Entführer-Paar streitet Schuld ab

29. August 2009, 09:20
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Mehr als zwei Dutzend Anklagepunkte

San Francisco - Gegen das mutmaßliche Entführer-Paar, das 1991 in Kalifornien ein elfjähriges Mädchen verschleppt, es 18 Jahre lang gefangen gehalten und sexuell missbraucht haben soll, ist am Freitag Anklage erhoben worden. Wie der US-Sender CNN berichtete, werden dem 58 Jahre alten Phillip Garrido und seiner 55-jährigen Frau Nancy unter anderem Entführung, Vergewaltigung und Freiheitsberaubung vorgeworfen. Gegen das Ehepaar liegen mehr als zwei Dutzend Anklagepunkte vor.

Die mutmaßlichen Entführer traten in Handschellen und roter Gefängniskleidung im Bezirk El Dorado County schweigend vor den Richter. Durch ihre Anwälte plädierten sie auf "nicht schuldig". Bei einer Verurteilung droht ihnen lebenslange Haft. Nancy Garridos Verteidiger, Gilbert Maines, sagte Reportern, dass er sich noch kein Bild von dem Geisteszustand seiner Mandantin machen konnte. "Sie sitzt auf der Anklagebank und weint", berichtete er.

Gegen Phillip Garrido wird jetzt auch im Zusammenhang mit der Ermordung von vier Frauen in den 1990er Jahren, darunter drei Prostituierte, ermittelt. Wie der Sender KTVU am Freitag berichtete, sollen die Leichen der Frauen in der Nähe eines früheren Arbeitsplatzes des Mannes gefunden worden sein. Die Beamten gingen entsprechenden Hinweisen nach und durchsuchten am Freitag das Haus des Mannes, hieß es.

Religiöser Fanatiker

Die mutmaßlichen Kidnapper waren am Mittwoch im kalifornischen Antioch festgenommen worden. Die Polizei konnte die inzwischen 29 Jahre alte Jaycee Lee Dugard aus der Gewalt des Ehepaares befreien. Sie war 1991 als Elfjährige nahe ihres Elternhauses in South Lake Tahoe entführt worden. Nach den Ermittlungen der Polizei wurde sie in einem Gartenschuppen hinter dem Einfamilienhaus gefangen gehalten und sexuell missbraucht. Garrido zeugte mit ihr zwei Kinder. Die Töchter der Entführten sind elf und 15 Jahre alt. Nachbarn und Bekannte beschrieben den Mann als religiösen Fanatiker, der davon sprach, Gottes Stimme zu hören.

Die Polizei in Antioch räumte am Freitag Fehler bei ihren Ermittlungen ein. "Wir haben eine Gelegenheit verpasst, früher einzugreifen", sagte Sheriff Warren Rupf Reportern. Eine Nachbarin hatte im November 2006 die Polizei alarmiert. Sie beschrieb Garrido als "Psycho" und berichtete von den Kindern, die in Zelten lebten. Diesem Tipp hätte man mit mehr Nachdruck nachgehen sollen, so Rupf. Ein Beamter habe damals mit Garrido in dessen Vorgarten gesprochen, aber nicht das Haus durchsucht. Der Ermittler wusste angeblich nicht, dass der Hausbesitzer bereits ein Vorstrafenregister als Sexualverbrecher hatte.

LSD

Garridos 88 Jahre alter Vater, Manuel Garrido, beschrieb seinen jüngsten Sohn als einen "kranken Mann". Er sollte bestraft, aber wie eine "verrückte Person" behandelt werden, sagte der in Nordkalifornien lebende Mann der "Los Angeles Times". Der Ärger habe schon in der Schule begonnen, nachdem der Bub die Droge LSD entdeckt hatte. "Damit ruinierte er sein Leben. Danach stellte er eine Menge verrückter Dinge an".

Nach Behördenangaben verbüßte Garrido von 1977 bis 1988 eine Haftstrafe wegen Entführung und eines Sexualdelikts. Ursprünglich war er zu 50 Jahren Haft verurteilt wurden, kam dann aber auf Bewährung frei. (APA/dpa)

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