neun Tage nach der Präsidentschaftswahl in Afghanistan hat Amtsinhaber Hamid Karzai den Vorsprung vor seinem Herausforderer Abdullah Abdullah weiter ausgebaut. Die Unabhängige Wahlkommission (IEC) teilte am Samstag in Kabul nach Auszählung der Stimmen aus etwas mehr als einem Drittel der Wahllokale mit, Präsident Karzai komme nun auf 46,3 Prozent. Ex-Außenminister Abdullah folge mit 31,4 Prozent der Stimmen, von denen bisher etwas mehr als zwei Millionen ausgezählt worden seien.

Damit liegt Karzai inzwischen knapp 15 Prozentpunkte vor seinem wichtigsten Herausforderer. Bei der Verkündung der Teilergebnisse am vergangenen Mittwoch nach Auszählung von rund einem Sechstel der Wahllokale hatte Karzai noch um weniger als zehn Prozentpunkte geführt. Zu Beginn der Auszählung der Stimmen hatten erste Teilergebnisse sogar auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen hingedeutet. Wegen der geringen Zahl der bisher ausgezählten Stimmen aus der Wahl vom 20 August sind die Angaben nach wie vor begrenzt aussagekräftig. 

Abdulla: Wahlbetrug gefährdet Zukunft des Landes

Abdullah Abdullah sieht wegen der Fälschungsvorwürfe bei den Wahlen die Zukunft seines Landes in Gefahr. Er werde alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, um den "staatlich verordneten" Betrug zu bekämpfen, sagte der frühere afghanische Außenminister der britischen Zeitung "Daily Telegraph" (Samstagsausgabe). Ein Scheitern der Wahl würde auch das Scheitern Afghanistans bedeuten, denn das "Regime, dass diesen massiven Wahlbetrug zu verantworten hat", sei nicht legitimiert.

Abdullah äußerte die Hoffnung, dass die zentrale Wahlkommission "stark genug" sei, verdächtige Stimmzettel und Wahlurnen nicht zur Auszählung zuzulassen. Am Wochenende sollten weitere Teilergebnisse der Wahl veröffentlicht werden. Nach Auszählung von 17 Prozent der Stimmen liegt Karzai derzeit mit 42,3 Prozent vor Abdullah mit etwas mehr als 33 Prozent. Damit würde es eine Stichwahl zwischen den beiden Politikern geben.

Sollte Karzai auch bei der weiteren Stimmenauszählung nicht auf eine absolute Mehrheit kommen, wäre im Oktober ein zweiter Wahlgang zwischen dem Amtsinhaber und dem Herausforderer notwendig. Ein vorläufiges Ergebnis soll nächste Woche vorliegen, ein amtliches Endergebnis Mitte September. Die Beschwerdekommission bearbeitet derzeit mehrere hundert Einwände gegen die zunehmend umstrittene Wahl und die Stimmenauszählung. An dritter Stelle liegt der frühere Planungsminister Ramasan Bashardost mit 13,6 Prozent. Die restlichen 27 Kandidaten spielen keine wichtigere Rolle mehr. (red/APA)

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    Präsident Karzais Vorsprung wächst, Hauptrivale Abdullah Abdullah sieht einen "staatlich verordneten" Betru.

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