Makrodaten hellen zunehmend auf

29. August 2009, 14:33
1 Posting

Ein Kommentar aus dem Equity Weekly der Erste Bank - Von Ronald-Peter Stöferle

Die US-Börsen können die impulsive Sommerrallye weiter fortsetzen. Der Dow Jones Industrials kletterte zum 1. Mal 2009 über 9.500 Punkte und kann auf Wochensicht 2,47% zulegen. Auch der Nasdaq Composite kann die psychologische Hürde bei 2.000 Zählern überwinden und gewinnt 1,94%. Der S&P 500 steigt 2,34% und notiert nun bei 1.030 Zählern. Der Ölpreis profitiert vom zunehmenden Konjunkturoptimismus und handelt nun bei USD 72/Barrel, Gold tendiert bei nachlassender Volatilität seitwärts bei USD 950 je Unze.

Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe stiegen 2,6% auf 576.000. Der Philly Fed Index stieg auf 4,2, dies bedeutet den höchsten Wert seit November 2007. Das US-BIP fiel im 2. Quartal um lediglich 1%, der Konsens war von 1,5% ausgegangen. Das Verbrauchervertrauen kletterte indes auf den höchsten Stand seit Mai. Ben Bernanke übt sich weiterhin in Zuversicht. Man sehe nach dem starken Konjunktureinbruch im vergangen Jahr, eine Stabilisierung der Wirtschaft in den USA und weltweit. Zudem wurde Bernanke für eine zweite Amtszeit nominiert.

Häusermarkt: Wenig Grund zur Eurphorie

Für überbordenden Optimismus sorgten die Immobiliendaten. Der Case-Shiller Index stieg um 1,4% im Vergleich zum Vormonat. In 18 der 20 Regionen konnten die Häuserpreise zulegen, lediglich in Las Vegas und Detroit fielen sie. Im Vergleich zum Hoch sind hier die Preise bereits um mehr als 50% eingebrochen. Dies als nachhaltige Erholung bzw. Trendwende zu bezeichnen wäre jedoch verfrüht, nachdem der Index im Vergleich zum Vorjahr um 15,4 % fiel. Die Häuserpreise befinden sich nun auf dem gleichen Niveau wie Anfang 2003. Die Hausverkäufe stiegen indes um 9,6% und damit so stark wie seit einem Jahr nicht mehr. Jedoch bestehen weiterhin zahlreiche Risiken am Immobiliensektor. Die stark steigende Zahl der Zwangsvollstreckungen lässt den Angebotsüberhang weiterhin ansteigen. Seit Jahresbeginn wurden knapp 2 Mio. Verfahren eingeleitet, zudem übersteigt bei 30 % aller Hausbesitzer die Hypothek den Marktwert der zugrundeliegenden Immobilie. Auch die (Ende November auslaufenden) Steuervergütungen beim Immobilienkauf könnten eine weitere Talfahrt am Häusermarkt auslösen.

"Dr. Doom" skizziert trübe Aussichten

Nouriel Roubini sprach von einer W-förmigen Konjunkturentwicklung, eine sogenannte „double dip" Rezession. Aufgrund der massiven Stimuli und der damit verbundenen Rekord- Defizite, riskiere man den Status des US-Dollars als Weltreservewährung sowie das AAARating. Die erforderlichen Maßnahmen zur kurzfristigen Überwindung der Krise bedeuten eine langfristig schier aussichtslose Situation. Die Exit-Strategien müssen Steuererhöhungen, Verringerung der Liquidität sowie eine massive Kürzung der Ausgaben sein, was jedoch sofort die konjunkturelle Erholung umgehend abwürgen würde. Zudem fließe ein Großteil der Geldmengenausweitung in Rohstoffinvestments, ein Ölpreis jenseits der USD 100/Barrel würde das zarte Konjunkturpflänzchen ebenfalls schwächen.

M&A-Aktivitäten weiter im Aufwind

General Electric möchte sich von der Sicherheitstechnik-Sparte trennen. Man erwarte sich
Erlöse in Höhe von mehr als USD 2 Mrd. Procter & Gamble verkauft seine Pharmasparte an Warner Chilcott für insgesamt USD 3,1 Mrd. Die Aktien von Warner Chilcott haussiert mehr als 30%, nachdem die Transaktion sofort Gewinn steigernd wirke, sowie Steuervorteile über viele Jahre sichere. Zudem erhält man Zugang zu neuen Produkten und Märkten.

Eldorado Gold meldete die Übernahme der australischen Sino Gold für insgesamt USD 1,8 Mrd. Die Prämie auf den letzten Schlusskurs beträgt 21 %. Dies könnte der Startschuss für die von uns erwartete Branchenkonsolidierung im Goldsektor gewesen sein, nachdem zahlreiche Majors im Frühjahr massive Kapitalerhöhungen platzierten.

Caterpillar meldete eine Kooperation mit dem chinesischen LKW-Hersteller Anhui Jianghuai. Das Joint Venture werde schwere Lastwagen sowie Motoren produzieren. Boeing möchte im 4. Quartal 2010 mit der Auslieferung des Hoffnungsträgers 787 Dreamliner beginnen. Bereits 5x hintereinander hat man den Erstflug nun bereits verschoben.

Google bekommt immer mehr Gegenwind bezüglich des digitalen Bücher-Projekts. Microsoft, Yahoo und Amazon.com bilden die Allianz „Internet Archive" um gegen die Einigung zwischen Google und den Autorenverbänden zu intervenieren. Dell meldete einen Quartalsgewinn über Erwartungen, die Umsätze knickten im 2. Quartal um 22 % auf USD 13 Mrd. ein. Die Aktie
klettert nach Zahlen mehr als 7 %.

Citigroup drohen im nächsten Jahr Kreditausfälle in Höhe von USD 44 Mrd., dies geht aus einer Studie von Fox-Pitt Kelton hervor. Die Kapitalbasis könne dies jedoch verkraften. AIG haussiert 48,1% nachdem CEO Benmosche sich für einen überhasteten Ausverkauf der Beteiligungen aussprach. Man werde nur bei entsprechenden Preisvorstellungen verkaufen. Die aggregierten Handelsvolumina von Freddie Mac, Fannie Mae, Bank of America und Citigroup machten zuletzt übrigens 20 % des gesamten Handelsvolumens an der Wall Street aus. Investoren dürften scheinbar ein Faible für teilverstaatlichte und offensichtlich gescheiterte ehemalige Finanzgiganten haben.

In der nächsten Handelswoche kommen Zahlen von Sun Microsystems, Joy Global und H&R Block. Auch die Daten vom Häusermarkt und die Auftragseingänge der Industrie sowie die ISM-Indizes sollten für Impulse sorgen. Wir gehen von einer positiven Entwicklung an den USBörsen aus, im Laufe der nächsten Wochen sollte sich das „topping out" jedoch fortsetzen und das Momentum langsam abnehmen. Nach wie vor ist die technische Verfassung des Aufschwungs jedoch sehr positiv zu interpretieren. 91 % aller US-Aktien notieren über dem 200-Tage-Schnitt, die Marktbreite ist beeindruckend. Neupositionierungen erscheinen auf aktuellem Niveau jedoch nicht mehr opportun.

 

Share if you care.